Bereits vor über drei Jahrzehnten war Ralf Peters in der Automobil- wie auch Schadenmanagement-Branche ein viel gefragter Mann. "Historisch" betrachtet war er stets eng mit der Entwicklung digitaler Kalkulations- und Kommunikationslösungen verknüpft und gilt unzweifelhaft als einer der Pioniere im Bereich der softwaregestützten Schadenerfassung.

Gefragter Visionär

Ob als Vertriebsleiter Kfz-Gewerbe bei Audatex, ob als Geburtshelfer des frühen Werkstätten-Netzwerks ReparaturPartnerDirekt (RPD) – alles noch in den 1990er Jahren –, ob Anfang der 2000er Jahre als einer der Geschäftsführer von Carinfo Service (oft in Kooperation mit ACS Audatex Computer Systems) oder später als Key Account Manager oder in anderen leitenden Funktionen bei Sikkens und dem Akzo Nobel Konzern: Ralf Peters war bis zu seinem offiziellen Ruhestand am 31. Mai 2023 überall gefragt und ob seiner immensen Erfahrung sowie seines gigantischen Netzwerks hoch geschätzt. 

Ein viel zu kurzer Ruhestand

Am 3. Mai 2023 schrieb er mir eine freundliche Mail, in der er sowohl seinen bevorstehenden Ruhestand ankündigte, als auch den Hinweis darauf gab, dass er "ab September noch einige Tage pro Monat für ein Schadenmanagement-Unternehmen in der Branche arbeiten" wolle. Für ihn persönlich sei dies "eine ideale Konstellation", da er sich laut eigenem Bekunden "noch weiter in der Branche einbringen" wollte.

In einigen Mail-Anhängen erinnerte er auch an gemeinsame Auftritte, die wir in den ersten Anfängen von Schadenmanagement in Deutschland gemeinsam mit dem früheren BVSK-Geschäftsführer, Rechtsanwalt Elmar Fuchs († 2019) und Verkehrsrechtsanwalt Thomas Strecker an bundesweit unterschiedlichsten Standorten durchgeführt hatten.

Enge Verbindung zur AUTOHAUS-Redaktion

Unser gemeinsames Motto im Rahmen der AUTOHAUS Akademie hieß seinerzeit noch "Schadenmanagement 2000" und war ein früher Vorläufer des späteren AUTOHAUS-Schadenforums. Ralf Peters war unser Experte für Kalkulation, Software, Datenübertragungsmöglichkeiten und vor allem auch ein erstklassiger Kenner der K&L Fachbetriebe. Diese waren schließlich genau diejenigen Marktteilnehmer, die als Erste von Motorcare (heutige Innovation Group), alsbald aber auch von Versicherern wie Gerling, HDI, Württembergische, Thuringia (heute Generali), Allianz und später der HUK-Coburg angesprochen und zu akquirieren versucht wurden.

Mitbegründer der 1. Deutschen Schadenmeile

Ralf Peters spielte auf der Schaden-Klaviatur in allen Tonlagen mit, man konnte gar nicht an ihm vorbei. Das galt explizit auch für die 1. Deutsche Schadenmeile, ein im Jahr 2011 vorgestelltes Kooperationsprojekt von sechs spezialisierten und sich ergänzenden Dienstleistungsunternehmen, die ein Full-Service-Paket für die Kfz-Schadenabwicklung anboten. Der Zusammenschluss feierte seine Premiere auf dem 7. AUTOHAUS-Schadenforum in Potsdam und zielte darauf ab, Prozesse in der Schadenregulierung durch gebündelte Kompetenzen zu optimieren.

