Mit einer intelligenten Verbindung aus effizienter Unfallschadenreparatur und den eingespielten Prozessen aus der Hagelschadeninstandsetzung will das PDR-Team mit Careoss ein neues Konzept in Deutschland etablieren. Erste Betriebe gehen ans Netz, weitere sollen folgen.

Internationalisierung als Firmen-Credo

Obwohl das PDR-Team nicht zu den absoluten Urgesteinen des deutschen Hagelgeschäfts zählt, sind die Zahlen, die das 2010 gegründete Unternehmen inzwischen vorweisen kann, mehr als beeindruckend: Man ist in zehn Ländern auf der ganzen Welt aktiv, wo man über 220 eigene Mitarbeiter und mehr als 350 zertifizierte Subunternehmer beschäftigt. Der im eigenen Haus entwickelte Hagelscanner Colibri hat inzwischen über 80.000 echte Hagelschäden und mehr als 15.000 Fahrzeugscans der Entwicklungsabteilung absolviert.

Damit wird die zugrunde liegende Datenbank und die darauf ­basierende KI von Tag zu Tag genauer. Für die Reparatur größerer Unfallschäden kann das PDR-Team auf 15 eigene Karosseriewerkstätten in vier Märkten und acht mobile Lackierkabinen zurückgreifen. Trotz fortschreitender Konzentration im deutschen und internationalen Hagelgeschäft gehört das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Mutlangen klar zu den Schwergewichten der Szene.

Einstieg in die Solvd Group

Seit diesem Jahr sind das PDR-Team und Careoss auch Bestandteile der Solvd Group, einem der weltweit führenden Unternehmen für digitales Schaden- und Reparaturmanagement im Kfz-Bereich. Innerhalb der Gruppe steuern die Mutlanger das bei, was digital allein nicht geht: Die physische Instandsetzung, vom Hagel-Großschadenereignis bis zur klassischen Unfallreparatur.


K&L Zentrum Careoss Süd – Eröffnung


Warum man sich dennoch dazu entschlossen hat, mit Careoss ein in Frankreich bereits erfolgreiches Konzept auch auf dem deutschen Markt zu etablieren, erklären die Geschäftsführer Nathanael Alain und Arthur Vogel im AUTOHAUS-Exklusivinterview.

AH: Herr Alain, mit der Eröffnung des K&L-Zentrums Careoss Süd haben Sie einen topmodernen Betrieb präsentiert, der neben der Reparatur von Hagelschäden auch auf klassische Unfallinstandsetzung ausgelegt ist. Warum ist dies aus Ihrer Sicht notwendig?

N. Alain: Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen sehen wir seit mehreren Jahren, dass die Beschädigungsbilder nach Hagelschlägen immer schwerer werden. Das klassische Dellendrücken ohne Lackieren reicht also in vielen Fällen einfach nicht mehr aus, um die Fahrzeuge zu reparieren. Dazu kommt, dass Elementarschäden, wenn wir jetzt nur von Deutschland sprechen, immer ein saisonales Geschäft bleiben werden. Als Unternehmer ist es deshalb unsere Aufgabe, im Sinne unserer Mitarbeiter auch für den Rest des Jahres für Auslastung zu sorgen. Nicht zuletzt kamen auch die Großkunden und Auftraggeber auf uns zu und haben um entsprechende Lösungen gebeten. Diese haben wir mit Careoss gefunden.

Fünf Standorte in Deutschland

AH: Herr Vogel, wie leistungsfähig wird der Betrieb in Schwäbisch Gmünd sein und was sind die weiteren Pläne mit Careoss in Deutschland?

A. Vogel: Unser Ziel war von Anfang an maximale Prozessgeschwindigkeit bei höchster Arbeitsqualität. Dies haben wir zusammen mit unseren namhaften Partnern wie Wolf Stahlbau, PPG, Car-O-Liner oder Beissbarth, um nur einige zu nennen, auf eindrucksvolle Weise geschafft. Da Schwäbisch Gmünd nahe an unserer Unternehmenszentrale liegt, haben wir hier sicherlich ein Vorzeigeobjekt realisiert. Das K&L-Zentrum ist auf drei Achterzüge pro Tag, also 24 Fahrzeuge ausgelegt – das heißt, wir wollen 500 Schäden im Monat und 6.000 pro Jahr reparieren. Durch den Aufbau einer zweiten Instandsetzungslinie, die bereits komplett vorbereitet und jederzeit realisiert werden kann, kann diese Kapazität buchstäblich verdoppelt werden. Und das alles in einem Betrieb, der neben funktionierenden Prozessen auch auf Nachhaltigkeit setzt: Wärmerückgewinnung, Photovoltaik, weitgehende Energieautarkie – all diese Zukunftsthemen haben wir in Rekordzeit gemeinsam umgesetzt.

