Der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) hat einen Auftrag zur Klageerhebung gegen die Online-Fahrzeugplattform Auto.de erteilt. Hintergrund ist ein seit mehreren Wochen schwelender Streit um aus Sicht des Verbands wettbewerbswidrige Werbedarstellungen. Zwar wurden die beanstandeten Inhalte nach einer Abmahnung im Juli inzwischen angepasst, auf eine rechtsverbindliche Unterlassungserklärung wollte sich Auto.de nach Angaben des BVfK jedoch nicht einlassen.
Abmahnung wegen Preisangaben und Zusatzkosten
Im Mittelpunkt der Kritik stehen demzufolge unzutreffende Streich- beziehungsweise Vergleichspreise sowie verpflichtende Zusatzkosten in Form eines "Rundum-Sorglos-Pakets". Die Plattform war Ende 2025 von der Autoland AG übernommen worden (wir berichteten).
Der BVfK hatte Auto.de am 22. Juli 2026 wegen der beanstandeten Darstellungen abgemahnt. Nach Angaben des Verbands wurden die kritisierten Inhalte daraufhin umfassend überarbeitet. Bei einer ersten Nachprüfung seien die monierten Werbedarstellungen nicht mehr feststellbar gewesen, hieß es.
Keine Unterlassungserklärung abgegeben
Für den Verband reicht die bloße Anpassung der Website jedoch nicht aus. Da Auto.de trotz mehrfacher Aufforderung keine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben habe, sei nun die Klageerhebung beim zuständigen Landgericht Halle beauftragt worden.
"Wir können keinen Grund für eine Ausnahme von der in solchen Fällen üblichen und sinnvollen Vorgehensweise erkennen", sagte der BVfK-Präsident Ansgar Klein am Donnerstag laut einer Mitteilung. "Die unsererseits monierten Praktiken sind sowohl einzeln als auch und insbesondere in ihrer Häufung keine Lappalie. Nach unserer Auffassung erschweren sie Verbrauchern die zutreffende Einschätzung der tatsächlichen Angebotspreise und benachteiligen Wettbewerber, die ihre Angebote transparent und regelkonform darstellen", so Klein weiter.
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Verband spricht von ungewöhnlich vielen Beanstandungen
Nach Darstellung des BVfK rückte Auto.de verstärkt in den Fokus der Juristen, nachdem die neuen Eigentümer der Plattform ehrgeizige Wachstums- und Expansionsziele angekündigt hatten. Die anschließende Überprüfung habe eine nach Verbandsauffassung ungewöhnlich hohe Zahl an Beanstandungen ergeben.
Ein BVfK-Jurist wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: "Der Umfang der aus unserer Sicht festgestellten Beanstandungen war bemerkenswert und wirkte eher systematisch, als sei ein versehentlicher Fehler unterlaufen."
Der Verband sieht in solchen Praktiken nicht nur Nachteile für Verbraucher, sondern auch für Händler, die ihre Angebote transparent und rechtskonform gestalten. Zudem könne das Ansehen der gesamten Branche darunter leiden.
"In einem solchen geschäftlichen Umfeld lässt sich kaum seriös und professionell arbeiten. Wir sehen uns als einer der führenden Kfz-Verbände in der Verantwortung, für stabile und rechtlich einwandfreie Rahmenbedingungen zu sorgen, und sehen uns bedauerlicherweise gezwungen, eine gerichtliche Klärung herbeizuführen", betonte Klein.
Auto.de verweist auf bereits umgesetzte Änderungen
Auto.de weist die Vorwürfe nicht explizit zurück, betont jedoch die bereits erfolgten Änderungen der Plattform. "Nach der Übernahme der Plattform Auto.de mussten notwendige Anpassungen vorgenommen werden. Durch die hilfreichen Hinweise des BVfK konnten wir die gewünschten Veränderungen schnell umsetzen", teilte Geschäftsführer Yasin Turhal gegenüber AUTOHAUS mit. "Wir danken dem BVfK, wünschen uns weiterhin eine gute Zusammenarbeit und haben uns gegenüber dem BVfK entsprechend erklärt."
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