Die Zahl der Firmenpleiten bleibt einer Studie zufolge zu Beginn der zweiten Jahreshälfte auf sehr hohem Niveau. Im Juli wurden insgesamt 1689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Donnerstag mitteilte.
Gegenüber Juni ging die Zahl der Pleiten leicht um 1,0 Prozent zurück. Doch im Vergleich zum Juli 2025 waren es sieben Prozent mehr. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liegt die aktuelle Zahl der Pleiten sogar um 75 Prozent höher: Die Zahl der Insolvenzen bleibe damit auf einem „außergewöhnlich hohen Niveau“, erläuterten die Forscher.
Die lange Krise habe offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht, sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.“ Im Juli gab es im Sektor unternehmensnahe Dienstleistungen sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern die höchste jemals im Insolvenztrend erfasste Zahl an Pleiten. Ungewöhnlich niedrig war die Zahl der Insolvenzen dagegen im Gastgewerbe.
Laut IWH-Insolvenztrend waren im Juli in den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen mehr als 13.000 Jobs betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten leicht unter der im Juni. In der Industrie waren mit knapp 6000 Jobs etwas mehr Arbeitsplätze betroffen als im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen.
Die Unternehmen bräuchten spürbare Entlastungen bei den Kosten für Arbeit und Energie, mehr Bürokratieabbau sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, hatte kürzlich der Mittelstandsexperte Marc Evers von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) gefordert.
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