Laut OpenAI-CEO Sam Altman sehen sein Unternehmen und der Rivale Anthropic die Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) grundlegend unterschiedlich.

In einem exklusiven Interview mit „Politico“, das wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört, argumentierte der OpenAI-Chef, der Nutzen der Technologie rechtfertige es, bestimmte Risiken in Kauf zu nehmen. Zudem müsse KI für die breite Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

„Ich denke, da liegen wir ziemlich weit auseinander“, sagte Altman. Auf die Frage, wo genau er sich von Anthropic und dessen CEO Dario Amodei unterscheide, antwortete er: „Wir glauben, dass die Welt akzeptieren sollte, dass einige schlechte Dinge passieren, um die Vorteile dieser Technologie nutzen zu können und die Menschen diese Möglichkeiten haben.“

Anthropic gilt seit Langem als entschiedenster Verfechter strengerer KI-Regeln innerhalb der Branche. Eine Haltung, die bis vor Kurzem im Kontrast zum zurückhaltenderen Regulierungskurs von OpenAI stand. Doch in den vergangenen Monaten ist der politische Abstand zwischen den beiden führenden KI-Firmen geschrumpft: OpenAI hat sich inzwischen für schärfere Regeln ausgesprochen. Das Unternehmen hatte zuletzt mehrmals mit aufsehenerregenden Hacks und außer Kontrolle geratenem Verhalten seiner eigenen Modelle zu kämpfen.

Altman schloss sich im vergangenen Monat Amodeis Forderung an, die Entwicklung der fortschrittlichsten KI-Modelle zu verlangsamen. Zudem unterstützt OpenAI nach dem Vorbild von Anthropic inzwischen neue Gesetze auf Ebene der US‑Bundesstaaten, welche strengere Sicherheitsauflagen vorsehen, als der ChatGPT-Entwickler bislang mitgetragen hatte. Damit weicht das Unternehmen von seiner bisherigen Strategie in den Bundesstaaten ab.

Abgrenzung zum Rivalen Anthropic

Zudem haben OpenAI-Lobbyisten zuletzt einen von Republikanern und Demokraten gemeinsam getragenen Vorstoß im US-Repräsentantenhaus unterstützt, der die führenden KI-Firmen verpflichten würde, externe Sicherheitsprüfer fest ins eigene Haus zu holen.

Trotz dieser Annäherung bemühte sich Altman, die regulatorische Haltung seines Unternehmens von der Anthropics abzugrenzen.

„Ich bin anderer Meinung, aber ich verstehe die Perspektive derer, die sagen: ‚Diese Technologie wird so mächtig und so gefährlich, dass wenn ein einziges Labor in San Francisco sie haben sollte, dafür sorgen müsste, dass nichts Schlimmes passiert, und dann irgendwie darüber entscheidet, wie man den Nutzen verteilt‘“, sagte Altman. Für ihn sei das aber „ein völlig inakzeptabler Tausch“, der dem von OpenAI vertretenen „zurückhaltenderen Regulierungsansatz“ zuwiderlaufe.

„Ich würde keinen Deal eingehen, nach dem Motto: ‚Wir sorgen dafür, dass es keine großen Hacks gibt, keinen Missbrauch dieser Technologie, null Betrug, nichts von all dem anderen, was schieflaufen wird‘“, so Altman. „Weil ich glaube, dass die Leute wahnsinnig viel Gutes damit anstellen werden – um Größenordnungen mehr Gutes als Schlechtes.“

Später schränkte der OpenAI-Chef ein, „wirklich katastrophale Risiken“ wie einen „ernsthaften Kontrollverlust gegenüber der KI“ werde er nicht akzeptieren.

Das Interview, das in der am Montag erscheinenden Erstausgabe von „Decoded“* veröffentlicht wird, berührt auch den neuen KI-Pakt von US-Präsident Donald Trump mit den großen Tech-Konzernen und dessen Versuch, KI auf die Bezeichnung „Super Intelligence“ umzutaufen; die Serie von Hacks, die OpenAI-Modelle eigenständig durchgeführt haben, und die Frage, ob das Unternehmen dafür rechtlich haftbar sein sollte; Altmans Blick auf das Geld aus der KI-Branche, das in die US-Politik fließt; den Einfluss der Effective Altruists innerhalb von OpenAI – jener Szene von Philosophen und Aktivisten, deren Vertreter im OpenAI-Vorstand 2023 eine Rolle beim kurzzeitigen Rauswurf Altmans spielten; und seine Sicht auf politische Schwergewichte vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron bis zum kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom.

*Dieser Text erschien zuerst bei „Decoded by POLITICO“, dem neuesten Newsletter und Podcast von „Politico“ über globale Technologietrends. Im Schwerpunkt stehen die Menschen, politischen Entwicklungen und Konflikte, die die Zukunft der Welt prägen. Der Text wurde übersetzt und redaktionell bearbeitet von Sebastian Freier.

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