Es fühlt sich an wie eine IAA in klein. Drei verschiedene Orte (Fotostudio, Workshops, Pressekonferenz) über die Stadt verteilt, an denen Theorie und Praxis aufeinandertreffen. Statt einem Füllhorn an Autobauern gibt es in diesen Tagen in München aber nur einen Gastgeber: Xpeng. Wie bei der deutschen Autoleitmesse dreht es sich auch hierbei längst nicht nur ums Automobil. Drohnen, Humanoide, KI-Chips, Autonomes Fahren. Die Chinesen nennen ihren globalen Aufschlag "Physical AI for all" und lassen fast nebenbei in den Innenraum des neuen L03 blicken. AI, also Künstliche Intelligenz, kann man schwer beschreiben. Man muss ihre Hilfe erfahren, um Wert zu schätzen, was sie kann.


Xpeng L03


Im Fall des Mittelklasse-SUV-Coupés L03, das weltweit ausgerollt wird, aber bemerkenswerterweise in Deutschland Premiere feiert, bedeutet AI vor allem die Fähigkeit, teilweise autonom fahren zu können. Technisch löst das Xpeng mit eigenen (Turing-)Chips, die im Dreierpack in das "Ultra"-Modell wandern. Diese enorme Rechenkraft verarbeitet die Infos des Kamera-Radar-Systems und steuert selbst, was dem Fahrer das Leben erleichtern soll.

Da die Regulatorik in Europa dem noch deutliche Grenzen setzt, sind es im ersten Schritt eher smartes Einparken und das selbstständige Fahren auf der Autobahn mit beiden Händen am Steuer. Den eigenen Kopf abschalten kann der Fahrer hier nicht und das sollte er auch nicht tun. Wie gut das Ganze auf der Straße funktioniert, wird ein erster Test zeigen. Xpeng spricht vom Level 2+ Niveau für den L03.

Xpeng L03 will Preis-Leistungs-Sieger werden

Xpeng stach bislang unter den Automarken aus dem Reich der Mitte vor allem aufgrund seiner Ladeperformance heraus. Mittlerweile sind die deutschen Stromer deutlich wettbewerbsfähiger und in manchen Punkten wie dem Fahrwerk der asiatischen Konkurrenz oft überlegen, aber Xpeng zündet nun stellvertretend die nächste Phase: Konkurrenz über den Preis. Statt mit "voller Hütte" und irrsinnigen PS und Megawatt zu protzen, soll der L03 ein echter Preis-Leistungs-Sieger werden. Und das könnte gut gelingen.

Das Design des mit 4,65 Meter kleinsten Xpeng-Modells hierzulande erinnert an die Tropfenform der Fahrradhelme beim Zeitfahren. Dort wie hier sorgt das Windschnittige für einen minimalen Widerstand. Der cw-Wert von 0,228 ist bemerkenswert.

Dass dennoch die Proportionen stimmen, ist dem Team um Chef-Designer Juan Manuel López zu verdanken. Der zeichnete vorher unter anderem für Audi, Lamborghini und Ferrari. Je beliebiger die E-Autos in Außen- und Innendarstellung sowie in ihren Leistungsdaten werden, desto wichtiger sind solche Randaspekte, um eine eigene Geschichte formulieren zu können.


Xpeng X9 Performance


Xpeng L03: erste Sitzprobe

Die Sitzprobe im 4,65-Meter-Xpeng zeigt, dass der Eindruck vom Interieur im Großen und Ganzen zwar austauschbar scheint, aber sowohl die Stromer-Novizen wie auch die Early Adopter schnell in den Dialog mit dem L03 gehen können. Es gibt zwar wenige Schalter und Drehregler, aber dank der Sprachsteuerung soll wirklich viel "frei händisch" bedienbar sein.

Hier treffen wir erneut auf die chinesische AI-Power. Als Navi agiert Google Maps, die tiefere Fahrzeugsteuerung übernimmt dennoch nicht Android Auto, sondern bleibt Hoheitsgebiet von Xpeng. Als Infoquellen dienen drei Screens: 8,9- Zoll- Instrumententafel, 15,6-Zoll-Zentraldisplay und 26,8-Zoll-Head-up-Display.

Als Gimmicks warten auf dem Dashboard Spots für die Go-Pro und im Dachhimmel kleine Magnetflächen, etwa für Spotlights. Die Vordersitze sind gut geschnitten, beheiz- und belüftbar. Die Rückbank ist 40:20:40 klappbar und wird damit wintersporttauglich. Platz bietet der L03 dank 2,85 m Radstand jedem der Passagiere, die darüber hinaus 367 Liter in den Kofferraum und 89 Liter in den Frunk packen können. Es gibt vier Zurrösen im Kofferraum – das ist im Grunde nicht erwähnenswert, bei China-Importen allerdings schon.

Das Soundsystem mit im Fahrersitz integrierten Lautsprechern und eine Zweizonen-Klimaautomatik zeigen, wie viel man hier fürs Geld bekommt. Zumal die Wärmepumpe und das XXL-Panorama-Dach serienmäßig dabei sind. Wie bei vielen Stromern endet auch im L03 bei 180 km/h die Beschleunigung. Als Ladegeschwindigkeiten nennt Xpeng durchschnittliche 11 kW im AC-Bereich und starke 236 kW am DC-Lader.


Xpeng P7+


Xpeng L03: Das sind die Preise

Richtig spannend wird es beim Preis. Der beginnt bei 35.600 Euro (alle Preise brutto) für den kleinen Akku (58,3-kWh-LFP-Batterie), der den 245 PS starken Hecktriebler bis zu 445 km antreiben soll. Der WLTP-Verbrauchswert liegt im günstigsten Fall bei 15,3 kWh/100 km.

Die Long-Range-Version mit 71,2 kWh steigert den Aktionsradius auf 520 km und ist mit 38.600 Euro taxiert. Wer Allrad-Power braucht, zahlt für den dann 388-PS-Xpeng 41.600 Euro. Als potentiell autonom fahrender "Ultra" ist der L03 ab 46.600 Euro zu haben.

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Für maximale Reichweiten soll der Xpeng L03 als „Range Extender Electric Vehicle“ sorgen. Hierbei agiert der 1,5-Liter-Benziner ausschließlich als Generator für den Akku (37,25 kWh), so dass für die Fortbewegung ausschließlich Fahrstrom verwendet wird. Er ist mehr ein "EV mit Backup-Plan" als ein klassischer PHEV, heißt es seitens Xpeng. Rund 215 Kilometer soll allein der Akku reichen, bevor neuer Strom über den Motor erzeugt wird. Bei 5,5 Litern pro 100 km soll dessen Durst liegen, was eine theoretische Reichweite von 1.000 km ergäbe. Hierfür rufen die Chinesen 38.600 Euro auf.

Abgerundet wird das Angebot durch die herstellertypische Fahrzeuggarantie von sieben Jahren oder 160.000 km sowie acht Jahren Garantie auf die Hochvoltbatterie (bis 160.000 km).

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