Der politische Beschluss steht, doch in den Autohäusern herrscht statt Goldgräberstimmung Ernüchterung: "Wir haben nichts Wirkliches gespürt", bilanzierte Burkhard Weller, Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands (VAD), am Donnerstag die aktuelle Lage vor den rund 40 VAD-Mitgliedern, die zu der ersten Versammlung des Verbandes nach Erfurt gekommen waren.
Weller zog aber eine sehr erfreuliche Bilanz der Startphase: erfolgreiche Mitgliedergewinnung, wachsende Sichtbarkeit und eine klare Positionierung als Stimme des Markenhandels. Doch so positiv die interne Bilanz ausfällt, so düster blickt die Branche auf die aktuelle Marktpolitik: Während die Politik den rückwirkenden Start der E-Auto-Förderung feiert, herrscht im Maschinenraum des Handels Stillstand.
Vertrauensverlust durch "Dilettantismus pur"
Für Kritik sorgt dabei einmal mehr die handwerkliche Ausgestaltung der Maßnahmen. Dass das entsprechende Antragsportal des BAFA voraussichtlich erst im Mai freigeschaltet wird, bezeichnete VAD-Vize Helmut Peter in Erfurt als "Dilettantismus pur" und brachte das Dilemma mit der Frage auf den Punkt, "was ein Beschluss nütze, wenn der Kunde den Antrag faktisch gar nicht stellen könne?" Die Wartezeit entwickele sich zur massiven Finanzierungshürde, da kaum eine Familie bereit sei, Beträge von 5.000 bis 6.000 Euro über Monate hinweg vorzustrecken.
Da zudem die finalen Details der Richtlinien etwa zur exakten Nachweispflicht bei Einkommensgrenzen oder der Handhabung von Alleinerziehenden und Freiberuflern im operativen Geschäft noch völlig im Nebel liegen, bleibt der Kauf für viele ein unkalkulierbares Risiko. Der Autohandel sieht sich hier in einer Sackgasse, da ohne rechtssichere Durchführungsbestimmungen und verbindliche Bewilligungsbescheide kein Verkäufer die Förderung garantieren kann. Der VAD rät daher davon ab, die Prämie im Kaufvertrag fest zuzusagen, da das Haftungsrisiko für die Betriebe schlicht zu hoch ausfällt. Weller sieht den VAD hier in der Pflicht, die Dinge beim Namen zu nennen: "Wir müssen der Politik klarmachen, dass man den Handel nicht im Regen stehen lassen kann, wenn die eigenen Portale nicht funktionieren."
Die "6.000-Euro-Falle" bei den Restwerten
Das Kernproblem der neuen Förderung liegt jedoch tiefer: Es ist der damit einhergehende massive Wertverlust für den Bestand. Der VAD warnt daher eindringlich vor den Folgen für junge Elektrofahrzeuge und Tageszulassungen, die durch die neue Marktsituation "über Nacht" zwischen 3.000 und 6.000 Euro an Wert verlieren und so das Preisgefüge für den gesamten Bestand massiv unter Druck setzen. Für die Betriebe hat das fatale Konsequenzen: "Solange unsere Höfe voll sind, kaufen wir nichts nach", lautet das klare Signal. Erst wenn der Abfluss bei den Gebrauchten wieder stimmt, kehre im Handel die Bereitschaft zurück, neues Risiko ins Buch zu nehmen, so die einhellige Meinung.
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Es sind die großen politischen Weichenstellungen, die der Verband verstärkt ins Zentrum seiner Agenda rückt. "Wir wollen uns nicht in Schraubenkunde verrennen", betonte Weller. Während Detailfragen in den jeweiligen Fachgremien verbleiben, werde man sich auf die unmittelbare Wirkung bei den entscheidenden politischen Hebeln konzentrieren.
Fokus auf Unabhängigkeit
Im Hinblick auf den ZDK setzt der Verband auf einen besonnenen Kurs. Man verfolgt die dortigen Entwicklungen aufmerksam, wahrt jedoch die eigene Handlungsfähigkeit, um jederzeit direkt für die Interessen der Mitglieder eintreten zu können. Weller sieht in dieser Unabhängigkeit den richtigen Weg für die aktuelle Phase: "Insofern ist unsere Abwartehaltung die richtige, erstmal zu schauen, in welche Richtung die gehen, und jetzt nicht vorzupreschen." Für den VAD steht derzeit die eigene Schlagkraft im Vordergrund, um dem Handel die politische Verlässlichkeit zurückzugeben, die im aktuellen Förder-Dilemma verloren gegangen ist.
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