In Deutschland beziehen immer weniger Menschen Elterngeld. Die Zahl sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent auf 1,61 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Damit fiel die Zahl der Elterngeldbezieher im vierten Jahr in Folge und lag 13,9 Prozent niedriger als 2021. Dieser Rückgang spiegelt auch die sinkenden Geburten in Deutschland wider. Nach wie vor beziehen fast dreimal so viele Frauen Elterngeld wie Männer. Die Unterstützung soll Frauen und Männern nach der Geburt ermöglichen, ihr Einkommen auszugleichen, wenn sie wegen der Betreuung des Kindes nicht mehr oder weniger arbeiten.
Beim sogenannten Elterngeld Plus gab es einen Rekord. Hier können Eltern die Unterstützung länger beziehen, dafür ist der monatliche Betrag aber niedriger. Im vorigen Jahr bezogen 648.000 Personen diese Hilfe oder planten dies. Das ist mit einem Anteil von 40,3 Prozent (2024: 36,7 Prozent) aller Elterngeldempfänger ein Höchststand.
Hanna Wang von der Autonomen Universität Barcelona und Projektleiterin bei der Rockwool Foundation Berlin sieht darin einen Trend, dass mehr Mütter im Beruf bleiben wollen. „Mit dem Elterngeld Plus gibt es einen zusätzlichen Anreiz, dass beide Eltern arbeiten gehen“, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. Denn wenn beide Elternteile parallel in Teilzeit arbeiteten, profitierten sie von einem Partnerschaftsbonus. Bisher würden nämlich vor allem Frauen, die im Durchschnitt nach wie vor geringere Einkommen haben, in Elternzeit gehen.
Stagnation bei Vätern
Insgesamt bezogen 1,19 Millionen Frauen Elterngeld im Vergleich zu 417.000 Männern. Der Anteil der Väter ist mit 25,9 Prozent damit fast genauso groß wie in den vergangenen Jahren. Frauen beziehen mit durchschnittlich geplanten 14,9 Monaten außerdem deutlich länger Elterngeld als Männer (3,8 Monate). Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, sieht darin eine „geschlechtsspezifische Verteilung von Sorgearbeit.“ Sie erklärte: „Diese ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit geht für Mütter mit erheblichen sozialen Risiken, zum Beispiel einer niedrigen Rente, einher.“
Die Expertin fordert deshalb, das Elterngeld weiterzuentwickeln und zum Beispiel den Anteil der nicht übertragbaren Monate im Elterngeld auszubauen sowie die Mindest- und Höchstsätze zu erhöhen. So könnten Eltern eher auf das oft höhere Gehalt des Vaters verzichten.
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