Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Mini-Plus von nur 0,1 Prozent gerechnet.

Die wirtschaftliche Entwicklung im Sommer fällt damit gegenüber dem Jahresbeginn ab. Das Niedrigwasser im Sommer brachte die Erholung der deutschen Wirtschaft etwas ins Stocken. In den ersten beiden Quartalen hatte die Wirtschaftsleistung um 0,4 beziehungsweise 0,3 Prozent zugelegt – vor allem durch mehr staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung.

Im dritten Quartal legten die Konsumausgaben nach Angaben der Statistiker leicht zu. Dagegen gingen die Investitionen den vorläufigen Erkenntnissen zufolge zurück. Auch die Exporte von Waren „Made in Germany“ entwickelten sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte schwächer. „Die in der ersten Jahreshälfte noch sehr dynamische Entwicklung der Exporte schwächte sich im dritten Quartal 2026 merklich ab“, stellte das Bundesamt fest.

Experten und Bundesregierung erwarten 2026 mehr als ein Prozent ⁠Wachstum. Da die ​privaten Investitionen aber ‌weiterhin verhalten sind, sprechen die meisten Ökonomen noch nicht von einem nachhaltigen und sich selbst tragenden Aufschwung.

„Aufschwung steht nur auf einem Bein – dem Staat“

Zum Jahresende dürfte die Konjunktur nach Einschätzung des Berliner DIW-Instituts spürbar zulegen. „Die deutsche Wirtschaft startet offenbar einen Jahresendspurt, vor allem weil die Industrie nach Jahren der Schwäche endlich wieder Tritt fasst“, sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik jüngst. „Von einem breiten Aufschwung sind wir aber noch ‌ein gutes Stück entfernt.“

Die privaten Haushalte ​hielten sich angesichts hoher Preise und eines schwachen Arbeitsmarkts weiter zurück. „Der Aufschwung steht damit bislang aber ⁠nur auf einem Bein – dem Staat“, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit Blick auf die Mehrausgaben der öffentlichen Hand.

Zuletzt war auch das wichtigste Barometer für ‌die deutsche Konjunktur, der Geschäftsklimaindex ⁠des Münchner Ifo-Instituts, zum ‌sechsten Mal in ​Folge ⁠gestiegen. Die Wirtschaft arbeite ​sich kontinuierlich aus dem Tal heraus, sagte Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe im Gespräch mit der ‌Nachrichtenagentur ​Reuters. Die anhaltend hohe Inflation infolge gestiegener Energiepreise bremse aber weiter ‌die ‌Ausgabenfreude der Verbraucher. „Deutschland kämpft sich zurück, ist aber noch nicht wieder vorne dabei“, betonte Wohlrabe.

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