Zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges ist Sprit im Tagesvergleich wieder billiger geworden. Superbenzin der Sorte E10 und Diesel waren im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs um 3,4 beziehungsweise 5,4 Cent pro Liter billiger als am Dienstag, wie der ADAC mitteilt.
Mit 2,011 Euro pro Liter war E10 allerdings immer noch gut 23 Cent teurer als am Tag vor Kriegsausbruch. Bei Diesel waren es mit 2,134 Euro pro Liter am Mittwoch sogar knapp 39 Cent mehr als vor Beginn der Angriffe.
Ein zentraler Treiber des Preisanstiegs der letzten Zeit waren die Rohölpreise, die in den vergangenen eineinhalb Wochen kräftig zugelegt hatten. Hintergrund ist, dass der Krieg die Straße von Hormus betrifft, durch die große Mengen an Rohöl aber auch Flüssiggas transportiert werden.
Die Bundesregierung will wegen der Preisentwicklung eingreifen – Tankstellen in Deutschland sollen künftig nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen. Dieses aus Österreich bekannte Modell wolle die Bundesregierung im Hinblick auf die wegen des Iran-Kriegs enorm gestiegenen Preise so rasch wie möglich einführen, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Mittwoch. „Dagegen sind Preissenkungen jederzeit zulässig“, erläuterte sie.
Nach einer Auswertung der Monopolkommission sind die Spritpreise nirgendwo in der EU so sehr gestiegen wie in Deutschland. „Die aktuellen Daten der EU-Kommission zu den Kraftstoffpreisen in den 27 Mitgliedstaaten zeigen ein klares Bild: Deutschland ist beim Preisanstieg Spitzenreiter“, sagte der Vorsitzende des unabhängigen Beratungsgremiums der Bundesregierung. Die Rechnung erfolgte den Angaben nach ohne Einbezug von Steuern und Abgaben.
Vergleiche man die Kraftstoffpreise an den Tankstellen ohne Steuern und Abgaben von dieser Woche mit der Woche vor Kriegsbeginn, liege der Dieselpreis in Deutschland um 44 Prozent höher. Im EU-Durchschnitt betrage der Anstieg dagegen 29 Prozent. Bei Benzin liege der Preisanstieg in Deutschland bei 29 Prozent, im EU-Durchschnitt dagegen nur bei 16 Prozent. „Zum Vergleich: Der zugrunde liegende Ölpreis ist im selben Zeitraum um 27 Prozent gestiegen“, sagte Duso.
Die höheren Kraftstoffpreise seien in geopolitischen Krisen wie diesen zunächst vor allem auf gestiegene Ölpreise zurückzuführen. „Dass die Preisanstiege in Deutschland deutlich stärker ausfallen als im europäischen Durchschnitt, ist ein Hinweis darauf, dass wir strukturelle Probleme im Mineralölmarkt anpacken müssen“, so der Chef der Monopolkommission.
Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hatte am Mittwoch mitgeteilt, ihre Mitgliedstaaten würden 400 Millionen Barrel Öl ihrer Notvorräte freigeben, um die Preise zu stabilisieren. Auch Deutschland wird sich dabei beteiligen.
Die Nervosität an den Märkten legte sich dadurch jedoch nicht. Die Nordseesorte Brent kostete stieg zuletzt auf zeitweise 101,59 Dollar pro Barrel, die US-Referenzsorte WTI notierte knapp unter 96 Dollar. Analysten warnten, dass Ölpreise von 90 bis 100 Dollar pro Barrel für eine Weile die neue Normalität sein könnten.
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