Vom Grundsatz her deckte das Konzept alle Aspekte der Schadenregulierung ab. Initiator dieser ArGe war die Consense Assekuranz Service GmbH, die Schadensteuerungsaufgaben übernahm. Mit der FleetFriend Service GmbH inklusive Anwalt an Bord (Fleet Advokat) wurde ebenfalls Schadenregulierungs-Know-how sowie das Handling fürs Flottenmanagement und ein fundiertes Rechtswissen mit eingebracht. Die Schadenbegutachtung übernahmen die Sachverständigen der FSP-Gruppe. Das Instandsetzungsgewerbe mit Frontmann Ralf Peters war repräsentiert durch die Gesellschaften von Akzo Nobel Coatings und Sikkens mit deren Werkstattnetz Acoat Selected.

Ebenfalls Instandsetzungspraxis brachte außerdem das HPI-Zentrum mit ein, das sich innerhalb der DRS Gruppe auch heute noch mit der zeitgemäßen Reparatur von Hagelschäden befasst. Die zur Unfallreparatur benötigten Ersatzteile steuerte innerhalb der Schadenmeile der Werkstätten- und Teileservice BMparts Holger Bär bei.

Nachhaltige Marktveränderungen

Der Zusammenschluss nahm 2011 für sich in Anspruch, dass "die Verknüpfung unterschiedlicher Leistungen für den Kunden eine ganz neue Qualität in der Schadenabwicklung ergibt, welche in ihrer Breite und Tiefe am Markt ihresgleichen sucht."

Der Blick zurück macht auch deutlich, wie stark sich der Markt gewandelt hat: Die 1. Deutsche Schadenmeile existiert heute in ihrer damaligen Form nicht mehr. Für vergleichbare Dienstleistungen im Schadenmanagement existieren inzwischen andere Anbieter und Branchenveranstaltungen wie beispielsweise der Leipziger Messekongress Schadenmanagement & Assistance, der alle Sparten der Kompositversicherer und auch deren deutlich weitreichenderen Dienstleistermarkt bedient.

Ralf Peters trieb in der Branche über viele Jahre Lösungen voran, die sowohl eng mit Audatex-Systemen verzahnt waren, um den Workflow von der Schadenerfassung bis zur Nachkalkulation abzubilden. Später trat er als Ansprechpartner für das Netzwerk Acoat Selected in puncto Schadensteuerung und Werkstattmanagement in Erscheinung.

Sein letzter Kooperationsverbund

Auch über seinen Ruhestand hinaus war Ralf Peters eng mit K&L Betrieben, Akzo Nobel und Sikkens sowie Schadensteuerer DMS-Deutschland und der Global Automotive Service GmbH (G.A.S.) verbunden, welche 2022 DMS aufkaufte. Den Netzwerk-Gedanken hat Peters indes nie aufgegeben und auch den Wandel zur Digitalisierung aktiv vollzogen.

Der "Acoat Selected Intense"-Kooperationsverbund, den er bis in die jüngste Zeit z.B. in Leipzig mit Kai Gräper präsentierte, verband das Premiumnetzwerk des Lackherstellers gemeinsam mit den Dienstleistungen von G.A.S. (v.a. in Sachen Elektromobilität), mit carSN (zur Caravan-Kundenklientel) oder in Sachen Massenschadenabwicklung auf digitaler Basis zusammen mit KhS Know­how Systems. Wer das Intense-­Schild an seinem Betrieb führte, erfüllte laut Ralf Peters und Kai Gräper "alle Anforderungen, die es aktuell gibt". DEKRA wurde zusätzlich zur Überprüfung der Standards als neutraler Drit­te eingesetzt. 

Ruhe in Frieden, lieber Ralf!

Ralf Peters hat sein gesamtes Berufsleben mit großer Leidenschaft, Hingabe und besonderer Empathie dem Nutzen und Wohl unserer gemeinsamen Schadenbranche gewidmet. Er hat sich unsere höchste Wertschätzung und ein ehrendes Andenken redlichst verdient! Wir nehmen traurig Abschied von einem großartigen Branchenakteur, der uns von Anfang an zu einem guten und geschätzten Freund geworden ist. Unsere Anteilnahme gilt deshalb ganz besonders auch seiner gesamten Familie.  Walter K. Pfauntsch

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