Nach den Rekordständen der vergangenen Woche haben die Spritpreise übers Wochenende nachgegeben. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostete ein Liter Super E10 2,279 Euro, ein Liter Diesel 2,446 Euro, wie der ADAC mitteilte. Damit ist der E10-Preis seit seinem Rekord am vergangenen Mittwoch um 3,5 Cent gesunken, der Dieselpreis seit seinem Hoch am Donnerstag um 2,5 Cent.
Der Rückgang entfiel vor allem auf Freitag und Samstag. Am Sonntag blieb der E10-Preis stabil, Diesel verteuerte sich sogar minimal. Erste Zahlen zum Montag auf dem Spritpreisportal "Tankerkönig" zeigen wenig Bewegung. Meist waren die Preise minimal höher als zum jeweils gleichen Zeitpunkt am Vortag, der seit Einführung der 12-Uhr-Regel übliche Mittagssprung fiel allerdings etwas niedriger aus als in den vergangenen Tagen.
Rohölpreis gibt weiter nach
Vom Ölpreis kamen unterdessen für Autofahrer günstige Signale. Er sank am Montag bis zur Mittagszeit. Es war der vierte Rückgang in Folge. Der Rohölpreis ist in der Regel der wichtigste Treiber von Änderungen der Spritpreise. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Transport- und Raffineriekapazitäten. Zudem ist der Preis für Diesel krisenanfälliger – weswegen der Kraftstoff derzeit auch mehr kostet als Benzin, obwohl er niedriger besteuert wird.
Regional und je nach Tankstelle können die Preise deutlich abweichen. Zudem schwankt der Preis im Tagesverlauf stark. Während die Preise für Premiumkraftstoffe an Autobahntankstellen kurz nach dem üblichen Mittagssprung zuletzt teilweise bis auf mehr als 3 Euro kletterten, gab es am Montagmorgen in billigen Regionen aber auch zahlreiche Tankstellen, die den Liter E10 für deutlich weniger als 2,20 Euro anboten.
Der nächste Tankrabatt soll kommen
Angesichts der hohen Preise haben sich Bund und Länder auf einen neuen Tankrabatt von Anfang Oktober bis Ende Dezember geeinigt. Dazu soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter gesenkt werden. Zusammen mit der Umsatzsteuer ergibt das eine Entlastung von knapp 17 Cent pro Liter. Zudem ist spätestens ab Januar 2027 auch ein Spritpreisdeckel geplant, aber als Kriseninstrument und nicht dauerhaft.
Ökonomen sehen insbesondere den Tankrabatt kritisch. Unter anderem bemängeln sie, dass er teuer und ungenau ist und auch Menschen unterstützt, die dies nicht nötig haben. Zudem bremse er den eigentlich sinnvollen Effekt, dass hohe Preise die Nachfrage nach knappen Gütern bremsen. Auch an einem Spritpreisdeckel hat es zuletzt Kritik aus der Wirtschaftswissenschaft gegeben.
Auch der Mineralölwirtschaftsverband en2x sprach sich gegen einen Preisdeckel aus: Der deutsche Markt mit seinen lokalen Raffineriestandorten und 14.000 Tankstellen sei wegen der regional sehr unterschiedlichen Versorgung und der dadurch phasenweise großen Preisdifferenzen hochkomplex. Eine einheitliche staatliche Preisregulierung für das gesamte Bundesgebiet sei "keine passende Lösung und mit erheblicher zusätzlicher Bürokratie verbunden". Zudem könne ein zu niedrig angesetzter Preisdeckel "im schlimmsten Fall die Versorgungssicherheit gefährden, weil Kraftstoffe dann in Märkte mit höherer Zahlungsbereitschaft abfließen".
Weitergabe umstritten
Umstritten ist, wie weit Tankrabatte in der Vergangenheit bei den Verbrauchern angekommen sind. Bei der Steuererleichterung im Sommer waren unter anderem das Bundeskartellamt, die Monopolkommission und das Ifo-Institut zum Schluss gekommen, dass der Steuervorteil nicht komplett weitergegeben wurde. Die Mineralölwirtschaft bestreitet dies allerdings.
Fast 59 Millionen Verbrenner
Insgesamt sind in Deutschland mit Stand 1. Juli 58,7 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, die ganz oder teilweise mit Benzin oder Diesel betrieben werden, wie aus Daten des Kraftfahrtbundesamtes hervorgeht. Knapp 2,6 Millionen werden rein elektrisch angetrieben. Die Zahlen schließen dabei neben Pkw auch Lastwagen, landwirtschaftliche Maschinen oder Motorräder ein. Betrachtet man nur Pkw sind es 29 Millionen Benziner, 13,2 Millionen Diesel, 4,8 Millionen Hybride und 2,4 Millionen reine Elektroautos.
Mehr zum Thema entdecken
Politik
Niedriger Ölpreis: Spritpreise müssten stärker fallen
Politik
ADAC-Auswertung: Spritpreise sinken – besonders bei Diesel
Autohandel
Spritpreise steigen wieder: Wird der Rabatt weitergegeben?
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.