Der Boden bebt in Valenciennes im Takt der Produktion. Wir stehen im Presswerk und die aufgerollten Stahlcoils werden zu Bauteilen gestanzt, welche am Ende der Reise einen Yaris Cross ergeben. Im französischen Werk von Toyota (Toyota Motor Manufacturing France) wird eines der wichtigsten Modelle der Japaner gebaut, das zu Recht das Label “Made in France” trägt. Über 1.100 Kompaktwagen (Yaris und vor allem Yaris Cross) starten täglich ihre Reise lautstark hier und rollen binnen 24 Stunden auf die Auslieferflächen vor dem imposanten Werk. Über 4.800 Mitarbeiter sind dafür im Einsatz. Von den fast 300.000 Einheiten im Jahr bleiben 20 Prozent (mit Italien und UK der Hauptabnehmermarkt für den Yaris/Cross), die anderen 80 Prozent gehen an europäische Kunden.
Valenciennes ist eines von acht Werken des größten Autobauers der Welt in Europa, so dass fast 80 Prozent der verkauften Toyotas in Europa auf dem Kontinent (inclusive zweier Werke in UK) gebaut werden. Gegründet wurde das Werk 1998, die Serienproduktion startete 2001. In 25 Jahren hat sich mittlerweile die Jahreskapazität verdoppelt auf fast 300.000 Einheiten. Aus anfänglich 1.900 Mitarbeitern wurden über 4.800.
Toyota: Für jedes Tempo ein Angebot
Ein Rundgang durch die Fertigung zeigt, dass das Werk trotz fortschreitender Digitalisierung weiterhin auf klassische automobile Produktionsprozesse setzt. Vor 25 Jahren spielte KI noch keine Rolle. Auch ist der serielle Hybridantrieb des Yaris nur eine Teilelektrifizierung, große Akku-Pakete braucht es also nicht. Und so tickt das Werk hauptsächlich nach den Regeln der Verbrenner-Welt. Das passt auch zur (Multi-Pathway-)Produktstrategie von Toyota, die Benziner, Hybride, Phevs, E-Modelle und Wasserstofffahrzeuge (und alternative Kraftstoffe) anbieten und damit jedem Kunden Wahlmöglichkeiten geben, wie dieser den Weg zur CO2-armen bis -freien Mobilität vollziehen will und kann. Den Takt geben aber die Stromer vor: Allein in diesem Jahr starten fünf BEV mit dem Toyota-Signet.
Toyota GR Yaris (Test)
Der Yaris zählt als Hybrid zu den Zwischenschritten, ist aber aufgrund seines Kundenerfolgs ein absolutes Asset für Toyota. In der fünften Generation rollt der Kleinwagen durch Europa, wahlweise im SUV-Kleid. Den Yaris Cross gibt es seit 2021 und er erhielt aktuell ein kleines (und damit zweites) Facelift. Das B-SUV erhielt damit eine markantere Frontpartie, neue LED-Scheinwerfer und generell etwas mehr Individualisierbarkeit (u.a. mit neuen Farben). Im Mittelpunkt bleibt der bekannte Hybridantrieb. Toyota bietet die Baureihe weiterhin mit dem 130-PS-Benziner an, der zwischen 4,4 und 5,1 Liter Normverbrauch aufweist.
Über 1.100 Toyota Yaris täglich
Bereits im Presswerk werden Stahlcoils angeliefert, gestanzt und zu Karosserieteilen geformt. Die dort eingesetzten Großpressen gehören zu den eindrucksvollsten Anlagen des Standorts. Anschließend durchlaufen die Fahrzeuge die Stationen Karosseriebau, Lackiererei, Kunststofffertigung sowie Endmontage. Ergänzt werden diese Bereiche durch Logistik, Qualitätskontrolle und Instandhaltung.
Die Fabrik produziert aktuell rund 1.100 Fahrzeuge pro Tag. Toyota setzt dabei konsequent auf die Prinzipien des Toyota Production Systems. Arbeitsabläufe sind detailliert dokumentiert, Prozesse standardisiert und kontinuierlich auf Effizienz überprüft. Auch die Qualifizierung der Mitarbeiter spielt eine zentrale Rolle. Schulungen finden teilweise in digitalen 3D-Lernumgebungen statt, beispielsweise für Lackier- und Nacharbeitsprozesse.
Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt Toyota das Ziel, die CO₂-Emissionen des Werks bis 2030 auf null zu reduzieren. Bereits heute gehen Energieverbrauch, Wasserverbrauch und die Recyclingquote in die richtige Richtung. Zwei große Solaranlagen helfen künftig ebenso wie große Wasserbecken, in denen Regenwasser aufgefangen und für die Produktion verwendet wird.
Gerade das Aufbereiten des Abwassers ist aufwendig, aber es sorgt für einen hohen Grad an Autarkie. Unterstützt wird dies durch eine kompakte Werksstruktur, moderne Anlagen, Wasseraufbereitungssysteme und Maßnahmen zur Optimierung von Energie- und Logistikströmen. Das Know-how dafür stammt von den eigenen Mitarbeitern, die mit ihrem Wissen den Wandel vorantreiben.
Während die Pressen in Toyotas größtem europäischen Werk weiterhin Stahl formen, arbeitet Toyota gleichzeitig an der Transformation hin zu einer CO₂-armen Produktion. Damit verbindet der Standort traditionelle Automobilfertigung mit den Anforderungen der Mobilität von morgen.
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