Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) verdreifacht seine Wachstumsprognose für dieses Jahr. Statt 0,4 Prozent wird nun mit einem Plus von 1,2 Prozent gerechnet, wie es in der Herbstprognose der Kölner heißt, die der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorab vorlag.
Hauptgrund dafür sei ein überraschend gutes erstes Halbjahr. Auch stehe der schuldenfinanzierte Sondertopf zur Modernisierung der Infrastruktur erstmals für das ganze Jahr zur Verfügung. „Im zweiten Halbjahr 2026 lässt die Dynamik wieder nach.“ Sondereffekte beim Export liefen aus und der private Konsum leide unter den hohen Energiepreisen. Die Krise am Bau werde anhalten. Treiber seien vor allem staatliche Investitionen. Aus Sorge vor Lieferengpässen infolge des Iran-Krieges hatten Unternehmen in den ersten sechs Monaten ihre Lager gefüllt und etwa viele Chemie- und Elektroprodukte aus Deutschland bestellt.
Im nächsten Jahr rechnet das IW mit einem Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent. Zwei Wachstumsjahre in Folge wären bereits ein Erfolg nach Jahren der Stagnation und schrumpfender Wirtschaftsdaten, so die Forscher. Allerdings führen die hohen Schulden, die auch in die Aufrüstung der Bundeswehr fließen, 2026 zu einem Staatsdefizit von rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Staatsschuldenquote dürfte Ende 2026 bei rund 66 Prozent liegen.
Risiken für die Wirtschaft bleiben die Kriege in der Ukraine und in Nahost. Auch die Handelskonflikte und das Niedrigwasser in europäischen Flüssen könnten sich negativ auswirken. Die Weltwirtschaft werde zugleich von neuen Technologien angetrieben – etwa im Bereich Künstlicher Intelligenz oder grüner Infrastruktur. „Infolgedessen steigt die Nachfrage nach Technologiegütern stark an und führt vor allem in Asien zu höheren Exportvolumina.“ Für die globale Wirtschaftsleistung rechnet das IW dieses Jahr mit einem Zuwachs von 2,3 Prozent, beim Welthandel von fünf Prozent.
Der von den USA angezettelte Krieg gegen den Iran, der auch Auswirkungen auf andere Länder am Persischen Golf hat, hat zu höheren Energiepreisen geführt. Das spüren Verbraucher besonders an den Tankstellen. Das IW rechnet für Deutschland 2026 mit einer Inflation von gut 2,5 Prozent.
Der Konsum dürfte nur um 0,3 Prozent zulegen. Auf dem Arbeitsmarkt wird mit einer leichten Verschlechterung und knapp drei Millionen registrierten Arbeitslosen gerechnet. Dies entspricht einer Quote von 6,3 Prozent.
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