Wer in Deutschland künstliche Intelligenz nutzt, greift fast reflexartig zum Marktführer: Gut 70 Prozent der KI-Anwender setzen auf ChatGPT von OpenAI, wie eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt. Dahinter folgen Googles Gemini mit 50 Prozent und Microsoft Co-Pilot mit 43 Prozent. Meta AI, das direkt in WhatsApp integriert ist, kommt immerhin noch auf 35 Prozent.

Alle anderen Anbieter spielen eine Nebenrolle: DeepSeek nutzen acht Prozent, Perplexity sieben Prozent, Grok von Elon Musks xAI sechs Prozent, Claude von Anthropic fünf Prozent – und das europäische Angebot LeChat von Mistral gerade einmal vier Prozent.

Das amerikanische Übergewicht ist dabei vielen Deutschen bewusst – und es bereitet ihnen Unbehagen. Fast drei Viertel der Befragten sagen, Deutschland sei bei KI zu abhängig von den USA, zwei Drittel würden gerne eine KI aus Deutschland nutzen. Ebensoviele sprechen sich dafür aus, dass die Europäische Union eine eigene KI entwickeln sollte.

„Europa darf sich bei KI nicht einseitig abhängig machen“, mahnt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. „Wir brauchen eigene, starke Anbieter für unsere digitale Souveränität.“ Dass dieser Wunsch bislang weitgehend unerfüllt bleibt, zeigen die Nutzungszahlen deutlich: Europäische Alternativen fristen in der Praxis ein Schattendasein, während amerikanische Konzerne den Markt unter sich aufteilen.

Insgesamt ist KI im Alltag der Deutschen schneller angekommen als viele erwartet hätten. Bereits 58 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren nutzen die Technologie, ein Drittel davon mindestens einmal pro Woche, 15 Prozent sogar täglich. Besonders aktiv sind die Jüngeren: Bei den 16- bis 29-Jährigen greifen 29 Prozent täglich auf KI zurück, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 22 Prozent.

Mit zunehmendem Alter sinkt die Nutzungsintensität deutlich – bei den über 65-Jährigen nutzen zwei Drittel KI überhaupt nicht, mehr als ein Drittel kann es sich auch nicht vorstellen. „Künstliche Intelligenz ist schneller im Alltag angekommen als jede andere Innovation zuvor“, sagt Wintergerst. Deutschland müsse KI nicht nur nutzen, sondern mitgestalten – und die Skeptiker dabei mitnehmen.

Wer KI nutzt, macht das für mehrere verschiedene Anwendungszwecke – von Textarbeit über Gesundheitsfragen bis hin zu Kochrezepten. Der meistgenannte Einsatzbereich ist mit 54 Prozent die Hilfe bei Alltagsfragen wie Kochen oder Reparaturen, gefolgt von Texten schreiben und verbessern mit 50 Prozent sowie Übersetzungen mit 41 Prozent. Auch zum Zusammenfassen längerer Texte wird KI von 40 Prozent der Nutzer eingesetzt.

Für persönliche Fragen greifen 44 Prozent auf KI zurück, für gesundheitliche Themen ein Drittel, für Finanzfragen immerhin noch ein Fünftel. Kreativ wird KI von 30 Prozent der Nutzer eingesetzt, etwa zur Entwicklung neuer Ideen oder zur Erstellung von Bildern und Musik. Nur zehn Prozent programmieren mit KI-Unterstützung – ein Bereich, der in der öffentlichen Debatte oft als zentraler Anwendungsfall gilt, in der Breite der Bevölkerung aber noch eine Randerscheinung ist.

Die Motive für den KI-Einsatz lassen sich dabei in drei Kategorien bündeln: KI als Turbo, KI als Coach und KI als Sparringspartner. 58 Prozent der Nutzer sparen damit Zeit, zwei Drittel vermeiden Fehler, ein Fünftel spart damit Geld. Als Lernwerkzeug schätzen die Technologie ebenfalls viele: Jeder Zweite versteht mit ihrer Hilfe komplexe Themen besser, 42 Prozent nutzen sie, um Neues zu lernen. Und als Ideenlieferant überzeugt KI fast jeden zweiten Nutzer, während 46 Prozent die Qualität ihrer Arbeit verbessert sehen und 40 Prozent KI bei Entscheidungen zu Rate ziehen.

