Deutschland will Milliarden investieren, um beim bevorstehenden Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS einzusteigen und auf Augenhöhe mit Frankreich zu operieren. Nach einem monatelangen Tauziehen um die Höhe der staatlichen Beteiligung sind jetzt die Würfel gefallen. Deutschland wird sich mit zunächst 40 Prozent an dem Rüstungskonzern beteiligen und soll dann gleich viele Anteile wie Frankreich halten. KNDS-Verwaltungsratschef Thomas Enders bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters entsprechende Angaben aus Regierungskreisen.

Thomas Enders

Es wäre das größte staatliche Engagement Deutschlands an einem Rüstungskonzern. In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, KNDS könne beim Börsengang mit bis zu 20 Milliarden Euro bewertet werden. Der Bund müsste für seinen Anteil damit bis zu acht Milliarden Euro bezahlen. Bislang ist die Bundesrepublik nur mit gut 25 Prozent am Sensorhersteller Hensoldt sowie mit rund elf Prozent am Luftfahrtkonzern Airbus beteiligt. Keine Anteile hält Deutschland am größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall. Der Düsseldorfer Konzern ist deutlich größer als KNDS und ein Konkurrent, aber auch Partner bei der Produktion des Kampfpanzers Leopard, des Schützenpanzers Puma oder des Transportpanzers Boxer.

Seit über einem Jahr ist bekannt, dass der aus dem Münchner Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann in Privatbesitz sowie dem staatlichen französischen Rüstungskonzern Nexter geformte Konzern KNDS an die Börse gehen will. Die privaten deutschen Anteilseigner unter der Führung der Familien Bode und Braunbehrens, die bisher 50 Prozent der Anteile halten, wollen Kasse machen und der Konzern braucht Geld für den Ausbau und Hochlauf der Waffenproduktion.

Innerhalb der Regierung gab es bislang keine Einigung, in welcher Höhe sich Deutschland beteiligen soll. Während Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU) die Bundesbeteiligung möglichst auf maximal 30 Prozent begrenzen wollten, sprach sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) für eine 40-Prozent-Beteiligung aus.

„Ziel muss sein, über Zeit die Staatsanteile deutlich abzuschmelzen“

Nunmehr ist geplant, dass sich der deutsche und französische Staatsanteil an KNDS, ähnlich wie beim Börsengang des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS – heute Airbus – vor 26 Jahren, im Laufe der Jahre verringert. Das könnte Geld in die Staatskassen bringen.

Wie KNDS-Verwaltungsratschef Thomas Enders der Nachrichtenagentur Reuters sagte, begrüßt er die Grundsatzentscheidung Deutschlands zum Einstieg bei KNDS. Der Konzern werde damit nach dem Börsengang zu 80 Prozent in Staatsbesitz sein. „Ziel muss sein, über Zeit die Staatsanteile deutlich abzuschmelzen“, sagte der ehemalige Airbus-Chef.

Enders betonte, Rüstungsunternehmen bräuchten grundsätzlich keine staatlichen Mehrheitsaktionäre. Nationale Sicherheitsinteressen sollten in erster Linie über Aufträge und spezifische Sicherheitsvereinbarungen gewährleistet werden. „Entscheidend bei den anstehenden Verhandlungen wird sein, dass KNDS jetzt auch eine börsentaugliche Governance und Regeln erhält, die die Agilität des Unternehmens sowie seine Wettbewerbsfähigkeit, technologische und finanzielle Exzellenz und weitere europäische Konsolidierung ermöglichen.“

Angeblich haben sich die Regierungen in Berlin und Paris darauf geeinigt, dass beide Staaten ihre Anteile binnen zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent reduzieren. Am Ende sollten beide Staaten zusammen weniger als 50 Prozent halten, sagte Enders. Der Vereinbarung zwischen den Regierungen zufolge sollen Deutschland und Frankreich unabhängig vom jeweiligen Anteilsbesitz die gleichen Stimmrechte bekommen. Wichtige Entscheidungen zu Arbeitsplätzen oder Standorten könnten also nur gemeinsam getroffen werden.

Preis angeblich noch offen

Zu welchem Preis der Bund die Aktien erwirbt und damit auch der Erlöspreis für die privaten deutschen KNDS-Eigentümer sowie den französischen Staat, ist angeblich noch offen. Wie ein deutscher Regierungsvertreter sagte, richte sich dies nach dem Ausgabepreis der Anteilsscheine beim Börsengang. Einen Paket-Abschlag oder -zuschlag werde es nicht geben.

KNDS hatte jüngst erklärt, den Börsengang zum „frühestmöglichen geeigneten Zeitfenster“ durchzuführen und damit Spekulationen über eine Verschiebung auf den Herbst widersprochen. In die Gespräche platzte auch ein Angebot des größten tschechischen Rüstungskonzerns CSG, der angeblich den deutschen KNDS-Eigentümerfamilien ein Angebot über einen Einstieg machte. Für die Familien hätten aber der Börsengang und der Verkauf eines Großteils ihrer Anteile Vorrang vor der CSG-Offerte, hieß es. Erst in einem zweiten Schritt sei dann eine Konsolidierung der Branche sinnvoll.

Branchenkenner verweisen darauf, dass über einen Einstieg von CSG bei KNDS ein Gegengewicht zu Rheinmetall mit einem Fokus auf Kunden im Osten geschaffen werden könnte. CSG – mit rund 6,7 Milliarden Euro Umsatz 2025 – ist erst selbst an die Börse gegangen und eines der am schnellsten wachsenden großen europäischen Rüstungsunternehmen mit einem Auftragsbestand von zuletzt über 15 Mrd. Euro. CSG ist bereits an der Panzerwannenproduktion für Leopard-Modelle beteiligt.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.

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