Im deutschen Fußballmuseum in Dortmund huldigt der DFB der glorreichen Kicker-Vergangenheit Deutschlands. Im zweiten Stock können Besucher Exponate aller vier von der Nationalmannschaft errungenen Weltmeistertitel bewundern.
Während an einem Ende der Ausstellungsfläche der Ball des Wunders von Bern hinter einer Vitrine ruht, leuchtet eine Videoinstallation auf der gegenüberliegenden Seite den deutschen Erfolg während der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien aus.
Untermalt von Musik im Stile eines Hans Zimmer ertönt die Stimme des früheren Nationaltrainers Jogi Löw aus Lautsprechern. Der lobt die damalige Unterkunft der Nationalelf in der Hotelanlage Campo Bahia. Das Resort an der brasilianischen Atlantikküste habe geholfen, den Sieg im Turnier zu erringen. Der ehemalige Nationaltrainer sagt über das Campo Bahia: „Da ist dieser Teamgeist entstanden, der uns nachher dann zu diesem Titel getragen hat.“
Zwölf Jahre nach dem letzten Triumph der deutschen Nationalelf und der noch frischen Schmach einer Niederlage gegen Paraguay liegt nicht nur die Reputation der deutschen Mannschaft danieder. Auch das legendäre Fußballlager Campo Bahia in Brasilien dürfte seine besseren Tage wohl bereits hinter sich haben.
Nach Informationen von WELT steckt das ehemalige Weltmeistercamp gerade in finanziellen Schwierigkeiten und leidet zudem seit Längerem offenbar unter einer gewissen optischen Verwahrlosung.
Gehälter waren zum Teil unbezahlt
Die Krise in dem laut Ex-DFB-Boss Wolfgang Niersbach „besten WM-Quartier aller Zeiten“ geht derzeit sogar so weit, dass Mitarbeiter zumindest zeitweise auf ihren Lohn warten mussten.
In einem internen Schreiben an die Belegschaft kündigte die Leitung des Hotels jüngst an, dass man aufgrund „unerwarteter Umstände“ im Moment nicht in der Lage sei, die Gehälter des Monats Juni fristgerecht Anfang Juli an die Mitarbeiter auszubezahlen.
Man wisse, wie wichtig eine pünktliche Zahlung sei, und arbeite daran, diese „finanzielle Herausforderung“ so schnell wie möglich zu lösen, heißt es in der Nachricht, die WELT vorliegt. Die Geschäftsleitung bitte die Mitarbeiter um Verständnis.
Der aktuelle Zahlungsnotstand ist ein neuer Höhepunkt in einem offenbar steten Niedergang des Luxusresorts mit legendärem Ruf in Deutschland.
Der Fiskus wollte Geld
Bereits im März 2026 gab es offenbar Ärger mit den brasilianischen Steuerbehörden. Die zuständige Betreibergesellschaft des Campo Bahia namens ASR Empreendimentos Hoteleiros Ltda besaß wohl Verbindlichkeiten beim brasilianischen Fiskus in Höhe von etwa 900.000 brasilianischen Real. Diese Summe der südamerikanischen Währung entspricht ungefähr 150.000 Euro.
Hinter dem Campo Bahia in Brasilien steht ein deutscher Eigentümer. Das Luxusresort gehört dem Münchner Familienunternehmer Christian Hirmer aus dem gleichnamigen Modeclan Hirmer, der einen der größten Herrenausstatter in Deutschland mit mehr als einem Dutzend Filialen betreibt. Insbesondere das Stammhaus des Familienunternehmens in der Münchner Innenstadt genießt wegen seines Geranienschmucks hohe Bekanntheit.
Christian Hirmer hatte das Campo Bahia kurz vor dem Beginn der Weltmeisterschaft 2014 gebaut und als Finanzierungsquelle das eigene Familienunternehmen genutzt. Mindestens zwölf Millionen Euro flossen wohl als Kredit aus der Firmenkasse gen Brasilien.
Und das Geld blieb wohl bislang auch dort. Bis heute hat Campo-Bahia-Eigentümer Christian Hirmer sein aufgenommenes Darlehen – plus mindestens 12,4 Millionen Euro an „Rechnungen und Zinsen“ – offenbar nicht an die Familienunternehmung zurückgezahlt.
Kein Schmuckstück mehr
Wegen mutmaßlich ausbleibender Kapitalrückflüsse hat der Familienbetrieb Hirmer die Finanzierung des WM-Hotels allerdings längst als wirtschaftlichen Reinfall verbucht: In internen Dokumenten hieß es bereits Ende 2023, dass die „Forderungen gegen alle brasilianischen Gesellschaften“ im Umfeld des Campo Bahia mit einem Buchwert von mehr als 26 Millionen Euro auf knapp 6,5 Millionen Euro abgeschrieben worden seien.
Nicht nur die Finanzen leiden. Auch die Optik des Campo Bahia hat sich seit den Glanztagen der Weltmeisterschaft 2014 verschlechtert. Augenzeugen berichten, dass das Hotel einen heruntergewirtschafteten Eindruck mache und in diesem Jahr auch schon teilweise geschlossen gewesen sei. Ein Insider kommentiert: „Da muss dringend investiert werden. Die Anlage sieht echt nicht mehr taufrisch aus.“
Eigentümer Christian Hirmer lässt über einen Anwalt ausrichten, die Gehälter der Belegschaft würden vertragsgemäß und regelmäßig gezahlt. Während laufender Renovierungs- und Ausbauphasen werde „der Einsatz freier Mitarbeiter bedarfsabhängig gesteuert“.
Steuerliche Angelegenheiten würden laufend und in geordnetem Verfahren mit den Behörden geregelt werden. Und auch die Verbindlichkeiten gegenüber der Familie würden vertragsgerecht bedient. Das Campo Bahia habe super Bewertungen von Gästen und entwickle sich positiv. Eine Betriebsschließung habe es nicht gegeben.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Vinzenz Neumaier ist WELT-Wirtschaftsreporter
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