Deutschlands zweitgrößter Seehafen Bremerhaven erhält eine weitere Großinvestition. Die Reederei Maersk und der Terminalbetreiber Eurogate wollen eine Milliarde Euro in die Rundumerneuerung ihres gemeinsam betriebenen Containerterminals investieren, des North Sea Terminals (NTB). Das teilten die Unternehmen am Freitag mit.

Ende 2025 hatte bereits der Bund eine finanzielle Unterstützung von 1,35 Milliarden Euro für die Erneuerung der Infrastruktur des Hafens von Bremerhaven angekündigt. Dabei geht es vor allem um die Ertüchtigung von Anlagen für eine bessere Beweglichkeit von Nato-Truppen im Krisenfall. Bremerhaven ist der in Deutschland wichtigste Hafen für die US-Armee.

Maersk ist die weltweit zweitgrößte Linienreederei. Den internationalen Betrieb von Terminals verantwortet innerhalb des dänischen Maritimkonzerns A.P. Møller – Maersk das Schwesterunternehmen APMT. Eurogate ist der größte deutsche Betreiber von Containerterminals, das Unternehmen gehört je zur Hälfte der Hamburger Familie Eckelmann und dem Bremer Konzern BLG Logistics.

„Mit den Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro soll das NTB zu einer der effizientesten und resilientesten Umschlaganlagen seiner Art weltweit mit Zero-Treibhausgasemissionen im Betrieb werden“, teilten Maersk und Eurogate mit. „Die Pläne sehen vor, das Equipment zu modernisieren und die jährliche Umschlagkapazität von derzeit drei auf künftig vier Millionen Containereinheiten (TEU) zu erhöhen.“ Welche Art der Automatisierung dabei eingesetzt wird, ließen die Unternehmen am Freitag offen. Unter anderem dürfte es aber darum gehen, künftig Containerbrücken einzusetzen, die von einem Bürogebäude aus ferngesteuert werden. Die Brückenfahrer müssen dann nicht mehr auf die riesigen Anlagen selbst gehen.

Zu den derzeit modernsten Containerterminals Europas und der Welt zählen der Terminal von APMT auf der Maasvlakte in Rotterdam sowie die HHLA-Terminals Altenwerder und Burchardkai in Hamburg. Diese Anlagen sind weitgehend automatisiert, für die Steuerung und Wartung der Systeme werden aber gleichwohl weiterhin Hunderte hoch qualifizierte Menschen benötigt. Auch auf den Kaianlagen selbst sind weiterhin Menschen unterwegs, etwa die Festmacher der Schiffe.

„Bremerhaven verfügt über ein einzigartiges Potenzial, sich als strategischer Logistik-Hub in der Region zu profilieren und die Warenströme von und nach Deutschland sowie unser Ocean-Netzwerk entscheidend zu unterstützen“, sagte Vincent Clerc, der Vorstandsvorsitzende von A.P. Møller – Maersk. „Mit unseren Investitionen soll das volle Potenzial des North Sea Terminals Bremerhaven ausgeschöpft werden, er soll zu einem der wettbewerbsfähigsten in Europas Nord-Range werden. Wir wollen den Terminal langfristig zukunftssicher machen und gleichzeitig die Zuverlässigkeit und Resilienz der Lieferketten für die deutsche Wirtschaft stärken.“

Maersk teilte mit, es gehe mit der Modernisierung in Bremerhaven ausdrücklich nicht darum, Ladung aus Deutschlands größtem Seehafen Hamburg abzuziehen. Im Gegenteil seien durch die seit Anfang 2025 aktive Allianz Gemini Cooperation von Maersk und der Reederei Hapag-Lloyd die Ladungsmengen in Hamburg im vergangenen Jahr „stark gewachsen“. Der Hamburger Hafen legt seine Jahreszahlen für 2025 Anfang kommender Woche vor.

Michael Blach, Vorsitzender der Gruppengeschäftsführung von Eurogate, sagte: „Das gemeinsame Vorhaben, den Terminal mit modernster Technik auszustatten und den Betrieb zu dekarbonisieren und damit den NTB für die kommenden Jahrzehnte fitzumachen, zeigt, wie sehr wir auch vom künftigen Erfolg des Standorts Bremerhaven im Netzwerk des globalen Seehandels überzeugt sind. Die Modernisierung des NTB setzt Standards und sichert darüber hinaus langfristig viele hochwertige Arbeitsplätze in der Region.“

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften.

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