Bei den Euro NCAP Testverfahren werden Neuwagen im Rahmen von Fahrversuchen und Crashtests auf ihre Sicherheit überprüft – viele davon beim ADAC in Landsberg und Penzing. Das Testprogramm umfasst künftig vier neue Kategorien, die in ihrer Reihenfolge an den realen Ablauf im Straßenverkehr angelehnt sind:

  1. Sicheres Fahren
  2. Unfallvermeidung
  3. Unfallschutz
  4. Rettung nach einem Unfall

Für AUTOHAUS und andere Medien hat der ADAC die wichtigsten Änderungen in den Einzelkategorien vorgestellt:

Sicheres Fahren

Hier werden Technologien bewertet, die eine sichere Fahrt für die Insassen eines Autos ermöglichen sollen. Dazu gehören zum Beispiel Tests mit den Geschwindigkeits-, Abstands- und Lenkassistenten. Zudem wird ein Fokus auf die Insassenüberwachung gelegt, also etwa, ob das Fahrzeug erkennt, wenn der Fahrer in Sekundenschlaf fällt oder wenn Kinder darin vergessen werden. Auch die Fahrzeugbedienung fällt in diese Rubrik: Es gibt künftig Funktionen im Auto, für die eine physische Taste oder ein Knopf vorhanden sein müssen. Außerdem werden Fahrten abseits von definierten Teststrecken durchgeführt und ein stärkerer Fokus auf Systemzuverlässigkeit und Nutzerakzeptanz gelegt.

Unfallvermeidung

Moderne Fahrzeuge müssen laut Gesetzgebung einige Unfallvermeidungssysteme an Bord haben, die in dieser Kategorie auf ihre Funktion überprüft werden. Dazu gehören zum Beispiel der automatische Notbremsassistent oder Spurhaltesysteme. Es werden realistische Szenarien mit anderen Verkehrsteilnehmern überprüft, darunter auch Radfahrer, Fußgänger oder Motorradfahrer. An die Systeme gibt es künftig höhere Anforderungen durch Variationen in den Testszenarien (andere Auftreffwinkel, Wetter und Geschwindigkeiten außerhalb der üblichen Testmatrix). Außerdem wird die "Sanftheit" der Systeme bewertet – also beispielsweise die Intensität des Eingriffs des Spurhalteassistenten – um die Nutzerakzeptanz zu stärken.

Unfallschutz und neuer 35 km/h-Crashtest

In dieser Kategorie werden passive Schutzsysteme wie die Fahrzeugstruktur, Sicherheitsgurte, Airbags und Kopfstützen im Rahmen der Crashtests untersucht. Neu ist ein Frontalcrash mit 35 km/h. Die ADAC Unfallforschung hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass es eine Häufung an Unfällen mit niedriger Geschwindigkeit gab, bei denen besonders ältere Menschen schwerere Verletzungen davongetragen haben. Dies bestätigt ein aktueller Test mit dem Fahrzeug MG3, der im Rahmen von Euro NCAP bereits im vergangenen Jahr bewertet wurde: Bei 35 km/h wirken auf den Fahrer höhere Kräfte als bei 50 km/h.

Die Erklärung dafür ist, dass Hersteller die Karosserie und Gurtstraffung für höhere Geschwindigkeiten auslegen. Adaptive Systeme, die sich auf die Aufprallgeschwindigkeit und das Gewicht der angeschnallten Person einstellen, können hier eine Verbesserung erwirken. Künftig werden verschiedene Dummies auf unterschiedlichen Positionen im Fahrzeug eingesetzt, um die Anforderungen zu erhöhen. Außerdem sollen computersimulierte Crashs mit digitalen Menschmodellen die Tests mit Dummies ergänzen, um ein realistischeres Bild der Unfallfolgen zu erhalten.

Rettung nach einem Unfall

In der letzten Bewertungssäule liegt der Fokus darauf, wie Menschen nach einem Unfall aus dem Fahrzeug gerettet werden können. In die Bewertung fließen zum Beispiel die Verfügbarkeit von Rettungskarten, die Funktion des eCall-Systems und bestimmte Funktionen nach einem Crash ein. E-Autos müssen zusätzlich die Hochvoltbatterie isolieren und über einen Widerstand gegen eine Überhitzung des Akkus verfügen. Elektrische Türgriffe und Kofferraumklappen müssen nach einem Aufprall noch funktionieren, um eine gute Bewertung zu erhalten. Auch Fenster müssen nach einer Wasserung noch zu öffnen sein.

In Summe müssen Fahrzeughersteller künftig beweisen, dass ihre Autos in diversen Situationen sicher unterwegs sind – die Systeme müssen robuster werden und somit einen breiten Querschnitt der Bevölkerung abdecken.

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