Ein General der iranischen Revolutionsgarden hat damit gedroht, „jedes Schiff“ zu „verbrennen“, das die Straße von Hormus passieren will. „Wir werden auch Ölpipelines angreifen und nicht zulassen, dass auch nur ein Tropfen Öl die Region verlässt“, erklärte General Sardar Dschabbari am Montag im Onlinedienst Telegram. „Der Ölpreis wird in den kommenden Tagen 200 Dollar erreichen.“
Der Iran hält die strategisch wichtige Straße von Hormus weiter geschlossen. Kurz zuvor hatten iranische Medien von einem brennenden Tanker in der Meerenge berichtet. Die unter der Flagge von Honduras fahrende „Athe Nova“ stehe nach einem Drohnenangriff in Flammen, hieß es unter Berufung auf die Revolutionsgarden. Den Berichten zufolge warfen die Revolutionsgarden der Besatzung vor, im „Einklang mit Amerika“ zu handeln und Treibstoff für US-Kriegsschiffe zu liefern. Eine Stellungnahme des Eigners liegt bislang nicht vor.
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Die Straße von ist das Nadelöhr des internationalen Ölhandels. Etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls werden durch die an ihrer engsten Stelle nur 33 Kilometer breite Wasserstraße transportiert.
Der Schiffsverkehr in der für die Weltwirtschaft zentralen Region ist mittlerweile weitgehend zum Erliegen gekommen. Jeremy Nixon, Chef der Reederei Ocean Network Express (ONE), sprach von rund 100 blockierten Containerschiffen. „Etwa zehn Prozent der weltweiten Containerflotte stecken hier fest“, sagte Nixon auf einer Branchenkonferenz im kalifornischen Long Beach. Versicherer haben die Deckung für Fahrten durch die Meerenge inzwischen eingestellt.
Börse in Amsterdam reagiert sofort auf Produktionsstopp
Am Dienstagmorgen hatte die Furcht vor Versorgungsengpässen wegen des Iran-Krieges und der Einschränkung des Schiffsverkehrs die Gasnotierungen nach oben schnellen lassen. Verantwortlich dafür ist auch ein Produktionsstillstand für Flüssigerdgas in Katar.
Wie die staatliche katarische Nachrichtenagentur Qatar News Agency am späten Montagmittag auf X mitteilte, wurde die Produktion von Flüssigerdgas und verwandten Produkten aufgrund eines Angriffs auf die Anlagen von QatarEnergy in der Industriezone Ras Laffan und im Industriegebiet Mesaieed eingestellt.
An der Börse in Amsterdam zog daraufhin der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung im Mai auf zuletzt 45,32 Euro je Megawattstunde (MWh) an. Das sind etwa 44 Prozent mehr als am Freitag.
Eigentlich sollte Katar ab 2026 reichlich Erdgas nach Deutschland liefern, auch wenn es hierbei zuletzt einige Unstimmigkeiten gab. Aktuell sind die deutschen Gasspeicher nach dem kalten Winter deutlicher weniger gefüllt sind als vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt.
„Wir müssen uns auf eine längere Phase erhöhter Unsicherheit einstellen“, sagt Veronika Grimm
Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran ist die Reaktion auf massive Luftangriffe der USA und Israels auf den Staat, die am 28. Februar begannen. Ziel der Offensive ist laut US-Regierungsvertretern, dass sich die Führung in Teheran verpflichtet, keine Atomwaffen anzustreben. Als Vergeltung feuerte der Iran mehrere Raketensalven auf Nachbarstaaten ab, in denen US-Truppen stationiert sind. Dazu zählen Katar, Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien und der Oman.
In Deutschland warnte Ökonomin Veronika Grimm vor weltweiten ökonomischen Folgen der Eskalation im Nahen Osten gewarnt. „Der Konflikt im Nahen Osten hat das Potenzial, die geopolitischen Kräfteverhältnisse nachhaltig zu verschieben“, sagte Grimm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Wie stark und in welche Richtung, hänge von den Entwicklungen der kommenden Monate ab. „Klar ist jedoch: Wir müssen uns auf eine längere Phase erhöhter Unsicherheit einstellen“.
Zu befürchten seien die Folgen steigender Öl- und Gaspreise, so die Ökonomin. „Ein erneuter Energieschock würde eine Wirtschaft belasten, die sich noch immer von den vergangenen Preissprüngen erholt“, so Grimm weiter. „Eine längere Eskalation oder gar eine Störung zentraler Transportwege könnte darüber hinaus neue Lieferkettenprobleme verursachen“.
„Für Europa bedeutet das: steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit“, sagte Grimm, die seit 2020 im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sitzt, auch bekannt als die „Wirtschaftsweisen“.
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