N. Alain: Neben dem Zentrum hier in Schwäbisch Gmünd und Careoss Nord in Nienburg zwischen Hannover und Bremen sind noch drei weitere Standorte für die nähere Zukunft geplant. Einer möglichst zentral, also in der Region Kassel, einer im Westen und einer im Osten Deutschlands – wir wollen also auf jeden Fall Flächendeckung erreichen. In Frankreich gibt es Careoss bereits in zwölf Städten und auch in der Schweiz wurde ein Betrieb eröffnet. In Polen ist ein Standort in Planung. Mittelfristig soll die Kombination aus klassischer Unfallreparatur und Hagelschadeninstandsetzung in allen Märkten ausgerollt werden, in denen auch das PDR-Team vertreten ist. Wir denken also auch hier global.

Hightech-Unterstützung

AH: Welche Rolle werden KI und Digitalisierung bei Careoss spielen?

A. Vogel: Eine gewichtige. Unsere im eigenen Haus entwickelte Software WAP macht bereits heute den kompletten Schadenabwicklungsprozess für unsere Kunden transparent, sie können den jeweiligen Status ihres Schadens jederzeit einsehen. Ehrgeizige Kapazitätsziele wie die von uns eben skizzierten lassen sich zudem nur mit entsprechender Planungssoftware erreichen. Wir können auf einen Blick sehen, ob der Laden aktuell läuft. Je nach Verfügbarkeit der Mitarbeiter und Ersatzteile muss es jederzeit möglich sein, Kapazitäten so einzusetzen, wie es für den Gesamtablauf gerade am sinnvollsten ist. Schon heute können die Kunden unserer Auftraggeber zudem komplett KI-gestützt Termine über unsere Hotlines vereinbaren.

N. Alain: Die Möglichkeit, neben Hagelschäden bei den obligatorischen Ein- und Ausgangsscans auch klassische Unfallreparaturen über unsere Colibris  zu erfassen, wird zudem unsere Datenbanken jeden Tag weiter verbessern. Dies hilft bei der Genauigkeit unserer Schadenerkennungssoftware und allen Arbeitsschritten, die darauf basieren. Dafür sind die Scanner essenziell. Sie sind eine Eigenentwicklung, basieren auf 350.000 Zeilen Code und werden jedes Jahr besser. Diese Fortschritte werden sich mit jedem Careoss-Standort deutlich beschleunigen lassen und davon profitieren im Endeffekt alle unsere Auftraggeber.

AH: Herr Alain, Herr Vogel, vielen Dank für dieses Gespräch.

Statement Nathanael Alain "Im Sinne ­unserer Mitarbeiter müssen wir als Unternehmer auch außerhalb der ­Hagelsaison für bestmög­liche Auslastung sorgen. Dafür steht Careoss: Instandsetzen statt Erneuern, und das zwölf Monate pro Jahr." ©Foto: PDR-Team
Statement Arthur Vogel "Wir laden Sachverständigenorganisationen und Kfz-Versicherer herzlich ein, sich bei uns vor Ort selbst ein Bild über funktionierende, moderne Reparaturprozesse zu machen. Careoss ist vom Start weg ein offenes Konzept für alle." ©Foto: PDR-Team
Statement Michael Alain "Das grund­legende­ Careoss-Konzept aus Hagelschadeninstandsetzung und klassischer Unfallreparatur funktioniert in Frankreich schon sehr gut. Dort haben wir bereits ein Netzwerk aus zwölf Standorten aufgebaut." ©Foto: PDR-Team
Statement Eduard Schüle "Es gab bereits eine Vielzahl von Anfragen, unseren Colibri-Scanner zu mieten oder zu kaufen. Bisher setzen wir diesen nur für eigene Zwecke ein. Klar muss aber sein: Wo ein Colibri steht, setzen auch wir die Schäden instand." ©Foto: PDR-Team
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