Das Ifo-Institut blickt für 2026 und 2027 deutlich optimistischer auf die deutsche Wirtschaft als zuletzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 1,4 Prozent steigen und im nächsten um 1,2 Prozent zulegen, teilten die Münchner Wirtschaftsforscher am Donnerstag zu ihrer neuen Konjunkturprognose mit. 2028 dürfte es um 0,8 Prozent nach oben gehen.
„Deutliche Impulse aus dem Ausland und die Mehrausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung in Deutschland verhindern stärkere Bremsspuren beim Wachstum durch den Energiepreisschock und das Niedrigwasser auf den Flüssen“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Vor allem für die krisengeplagte Industrie zeigten sich Lichtblicke. „Die Erholung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort.“
Ifo-Chefkonjunkturforscher Timo WollmershäuserBisher hatte das Ifo für das laufende und das kommende Jahr nur je ein Anziehen der Wirtschaftskraft um 0,8 Prozent veranschlagt. In der aktuellen Prognose werden vor allem die konjunkturellen Schubkräfte – also die Impulse durch die Finanzpolitik und aus dem Ausland – stärker und die Bremswirkungen des Energiepreisschocks durch den Iran-Krieg schwächer eingeschätzt.
Der expansive Kurs der Finanzpolitik der Bundesregierung lasse die Finanzierungsdefizite des Staates kräftig anschwellen, betonte das Ifo. Das Budgetdefizit dürfte sich von 3,0 Prozent des BIP 2025 auf 4,6 Prozent 2028 ausweiten. „Im selben Zeitraum wird der Bruttoschuldenstand voraussichtlich von 62,7 Prozent auf 67,9 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen“, hieß es.
Die Inflationsrate wird demnach in diesem und im kommenden Jahr auf 2,8 beziehungsweise 3,0 Prozent steigen. Erst 2028 dürfte sich die Teuerung mit 2,3 Prozent wieder in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent der Europäischen Zentralbank bewegen. „Die durch Heizöl und Kraftstoff getriebene Inflation wird im weiteren Prognoseverlauf voraussichtlich sinken“, erklärte Wollmershäuser. „Allerdings dürften vor allem die Verbraucherpreise für Strom und Gas im Winter nochmals steigen.“ Insgesamt bleibe die Konsumkonjunktur aufgrund der hohen Inflation gedämpft. Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 0,4 Prozent zum Jahresstart 2026.
Auch andere Institute haben ihre Wachstumsprognosen erhöht:
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) traut der deutschen Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr die stärksten Wachstumszahlen seit 2022 zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte um 1,3 Prozent steigen und 2027 dann noch einmal um 1,1 Prozent zulegen, teilten die Essener Ökonomen am Donnerstag mit. Für 2028 erwarten die Regierungsberater, dass es um 0,5 Prozent nach oben geht. „Die deutsche Wirtschaft ist dank der Exporte besser durch das erste Halbjahr gekommen, als zunächst zu erwarten war“, sagte RWI‑Konjunkturchef Torsten Schmidt. Die Erholung sei zwar da, die strukturellen Probleme aber nicht verschwunden. „Hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie und schwache Wettbewerbsfähigkeit bremsen Deutschland weiter aus.“
Beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin spricht man vorsichtig von einer „möglichen Trendwende in den kommenden zwei Jahren“. Nach einer starken ersten Jahreshälfte dürfte die deutsche Wirtschaft 2026 um 1,2 Prozent zulegen, hieß es dort. Für 2027 rechnen die Wirtschaftsforscher mit einer Rate von 1,0 Prozent, für 2028 mit 0,7 Prozent.
DIW-Präsident Marcel FratzscherDamit hat das Institut seine Prognose von Juni mehr als verdoppelt, als nur ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent für dieses Jahr erwartet wurde. Grund sei nicht nur der überraschend starke Außenhandel, auch falle der Energiepreisschock wegen des Iran-Kriegs geringer aus als befürchtet. Die Konjunkturdynamik sei vor allem der öffentlichen Hand zu verdanken. „Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gehen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück.“ Neben steigenden Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Rente stützen höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.