Wer KI noch nicht nutzt, tut dies selten aus grundsätzlicher Ablehnung. Nur 13 Prozent der Nicht-Nutzer bezeichnen sich als prinzipielle KI-Gegner. Die meisten greifen schlicht zur gewohnten Internetsuche zurück. 44 Prozent fehlt das Vertrauen in die Technologie, 36 Prozent sehen schlicht keinen Bedarf, ein Viertel der Nichtnutzer kennt schlichtweg keine passenden Anwendungen dafür. Immerhin zehn Prozent sind nach eigenen Angaben noch gar nicht auf die Idee gekommen, KI auszuprobieren.

Sorgen gegenüber KI sind trotz wachsender Nutzung weitverbreitet. Nur gut zehn Prozent der Befragten begegnen ihr ohne jegliche Bedenken – immerhin doppelt so viele wie im Vorjahr. Die größten Befürchtungen gelten der Verbreitung von Falschinformationen sowie zu wenig Regeln und Kontrolle, jeder Zweite äußerte sich entsprechend.

Fast genauso viele sorgen sich, dass KI zu viel Macht bekommt – ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 40 Prozent haben Datenschutzbedenken, empfinden KI als oft undurchsichtig und fürchten fehlerhafte Ergebnisse. Immerhin ein Viertel hat Angst, durch die Nutzung von KI zu verdummen – ein Befund, der zeigt, wie tief die Ambivalenz gegenüber der Technologie reicht.

Jeder Zweite nutzt KI im Job

Im Berufsleben ist die Lage ähnlich gespalten. Knapp die Hälfte der Erwerbstätigen setzt KI bei der Arbeit ein – mehrheitlich mit Wissen des Arbeitgebers. Allerdings nutzen zwölf Prozent KI im Job, ohne dass der Arbeitgeber davon weiß. Die andere Hälfte lehnt den Einsatz bislang vollständig ab, 45 Prozent wollen bei ihrer Arbeit grundsätzlich nicht von KI unterstützt werden. Gleichzeitig hätte jeder Zweite gerne eine KI als persönlichen Assistenten im Job.

Als größte Vorteile im Beruf nennen die Befragten die Erleichterung von Routineaufgaben, die Einsparung von Arbeitszeit und mehr Freiraum für wichtigere Aufgaben. Bei den Nachteilen dominieren Fragen zu Verantwortung und Kontrolle: Mehr als jeder Sechste sagt, es sei unklar, wer für Fehler einer KI verantwortlich ist. Fast 60 Prozent der Erwerbstätigen kritisieren fehlende Transparenz darüber, wohin die für KI verwendeten Daten fließen. 55 Prozent bemängeln weniger menschlichen Kontakt bei der Arbeit.

KI-Fortbildungen durch den Arbeitgeber sind derweil noch die Ausnahme. Nur ein Fünftel der Beschäftigten hat ein solches Angebot bereits genutzt, bei 37 Prozent gibt es gar keins. Ein Viertel geht davon aus, dass ihr Unternehmen nichts Entsprechendes anbietet, ohne es sicher zu wissen.

Trotz aller Skepsis überwiegt in der Gesamtbevölkerung die Zuversicht: Mehr als zwei Drittel sehen KI eher als Chance, gut ein Fünftel eher als Gefahr. Allerdings hat die Skepsis im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen – damals sahen noch drei Viertel die Technologie optimistisch. Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Generationen: Während mehr als 80 Prozent der 16- bis 29-Jährigen KI als Chance begreifen, sind es bei den über 65-Jährigen nicht einmal 60 Prozent. Für seine repräsentative Umfrage hat der Bitkom mehr als 1000 Personen ab 16 Jahren befragt.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.

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