Das Kraftfahrzeuggewerbe Baden-Württemberg sieht sich bei der Qualifizierung von Fachkräften für die Antriebswende gut aufgestellt. Wie der Verband betont, gehört die System- und Hochvolttechnik bereits seit 2013 zum Berufsbild des Kfz-Mechatronikers. Damit habe das Handwerk Kompetenzen für Elektromobilität aufgebaut, lange bevor Elektrofahrzeuge den Massenmarkt erreichten.
Nach Angaben des Verbands haben viele Betriebe in den vergangenen Jahren erhebliche Summen in Hochvolt-Arbeitsplätze, spezielle Werkstattausrüstung und die Weiterbildung ihrer Beschäftigten investiert. Die Investitionen könnten je nach Betriebsgröße und Ausbaustufe einen sechsstelligen Betrag erreichen.
Verband sieht Rückgang bei Azubi-Zahlen als Warnsignal
Mit Blick auf das neue Ausbildungsjahr erinnert Verbandspräsident Michael Ziegler daran, dass die Fachkräfte für neue Antriebe in den Werkstätten ausgebildet werden. Der leichte Rückgang der Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr sei zwar kein Grund zur Sorge, aber ein Hinweis darauf, dass die Nachwuchsgewinnung anspruchsvoller werde.
Nach fünf Jahren mit steigenden Zahlen war die Zahl der Neuverträge für Kfz-Mechatroniker bundesweit 2025 erstmals wieder leicht gesunken. Laut Verband wurden rund 24.500 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, nachdem 2024 mit mehr als 25.000 Neuverträgen der höchste Stand seit zwei Jahrzehnten erreicht worden war.
Land soll Zusagen jetzt umsetzen
Vor diesem Hintergrund fordert das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg die Landesregierung auf, angekündigte Maßnahmen zügig umzusetzen. Dazu zählen die Verdopplung der Meisterprämie von bislang 1.500 auf 3.000 Euro sowie die perspektivisch kostenfreie Meisterausbildung.
Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß sieht darin nicht nur eine Unterstützung für die Weiterbildung, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Unternehmensnachfolge. Der Meisterbrief sei im Handwerk weiterhin ein zentraler Weg in die Selbstständigkeit und zur Übernahme bestehender Betriebe.
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30 Millionen Euro für Bildungsstätten
Große Bedeutung misst der Verband zudem der Modernisierung der Bildungsstätten bei. Aus dem Landesanteil am Sondervermögen des Bundes sollen zusätzliche 30 Millionen Euro in die Bildungszentren des Handwerks in Baden-Württemberg fließen.
Das Geld müsse gezielt für die künftigen Anforderungen der Ausbildung eingesetzt werden, fordert der Verband. Moderne Hochvolt-Arbeitsplätze, aktuelle Diagnosetechnik und zeitgemäße Lehrumgebungen seien entscheidend, um junge Fachkräfte für die Mobilität von morgen auszubilden.
Ausbildungsfrage wird zur Standortfrage
Aus Sicht des Kfz-Gewerbes entscheidet sich der Erfolg der Antriebswende nicht allein bei Herstellern oder politischen Entscheidungen. Entscheidend sei, dass Werkstätten im ganzen Land Fahrzeuge mit alternativen Antrieben warten, reparieren und sicher instand setzen können.
Der Verband sieht daher die Politik in der Pflicht, die angekündigten Fördermaßnahmen schnell umzusetzen. Nur mit modernen Bildungsstätten, ausreichend Nachwuchs und attraktiven Karrierewegen könne die Branche den steigenden Qualifikationsbedarf langfristig decken.
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