Bei der britischen Modekette Marks & Spencer gaben sich Kriminelle als IT-Support aus, drangen in interne Systeme ein und verschlüsselten Daten. Wochenlang war das Unternehmen lahmgelegt. Auch die britische Post traf es: Über Phishing-Mails wurden Systeme infiltriert; Sendungsverfolgung und Export standen über Wochen still.
Was aus Fällen wie diesen für die Logistikbranche folgt, ist Cybersecurity 2.0: eine neue Stufe der Cyberresilienz und einer der großen Trends im neuen DHL Logistics Trend Radar 8.0. Alle zwei Jahre analysiert DHL darin gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen, Forschungsergebnisse und Innovationen und zeigt, welche Trends die Zukunft der Logistik prägen werden.
Cybersecurity 2.0 bedeutet den Übergang von reiner Abwehr an digitalen Außengrenzen hin zu vorausschauenden, autonomen Systemen mit KI und quantensicherer Verschlüsselung. Digitale und physische Sicherheit wachsen zusammen.
Für die Logistik ist der Trend hochrelevant: Bedrohungen entwickeln sich schneller. Laut IT-Dienstleister IBM hat sich die Zahl gravierender Angriffe auf Lieferketten in fünf Jahren vervierfach, KI-gestützte Angriffe nahmen um 89 Prozent zu. Sicherheitsanbieter CrowdStrike berichtet, dass Angreifer vom ersten Eindringen bis zur Ausbreitung auf angeschlossene Systeme im Schnitt nur 29 Minuten benötigen. Im schnellsten Fall: 27 Sekunden.
Besonders anfällig ist die Logistik, weil sie zentrale Lieferketten des Welthandels betreibt und stark vernetzt ist – jede Schnittstelle ist ein Einfallstor. Zudem werden digitale und physische Angriffe verbunden: Bei der „Phantom Truck“-Masche stehlen Kriminelle Zugangsdaten zu Transport- oder Buchungssystemen, fälschen Frachtpapiere und holen damit Fracht am Lager ab. Der Verband TAPA zählt für 2024/25 europaweit mehr als 30.500 solcher Frachtdiebstähle mit rund 860 Millionen Euro Schaden.
Logistikunternehmen setzen inzwischen auf KI-gestützte Abwehrsysteme, die verdächtige Muster in Echtzeit erkennen und Bedrohungen isolieren. Quantencomputer dienen als Werkzeug für kaum knackbare Verschlüsselung.
Cybersicherheit 2.0 wird zur Chefsache und zum festen Bestandteil von Supply-Chain-Resilienz: Attacken laufen schneller ab, wirken sofort und ziehen sich wie ein Dominoeffekt durch Lieferketten. Perspektivisch werden agentische Systeme Risiken in Echtzeit erkennen und Bedrohungen eindämmen, ohne Warenströme zu unterbrechen.
Je intelligenter und vernetzter Lieferketten werden, desto intelligenter muss auch ihr Schutz werden. Denn eine Lieferkette ist nur so digital wie ihre Systeme und nur so resilient wie ihre Sicherheit.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.