Es sind nur noch drei Minuten und 51 Sekunden bis zu dem Punkt der Artemis-2-Mission, an dem die vier Astronauten so weit entfernt sind von der Erde wie noch nie ein Mensch zuvor. Gebannt starren Weltraum-Fans auf der ganzen Welt auf den Live-Stream der US-Raumfahrtbehörde Nasa, um den historischen Moment zu verfolgen. Und dann passiert es: Plötzlich schwebt – klar zu erkennen – ein Nutella-Glas durchs Bild.
Die Nuss-Nugat-Creme war quasi aus dem Regal gefallen, als Astronautin Christina Koch kurz zuvor etwas in einer Plastiktüte verstaut und weggeräumt hatte. Das Glas fällt der Crew erst gar nicht auf und so schwebt es sekundenlang durch das ganze Raumschiff Orion.
Ein offenbar ungeplanter Zufall, der Nutella und der Herstellerfirma Ferrero einen Werbewert in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags verschafft, schätzt Experte Thomas Heyen von der Werbeagentur Jung von Matt. „Bei dem fliegenden Nutella-Glas handelt es sich vermutlich um einen Sechser im Lotto, von dem jede Marke träumt“, sagt Heyen WELT. „Eine massive globale Reichweite, die Ferrero da geschenkt wurde. Und das mutmaßlich ohne eigenes Zutun.“
Zusätzlich zu der Reichweite des eigentlichen Live-Streams, in dem das Glas zu sehen, profitiert der Hersteller auch noch von der Berichterstattung in anderen Medien, die durch die unfreiwillige Reklame ausgelöst wird und sie so noch verstärkt. „Bei einem weltweiten Ereignis steigt die Reichweite in die Milliarde Kontakte“, schätzt Heyen.
Und Kontakte zu potenziellen Nutella-Käufern sind in der Werbung eben bares Geld wert. „Der Media-Äquivalenz-Wert erreicht dann bis zu dreistellige Millionenbeträge. Also das Budget, das ein Unternehmen investieren müsste, um die selbe Anzahl an Menschen über regulär gebuchte Werbekanäle zu erreichen“, sagt Heyen.
„Das perfekte Product Placement“
Doch das ist nach Einschätzung des Experten nur ein Teil des unglaublichen Glücks, das die Nutella-Macher hier hatten. „In diesem Fall ist das gesamte Narrativ einzigartig“, sagt Heyen. „Das perfekte Product Placement mit der perfekten Story für Nutella: Das Gepäck eines Astronauten oder einer Astronautin ist aufs Gramm genau geplant und limitiert. Dennoch fällt die Entscheidung auf ein Glas Nutella. Als etwas, auf das man auf keinen Fall verzichten will.“
Das sei ein „höchstmenschlicher Moment in einem hochtechnologischen Augenblick“, so Heyen. „Keine Werbeplatzierung und kein Budget dieser Welt kann diese Authentizität liefern. Eine Sternstunde für Ferrero!“
Tatsächlich dürfte es sich um den wohl teuersten Frühstücksaufstrich der Menschheitsgeschichte handeln. Die Artemis-2-Mission um den Mond zu schicken kostet die Nasa mehr als vier Milliarden Dollar. Transportieren kann man für diese Summe lediglich rund 27 Tonnen mit der Rakete. Das bedeutet, dass jedes Kilo Gepäck knapp 150.000 Dollar wert ist. Ein 400-Gramm-Glas Nutella auf die Rückseite des Mondes zu transportieren, kostet damit rund 60.000 Dollar.
Kein Wunder, dass man sich bei Ferrero begeistert ist vom kostenlosen Flug um den Mond samt Werbespot zur besten Live-Stream-Sendezeit für das eigene Produkt. „Wie so viele Menschen auf der ganzen Welt verfolgen wir die Artemis‑2‑Mission mit großer Begeisterung und lassen uns von den brillanten Teams inspirieren, die sie möglich machen“, teilt das Unternehmen WELT auf Anfrage mit. „Wir wussten schon immer, dass Nutella einfach überirdisch ist – jetzt haben wir den Beweis!“
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Moritz Seyffarth ist Chefredakteur von „Business Insider Deutschland“ und verantwortlich für die Wirtschafts- und Finanzberichterstattung bei WELT.
Philipp Vetter ist Teamleiter im Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“.
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