1.050 Sterne im "Kühlergrill" (im Paket für 3.570 Euro), Burmester-4D-Sound (im Paket für 14.815 Euro), Twisted-Diamond-Nappaleder (im Paket für 3.201 Euro), Sky-Control-Sternenhimmel mit 162 beleuchteten Sternen im Glasdach (535 Euro), 39,1-Zoll-Hyperscreen (1.488 Euro), Hinterachslenkung mit Airmatic-Luftfederung (2.844 Euro), generative KI für komplexe Gespräche mit dem Virtual Assistant (zwei Jahre inklusive), erstes zertifiziertes "Vegan-Interieur" (kostenfrei!), Energizing Air Control (238 Euro), Digital Light (1.392 Euro). Alles verstanden? In der (intern) W520 genannten Mittelklasse-Limousine, die ausschließlich elektrisch rollt, gibt es alles, was (gut und) teuer ist. 95.000 Euro kostet daher der Testwagen, mit dem wir rund um Helsinki flüsterleise schleichen konnten.


Mercedes-Benz C 400 4Matic elektrisch


C-Klasse startet als Topversion mit 489 PS

Aber fangen wir vorn an und erklären: Den Start der elektrisch angetriebenen C-Klasse (den "alten" W206 gibt es weiterhin) macht bis in den September der von uns bewegte C 400 4Matic – Topversion. Die zwei Elektromotoren bringen es im Bestfall auf knapp 500 PS und 800 Newtonmeter. Braucht man das? Nein. Legitimiert wird die Leistungsexplosion seitens Mercedes mit dem Hinweis: "Machen die anderen auch." Ist Wahres dran, relativiert aber den Leistungswahn kaum.

Vier (also 4) Sekunden benötigt der C 400 für den Spurt auf maximal erlaubtes Landstraßentempo. In Finnland sind 80 erlaubt. Das dauert drei (also 3) Sekunden bis dahin. Auf Autobahnen ist Tempo 120 das höchste der Gefühle. Spätestens dann schaltet die Zweigang-Automatik spürbar in die höhere Fahrstufe. Je nach Leistungsanforderung des Fahrpedals aktiviert die Automatik ab etwa 70 km/h den zweiten Gang (dann unmerklich), um dem Antrieb mehr Effizienz einzuhauchen. Aus 120 kann in Deutschland die Zahlenfolge 210 werden. Spätestens da wird abgeregelt. Das reicht, auch in Schnellfahr-Deutschland.

Erstaunlich ist, wie geschmeidig sich der C 400 in Bewegung setzt – im Eco-Modus. Dann wird nämlich nur beim Kickdown die volle Leistung abgegeben, sonst nur ein Bruchteil dessen. Und man ist dennoch schnell unterwegs – zu schnell für Finnland. Vorteil Finnland: Sobald man die Hauptstraßen außerhalb der Ortschaften verlässt, ist Asphalt ein Fremdwort. Hier zeigt der im ungarischen Kecskemét produzierte W520, wie feinfühlig die Elektronik die Kraft zwischen den Achsen verteilt und man damit die Straße zentimetergenau sezieren kann. Gepaart ist dieses Antriebsszenario mit einem Fahrwerk, das auf Komfort setzt – und sich sogar im Sport-Modus alltagsgerecht anfühlt. Zumindest dann, wenn man die erwähnte Luftfederung gewählt hat. Die 2,5-Tonnen-Limousine(!), die es nicht als T-Modell geben wird (schwerer Fehler), bügelt alles glatt, was ansatzweise uneben ist. Hat bereits eine C-Klasse die Strecke zuvor befahren, weiß eine nachfolgende C-Klasse (mit Luftfederung), wo sich Straßenschäden befinden. Via Car2X-Kommunikation werden diese Informationen gesendet und die Dämpferelemente Millisekunden vor der Straßenmacke in den passenden Modus versetzt. Lediglich die erste C-Klasse rasselt also ins Loch – Pionierarbeit nennt man das wohl.

Selbst mit den montierten 20-Zoll-Rädern, die optisch übertrieben wirken, ist das Setup komfortabel-fein, wie man es von einem Mercedes erwartet. 18 Zoll lautet die Serien-Mischbereifung, auch für den starken 400er, der leistungsmäßig nur noch von einem AMG-Modell übertroffen werden wird. Dass dieses die 700-PS-Mauer durchbricht, gilt als gesetzt. Machen die anderen ja auch. Trotz des erwähnten Komforts preist Mercedes den C 400 als "sportlichste C-Klasse" an. Das glauben wir nach ein paar Runden auf dem "Mickey-Mouse-Kurs" (kleine Kurvenradien, niedriges Tempo) des "Premier-Park-Test-Centers" nahe Helsinki. Abermals die Frage: Braucht man das? Nochmals: Nein.

C-Klasse, das Langstreckenauto per se

Die C-Klasse soll qua Definition Meter machen. Langstreckenauto, Vielfahrerauto, Vertriebler-Dienstwagen … was auch immer. Für die Kurzdistanz gibt es andere, bessere. So gleitet man durch die rahmenlose Türöffnung in die breit geschnittenen, aber ultrakomfortablen, AGR-zertifizierten Sitze, justiert über die Mimik in der Türverkleidung die Position, stellt mittels Knubbel an der Lenksäule elektrisch das griffige und mit Walzen versehene Volant ein, justiert die Außenspiegel klassisch über Tasten und blickt in den Rückspiegel, um sich zu wundern, wie klein die Heckscheibe geworden ist. Der Kofferraum scheint sich förmlich von unten aufzublähen. Dabei ist er mit 470 Litern für eine knapp 4,90 Meter lange Limousine nicht groß. Ein Teil des Fassungsvermögens wartet zudem im Unterboden auf Krimskrams. Wer die Fondlehnen umlegt, erntet eine Ladeluke mit Höhenprofil. Vorn, in den Frunk, passen nochmals 100 Liter. Alles in allem Platz genug fürs Gepäck.

Die Hinterbänkler freuen sich ebenfalls über ausreichend Beinfreiheit und aufgrund des serienmäßigen Glasdachs über Luft nach oben – freilich keine echte, denn ein Schiebedach gibt es nicht. Ebenso fehlt ein Rollo. Das Dach ist zwar abgedunkelt und soll Hitze draußen lassen. Und wer will, kann es in neun Segmenten mattieren (für 3.570 Euro im Paket). Richtig dunkel wird es nie. Und wer hinten sitzt, kann beim Blick nach oben sehen, was der Mensch am Lenkrad treibt. Sitzt dieser „ganz unten“, passen hinten kaum mehr Füße unter die Vordersitze. Ebenso ist der Einstieg in den Fond knifflig (niedrige Dachlinie). Die hinteren Seitenscheiben lassen sich nur zur Hälfte absenken und Dachhaltegriffe gibt es in der C-Klasse keinen einzigen. Da dürfte „Premium“ mehr bieten.

Bei den Materialien ist auch Luft nach oben. Das im Testwagen installierte Leder "Beech Brown" (Braun wie Buche) für 2.190 Euro könnte auch als "vegan" durchgehen, was im konkreten Vergleich kein Kompliment ist. Dann lieber gleich das Nappaleder wählen. Für 3.200 Euro (je nach Ausstattung in Kombination mit anderen Paketen) gibt es dann Leder, das man als solches identifiziert – und von einem Mercedes erwartet. Die mittleren Luftausströmer wirken wie vergessen und nachträglich aufgesetzt, und die Sonnenblende fühlt sich an wie im Fiat Panda.

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