Wird ein E-Fahrzeug in einen Crash verwickelt, stellt sich in Sachen Batterie die entscheidende Fragen: Reparieren oder austauschen? Im Sinne der Nachhaltigkeit gewinnt laut TÜV SÜD auch das Recycling zunehmend an Bedeutung.

Die E-Mobilität gewinnt weiter an Fahrt. Von Januar bis Juli 2026 wurden über 446.000 batterieelektrische Fahrzeuge neu zugelassen und damit 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – alleine im Juli kamen 78.600 BEV hinzu, was 30 Prozent der Neuzulassungen ausmachte. Schon rein statistisch gesehen werden E-Modelle also künftig immer häufiger in Unfälle verwickelt werden und in Reparaturbetrieben landen beziehungsweise Aufgabe für Schadengutachter sein.

Ein Trend, den Tobias Kutschera, Kfz-Sachverständiger bei der TÜV SÜD Auto Service GmbH und als Schadenmanager in einem VW Autohaus in der Region Stuttgart zuständig, bestätigen kann: "Rund 30 Prozent der verunfallten Fahrzeuge, die in den Betrieb kommen, sind aktuell Hybride, dazu kommen etwa 10 Prozent reine E-Modelle. Tendenz steigend."

Spreu trennt sich vom Weizen

Wirklich schwere Strukturschäden sind nach Kutscheras Erfahrung äußerst selten darunter, und dafür gibt es gute Gründe: "Wenn es zu Unfällen auf der Landstraße oder Autobahn bei hohen Geschwindigkeiten kommt, werden diese Fahrzeuge von spezialisierten Abschleppunternehmen abgeholt. Diese sind, sollte es zu Problemen kommen, auch mit Spezialcontainern ausgestattet, um die E-Modelle gegebenenfalls zu fluten." Was in den Autohäusern landet, sind also eher leichtere Anstöße, Parkrempler und Stadtunfälle, nach denen die Kundenfahrzeuge noch fahrtüchtig sind. Nichtsdestotrotz sind auch hier alle Sicherheitsstandards einzuhalten: Nur geschultes Personal darf sich den E-Modellen nähern, der Stellplatz muss gekennzeichnet werden, Spezialwerkzeug kommt zum Einsatz.

Funktionierender Selbstschutz

Die erste Schutzfunktion übernehmen dabei häufig die im Fahrzeug integrierten Sicherheitssysteme. Abhängig von Fahrzeugarchitektur, Sensorik und Schadensereignis kann das Hochvoltsystem bei einem Unfall automatisch deaktiviert oder in einen sicheren Zustand versetzt werden, um elektrische Gefährdungen zu reduzieren. Die Hochvoltbatterie befindet sich zudem in der Regel in einem besonders geschützten Fahrzeugbereich, sodass sichtbare Beschädigungen des Batteriesystems häufig erst bei erheblichen Krafteinwirkungen auftreten.

Wie TÜV SÜD Experte Kutschera betont, bedeutet ein äußerlich unauffälliger Zustand jedoch nicht automatisch, dass keine Schädigung vorliegt. Gerade bei Hochvoltbatterien können sicherheitsrelevante Beeinträchtigungen auch im Inneren des Systems auftreten und von außen nicht erkennbar sein.

Deshalb kann im Rahmen einer fachgerechten Begutachtung eine weitergehende technische Bewertung erforderlich sein. Je nach Herstellerfreigaben, Schadenbild und verfügbaren Prüfverfahren werden dabei Fahrzeugdiagnosedaten ausgewertet sowie geeignete elektrische und thermische Prüfungen herangezogen. Ziel ist es, den technischen Zustand der Batterie belastbar zu beurteilen und eine fundierte Entscheidung über Reparatur, Weiterverwendung oder Austausch zu ermöglichen. Der sichere Umgang mit beschädigten Hochvoltbatterien erfordert dabei besondere Sorgfalt, um potenzielle Gefährdungen für Personen, Sachwerte und Umwelt zu minimieren.

Eine weitere Servicedienstleistung, die die TÜV SÜD Sachverständigen ihren Autohaus-Partnern anbieten, ist die Prüfung des Zustands des Fahrzeugakkus. "Natürlich will niemand die Katze im Sack kaufen und der State of Health der Batterie kann je nach Modell und Alter mehrere Tausend Euro im Wert des Gebrauchtwagen-Wertes ausmachen", unterstreicht Tobias Kutschera die Bedeutung. Abhilfe schafft die TÜV SÜD Fahrzeugdiagnose, die den SoH-Wert der Batterie bewerten kann. Dadurch ist der Gebrauchtwagenkäufer auf der sicheren Seite und fühlt sich bei seinem Autohaus gut aufgehoben.

Drei Stufen im Umgang mit beschädigten Fahrzugbatterien © Foto: TÜV SÜD
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