Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) weist Befürchtungen über eine branchenweite Krise im Kfz-Handel zurück. Anlass sind Berichte über die Insolvenz einer großen Autohandelsgruppe. Nach Einschätzung des Verbandes befindet sich der Handel jedoch weiterhin in einer stabilen Situation.
"Die Zeiten sind herausfordernd – aber es gibt keine echte Krise im Autohandel", sagt Burkhard Weller, Präsident des Verbandes der Automobilhändler Deutschlands (VAD). "Aus der aktuellen Marktlage, der Verkaufsoffensive chinesischer Hersteller und der stabilen Nachfrage ergeben sich viele Chancen." Schließlich seien auch die neuen Marken aus China auf leistungsfähige Händler angewiesen. Weller: "Man darf den Handel nicht mit der Automobilindustrie verwechseln."
VAD rechnet mit 2,8 bis 2,9 Millionen Pkw-Neuzulassungen
Für das laufende Jahr rechnet der VAD mit 2,8 bis 2,9 Millionen Pkw-Neuzulassungen in Deutschland und damit mit einem Niveau ähnlich wie 2025. Damals wurden 2,858 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen. "Damit wird 2026 ein ganz normales Autojahr", sagt Weller. "Die Zeiten mit deutlich mehr als drei Millionen Neuzulassungen werden auf absehbare Zeit nicht zurückkommen. Darauf muss sich der Handel einstellen."
Verändert habe sich jedoch die Struktur der Nachfrage. Der Verband erwartet einen weiter steigenden Anteil von Elektrofahrzeugen. Begünstigt durch hohe Kraftstoffpreise und staatliche Kaufanreize könnte 2026 bereits jeder vierte neu zugelassene Pkw rein elektrisch angetrieben sein. Dies stelle die Händler vor neue Herausforderungen, eröffne aber zugleich zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.
Umsatzrendite im Automobilhandel
Die durchschnittliche Umsatzrendite im Automobilhandel wird laut VAD in diesem Jahr bei rund 1,1 Prozent liegen. "Das ist kein üppiger Wert. Es müssten zwei bis drei Prozent sein. Aber der Autohandel ist nach wie vor ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäft", sagt Weller. Die wirtschaftliche Situation unterscheide sich dabei je nach Geschäftsfeld deutlich. Besonders zwischen Neuwagenverkauf, Gebrauchtwagenhandel und Service gebe es unterschiedliche Ertragschancen.
Von einer Insolvenzwelle könne derzeit keine Rede sein. "Wenn Autohändler in wirtschaftliche Schieflage geraten, hat das in der Regel individuelle Ursachen", sagt Weller. Häufig seien Managementfehler ausschlaggebend. Falsch kalkulierte Restwerte, unprofitable Flottengeschäfte oder zu hohe Gemeinkosten gehörten zu den typischen Ursachen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. "Die Insolvenz einzelner Unternehmen sei deshalb kein Beleg für eine Krise der gesamten Branche."
Fachkräftenachwuchs: Optimistische Einstellung
Optimistisch zeigt sich der Verband auch mit Blick auf den Fachkräftenachwuchs. 2025 wurden bundesweit 32.586 neue Ausbildungsverhältnisse in den Berufen des Kfz-Gewerbes abgeschlossen. Nach Einschätzung des VAD werden auch in diesem Jahr wieder mehr als 30.000 Auszubildende ihre Karriere in Autohäusern und Kfz-Werkstätten beginnen.
"Der Autohandel verändert sich, aber er verliert nicht an Bedeutung", sagt Weller. "Neue Antriebe, neue Marken und neue Geschäftsmodelle schaffen Herausforderungen – aber eben auch neue Chancen."
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