Vorgaben zu Füllständen der Gasspeicher in Deutschland dürften deutlich verfehlt worden sein. Zum 1. November soll faktisch ein durchschnittlicher Füllstand von 70 Prozent erreicht werden. Die Speicher sind aber nur zu rund 61,2 Prozent gefüllt, wie aus den aktuellsten Daten der europäischen Plattform AGSI vom Sonntag hervorgeht.
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Branchenverbands Initiative Energien Speichern, sprach von einem „ernst zu nehmenden Warnsignal“, dass die Füllstandsvorgaben zum 1. November nicht erreicht wurden. „Deutschland startet mit geringeren Sicherheitsreserven in die Heizperiode. Damit wächst die Verwundbarkeit der Gasversorgung, insbesondere bei außergewöhnlich niedrigen Temperaturen oder zusätzlichen Störungen der Gasimporte.“
Einer Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge besteht aktuell jedoch kein Anlass zur Beunruhigung: „Die Gasversorgung in Deutschland ist auch bei den derzeitigen Speicherfüllständen für den kommenden Winter gesichert.“
Nach aktueller Einschätzung sei davon auszugehen, dass Deutschland gut durch den Winter komme. „Entscheidend für die Versorgungssicherheit sind nicht allein die Speicherfüllstände, sondern auch die tatsächliche Ausspeicherung, laufende Gasimporte und weitere Vorsorgemaßnahmen.“
Die Bundesnetzagentur erklärte, die Gasversorgung in Deutschland sei stabil. „Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung nach aktuellem Erkenntnisstand weiterhin als gering ein.“
Gründe für niedrige Füllstände
Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer Erdgas günstig ein. Sie speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter, um auch die Kosten der Speicherung zu decken. Der Iran-Konflikt aber sorgt für hohe Großhandelspreise. Dadurch ist die Einspeicherung wirtschaftlich nur begrenzt attraktiv, da Gas im Sommer teurer eingekauft werden müsse, als es nach derzeitigen Erwartungen für den Winter verkauft werden könne, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft erläuterte. Reiche wies Ende September das bundeseigene Energieunternehmen Sefe an, vermehrt Erdgas einzuspeichern.
Die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, die Bundesregierung habe vorsorglich weitere Maßnahmen zur Absicherung der Gasversorgung im Winter ergriffen. Dazu gehörten spezielle Ausschreibungen, mit denen Gasmengen gegen zu frühe Ausspeicherung abgesichert werden sollten. „Diese Maßnahmen greifen teilweise erst nach dem 1. November und sind daher in den aktuellen Speicherfüllständen nicht oder noch nicht vollständig abgebildet. Sie zahlen jedoch positiv auf die Versorgungssicherheit ein, insbesondere für den Spätwinter, wenn die Speicherfüllstände sinken.“
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