Im Jahr 2008 drohte der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd eine feindliche Übernahme durch NOL mit Sitz in Singapur. Der damalige Schifffahrtsmarkt war extrem volatil, geprägt auch von massiven Überkapazitäten bei der Tonnage, speziell der Containerschiffe. In der Hapag-Lloyd-Zentrale am Ballindamm war klar: Eine Übernahme von Hapag-Lloyd durch NOL würde das Aus für die ursprünglich 1847 gegründete Reederei und den traditionsreichen Unternehmenssitz bedeuten.

Der damalige Vorstandsvorsitzende Michael Behrendt organisierte Hilfe, ein Konsortium namens Albert Ballin, benannt nach dem legendären Hapag-Chef vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Dieses Konsortium um die Stadt Hamburg und den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne übernahm vom Touristikkonzern TUI in Hannover die Mehrheit an Hapag-Lloyd und sicherte das wichtigste maritime Hamburger Unternehmen am Standort ab. Das dauerte, mit Zwischenschritten, insgesamt einige Jahre lang. „Ich wollte nicht derjenige sein, der hier das Licht ausmacht“, sagte Behrendt, der später lange Zeit Aufsichtsratsvorsitzender von Hapag-Lloyd war, vor einigen Jahren der WELT.

Anfangs war die Beteiligung für die Stadt ein schwieriges Unterfangen, besonders auch nach dem Börsengang von Hapag-Lloyd Ende 2015, als der Kurs des Unternehmens zunächst sank. Wie sehr sich das Investment allerdings gelohnt hat, beschreibt nun Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Insgesamt habe die Stadt 1,116 Milliarden Euro in Hapag-Lloyd investiert – und bislang rund 2,9 Milliarden Euro an Dividenden von der Reederei bekommen. Hinzu kommen die direkten und indirekten Steuereinnahmen aus der Präsenz von Hapag-Lloyd.

Das städtische Aktienpaket – seit 2017 hält Hamburg 13,86 Prozent der Anteile an der Reederei – sei derzeit 2,9 Milliarden Euro wert, 1,3 Milliarden Euro mehr als 2017. „Wenige Unternehmen sind so eng mit Hamburg verbunden wie Hapag-Lloyd. Deshalb war und ist unser stärkstes Motiv bei unserem Engagement die Standortsicherung des Unternehmens, Arbeitsplätze zu erhalten und Ladungskapazitäten für den Hafen zu sichern“, sagte Dressel am Mittwoch. „Entgegen vieler Unkenrufe hat sich unser Engagement für die Stadt im wahrsten des Wortes bezahlt gemacht. Wir freuen uns deshalb, die Anteile weiterhin in unserem Beteiligungs-Portfolio zu führen – und haben im Gegensatz zur CDU-Opposition nicht vor, das zu ändern.“

Hapag-Lloyd ist heutzutage wesentlich größer als 2008. Mit der Übernahmen der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV und dem Kauf der arabischen Reederei UASC hat sich auch der Aktionärskreis deutlich verändert. CSAV und Kühne sind heutzutage mit jeweils 30 Prozent die größten Anteilseigner, ein Investmentfonds aus Katar hält 12,3 Prozent, ein Fonds aus Saudi-Arabien 10,9 Prozent. 3,6 Prozent der Anteile liegen in Streubesitz. Derzeit arbeitet Hapag-Lloyd an der Übernahme der israelischen Reederei ZIM, die Zustimmung von deren Anteilseignern und der Regulierungsbehörden wird bis zum Jahresende erwartet.

Hapag-Lloyd ist die fünftgrößte Container-Linienreederei der Welt, gemessen an der Transportkapazität der Schiffe. In den vergangenen Jahren hat Hapag-Lloyd zudem ein eigenes globales Geschäft mit Containerterminals aufgebaut, das von derzeit 23 Beteiligungen bis zum Jahr 2030 auf mindestens 30 Beteiligungen wachsen soll. Zu diesem Netzwerk gehören unter anderem eine Beteiligung von 25,1 Prozent am Hamburger Containerterminal Altenwerder und von 30 Prozent am JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Mit der weltweit zweitgrößten Container-Linienreederei Maersk betreibt Hapag-Lloyd die Allianz Gemini Cooperation.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften.

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