Der Chef der seit Jahren kriselnden Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo, Bernhard Osburg, hat den Abbau von fast der Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland angekündigt. Von den derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen hierzulande sollen 6200 wegfallen, sagte Osburg der Nachrichtenagentur dpa. Das betreffe fast alle Bereiche, etwa Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und die IT.
Der Stellenabbau ist Teil eines Umstrukturierungsplans, mit dem Osburg das hochdefizitäre Unternehmen wieder in die Spur bringen will. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo infolge eines EU-Beihilfeverfahrens wieder schwarze Zahlen schreiben. Sonst droht das Aus. Auf Druck der EU-Kommission, die übermäßige staatliche Subventionen verhindern soll, ist DB Cargo verpflichtet, bis Ende 2026 profitabel zu werden. Denn der Mutterkonzern darf die Verluste der Tochter nicht mehr ausgleichen. Das operative Minus belief sich Osburg zufolge im vergangenen Jahr noch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Schon Osburgs Vorgängerin, Sigrid Nikutta, wollte den Konzern neu aufstellen, musste aber gehen, nachdem ihr Sanierungskonzept in einem externen Gutachten durchgefallen war.
Osburg betont nun, eine Strategie mit mittelfristiger Ausrichtung bis zum Jahr 2030 vorgelegt zu haben. Die gutachterliche Bestätigung wird für Ende Februar erwartet. In dieser Woche wurden die Beschäftigten sowie der Aufsichtsrat von DB Cargo informiert.
Der Sanierungsplan des früheren Stahlmanagers besteht aus vier Säulen:
Weil die Nachfrage im Güterverkehr in Deutschland bei den Hauptkunden aus den Sektoren Auto, Chemie und Stahl immer schwächer wird, will Osburg den Fokus aufs europäische Ausland legen. „Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus“, betonte er.
Die zweite Säule besteht aus Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro bis 2030. Die Maßnahmen dafür umfassen unter anderem den Wegfall von 4000 Arbeitsplätzen, einer schlankeren Verwaltung sowie Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.
Weitere 2000 Stellen fallen im sogenannten Einzelwagenverkehr weg, der beibehalten, aber grundlegend neu aufgestellt werden soll. Das ist die dritte Säule im Konzept. Bei dieser Verkehrsart werden einzelne Wagen bei Industriekunden abgeholt und auf großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt. Am Zielort werden sie wieder auseinandergenommen und die Waggons einzeln zum Endkunden weitertransportiert.
Osburg will die sogenannte Zugbildung künftig an vier Hauptstandorten – Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg – konzentrieren. Fünf weitere Rangieranlagen sollen als nachgelagerte Standorte betrieben werden mit einer flexibleren Auslastung. Von derzeit 27 Instandhaltungswerken wiederum sollen zwölf geschlossen oder verkauft werden.
Osburg betont, dass das Geschäft im Einzelwagenverkehr auch in der neuen Struktur defizitär und die Bahn auf eine Förderung des Bundes angewiesen bleibe.
Neue Konzernkultur angekündigt
Die vierte Säule betrifft die Unternehmenskultur. Der neue Chef will mehr Verantwortungsgefühl bei den zuständigen Entscheidern in der Fläche und verbindliche Pläne zur Umsetzung des neuen Konzepts.
Bis zum Sommer sollen weitere Details geklärt und das Konzept nach und nach in die Umsetzung gehen, betonte Osburg. Die neue Struktur im Einzelwagenverkehr soll bis 2027 umgesetzt werden.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die mit Nikutta bittere Kämpfe über deren Sanierungskonzept geführt hatte, befürwortet Osburgs Ausrichtung auf den europäischen Markt. „Wir sind uns mit Cargo-Chef Osburg einig: Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen“, teilte EVG-Vizechefin Cosima Ingenschay mit. Über den Weg dahin sei sich die Gewerkschaft aber nicht mit dem neuen Vorstand einig. „Bevor ein großer Arbeitsplatzabbau startet, erwarten wir, dass jeder Stein umgedreht und jede Maßnahme zur Steigerung der Effizienz geprüft wird.“ Die EVG werde um jeden Arbeitsplatz kämpfen.
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