Er ist seit mittlerweile 1990 in führenden Positionen für den Ulmer Schmierstoff-Soezialisten tätig, hat 32 Jahre lang gemeinsam mit Ernst Prost die Marke Liqui Moly auch international stark nach vorne gebracht, ehe er ab Februar 2022, dem Ruhestandsbeginn von Prost, zunächst alleine die Geschäfte der heutigen Weltmarke weiter führte: Günter Hiermaier. Die Verantwortung über die selbst während Corona und danach weiter stark gewachsene Unternehmensgruppe mit jährlich neuen Umsatzrekorden teilt er sich seit 1. Januar 2023 mit Dr. Uli Weller und holte zum 1. September 2024 mit Salvatore Coniglio einen weiteren langjährigen LM-Kollegen in die Geschäftsführung.
Zum traditionellen Sommer-Interview trafen wir uns in diesem Jahr mit Hiermaier an den beiden großen Produktions-Standorten in Ulm und Saarlouis und führten mit ihm folgendes Gespräch:
Geschäfte in geopolitisch angespannten Zeiten
AH: Herr Hiermaier, wie bewerten Sie das Jahr 2025 für Liqui Moly und den Start in 2026?
G. Hiermaier: Angesichts eines nach wie vor schwierigen Marktumfelds schauen wir zufrieden auf die Ergebnisse des Jahres 2025 zurück. Die ersten Monate des Jahres 2026 sind wegen der veränderten Rahmenbedingungen aber nur bedingt mit dem Vorjahr vergleichbar. Insbesondere die Entwicklung der Rohstoffpreise und die daraus entstandenen Kostensteigerungen haben die gesamte Branche vor Herausforderungen gestellt.
Hinzu kommen Belastungen in den internationalen Lieferketten. Da ist allen voran etwa die angespannte Situation rund um die Straße von Hormus zu nennen. Gleichzeitig war es nicht immer einfach, notwendige Preisanpassungen im Markt umzusetzen und dabei die Interessen unserer Kunden im Blick zu behalten. An unserer strategischen Ausrichtung hat sich jedoch nichts geändert: Wir stehen für höchste Produktqualität, konsequente Kundennähe und eine persönliche Vor-Ort-Betreuung. Ergänzt wird das durch ein breites Serviceangebot, mit dem wir unsere Partner in Werkstätten und Handel bestmöglich unterstützen.
AH: Neben der Konkurrenzsituation auf dem Schmierstoffmarkt sind auch die Rahmenbedingungen äußerst komplex. Wie kann Liqui Moly gegensteuern und weiterhin auf Erfolgskurs bleiben?
Risikominimierung durch Märkte- und Produktvielfalt
G. Hiermaier: Die geopolitischen Herausforderungen betreffen heute so gut wie alle Unternehmen. Unser Vorteil liegt darin, dass wir international breit aufgestellt und in verschiedenen Märkten aktiv sind. Dadurch verteilen wir Risiken und sind weniger von einzelnen Regionen oder konjunkturellen Entwicklungen abhängig. Gleichzeitig sehen wir weiterhin eine stabile Nachfrage nach hochwertigen Motorölen, Additiven und Serviceprodukten. Mobilität bleibt ein Grundbedürfnis. Außerdem ist der weltweite Bestand an Fahrzeugen nach wie vor sehr hoch. Entscheidend ist deshalb, dass wir als Liqui Moly nahe am Kunden bleiben, flexibel auf Marktveränderungen reagieren und die eigene Wettbewerbsfähigkeit hochhalten.
AH: Anfang des Jahres hatten Sie die Internationalisierung als eine Kernaufgabe für 2026 ausgerufen. Wie ist hier der aktuelle Stand?
G. Hiermaier: Das Thema Internationalisierung bleibt weiterhin einer, wenn nicht sogar der wesentliche Bestandteil unserer Wachstumsstrategie. Die Entwicklung im Exportgeschäft bestätigt uns darin, diesen Weg auch konsequent weiterzugehen. Eine breite internationale Präsenz sorgt nicht nur für zusätzliche Wachstumschancen, sondern trägt auch dazu bei, wirtschaftliche Risiken besser auszugleichen.
Unser Ziel bleibt es, sowohl im Heimatmarkt als auch in den internationalen Märkten, insbesondere in Asien, Nordamerika und Afrika, weiter zu wachsen. Dabei setzen wir auf den Ausbau bestehender Strukturen und auf eine stärkere Sichtbarkeit unserer Marke. Ein wichtiger Baustein ist dabei unser internationales Sportsponsoring. Dazu zählen beispielsweise unsere Partnerschaften rund um die Rugby-Weltmeisterschaften 2027 und 2029 sowie unser langjähriges Engagement in der Formel 1 und in der MotoGP.
"Wollen technologischen Fortschritt früh begleiten"
AH: Durch die Kooperation mit der eFuel Group hat Liqui Moly ein wichtiges Zeichen gesetzt. Was versprechen Sie sich hiervon und welche weiteren Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit sind aktuell in Umsetzung?
G. Hiermaier: Wir erwarten, dass eFuels herkömmliche Kraftstoffe ersetzen könnten. Daher möchten wir jetzt schon durch die Kooperation das Zusammenspiel von eFuels, Schmierstoffen und Additiven erproben. Produktinnovationen in diesem Bereich schließen wir nicht aus. Der Anspruch von Liqui Moly ist es, technologische Entwicklungen frühzeitig zu begleiten und unseren Kunden auch künftig passende Lösungen für die Anforderungen moderner Mobilität anzubieten.
AH: Herr Hiermaier, vielen Dank für das Gespräch.
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