Bosch gibt seinem größten Geschäftsfeld eine neue Struktur. Die Sparte Mobility soll in Deutschland aus der Robert Bosch GmbH herausgelöst und künftig als eigenständige Tochtergesellschaft innerhalb der Gruppe geführt werden. Damit will der Technologiekonzern und Autozulieferer Entscheidungen beschleunigen, näher an seine Kunden rücken und dem Mobilitätsgeschäft größere unternehmerische Spielräume verschaffen.

Die Neuordnung ist Teil eines größeren Konzernumbaus. Neben Mobility sollen auch die zentralen Servicebereiche Bosch Digital, Global Business Services und Global Real Estate in Deutschland zu jeweils eigenständigen GmbHs innerhalb der Bosch-Gruppe werden. Die Gesellschaften bleiben vollständig im Besitz von Bosch.

Mehr Freiheit für Bosch Mobility 

Für das automobile Kerngeschäft ist der Schritt besonders weitreichend. Bosch Mobility soll seine Aktivitäten künftig stärker integrieren und bereichsübergreifend steuern. Nach Unternehmensangaben sollen dadurch Prozesse schlanker und Entscheidungen schneller werden. Finanzmittel könnten zudem gezielter in Innovationen und Wachstumsfelder fließen.

Gleichzeitig sieht Bosch in der neuen Struktur größere Spielräume für strategische Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle. Der Konzern reagiert damit auch auf ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld und wachsenden Wettbewerbsdruck. 

"Wir starten aus einer Position der Stärke. Doch um langfristig führend zu bleiben, müssen wir uns konsequent an neuen Kundenanforderungen, Märkten und dem Wettbewerb ausrichten", sagte Markus Heyn, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility, am Donnerstag in Stuttgart. 

"Taktgeber der Automobilbranche" 

Von der neuen Eigenständigkeit verspricht sich Bosch vor allem mehr Geschwindigkeit. "Wir können künftig noch näher am Kunden agieren, stärker als eine Einheit handeln und schneller Veränderungen in einer der anspruchsvollsten Industrien der Welt gestalten. Wir wollen weiterhin Taktgeber der Automobilbranche sein. Das erfordert Tempo, Klarheit und unternehmerische Entschlossenheit – und das haben wir", erklärte Heyn.

Die wirtschaftliche Bedeutung für Bosch ist enorm: Der Bereich erzielte 2025 einen Umsatz von 55,8 Milliarden Euro und steuerte damit rund 60 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Auch nach der rechtlichen Verselbstständigung bleibt Mobility der größte Unternehmensbereich des Konzerns.

Konkurrenz aus Asien erhöht den Druck 

Hinter dem Umbau steht zugleich der Anspruch, den Gesamtkonzern schneller und wettbewerbsfähiger zu machen. Bosch-Chef Christian Fischer verwies dabei ausdrücklich auf die veränderten Kräfteverhältnisse in den Märkten: "Das Umfeld in unseren Märkten wird anspruchsvoller. Neue Konkurrenten, vor allem aus Asien, erhöhen den Wettbewerbsdruck. Für uns bei Bosch heißt das: Wir müssen Innovationen noch schneller in den Markt bringen, Strukturen und Prozesse spürbar vereinfachen und insgesamt noch mehr Tempo machen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu behaupten." 

Bosch will mit der Neuordnung zudem seine Ertragskraft nachhaltig verbessern und technologische Entwicklungen weiterhin aus eigener Kraft finanzieren können. Bereits heute bestehen für die unterschiedlichen Geschäfte in den Bereichen Industrial Technology, Consumer Goods und Energy and Building Technology eigene Tochtergesellschaften.

Zentrale gibt Verantwortung ab 

Mit der neuen Rechtsstruktur verändert sich auch das Verhältnis zwischen Konzernzentrale und operativem Geschäft. Die Tochterfirmen sollen größere unternehmerische Handlungsspielräume erhalten. Die Zentrale soll sich dagegen stärker auf strategische Aufgaben konzentrieren.

"Mit der nun geplanten Neuordnung unserer Unternehmensstrukturen schaffen wir die Voraussetzungen, dass jede Geschäftseinheit ihr volles Potenzial entfalten kann – mit größerem unternehmerischen Handlungsspielraum, kurzen Entscheidungswegen und nah am Kunden", betonte Fischer.

Die Robert Bosch GmbH soll künftig vor allem die Unternehmenszentrale sowie die zentrale Forschung und Vorausentwicklung umfassen. Dort sind derzeit mehr als 3.000 Menschen beschäftigt. 

Rund 62.500 Beschäftigte betroffen 

Die Dimension des Umbaus zeigt sich auch bei den Beschäftigten. Rund 62.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland sollen in die neuen Tochtergesellschaften wechseln. Der größte Teil davon arbeitet im Mobility-Bereich. Die bestehenden Arbeitsverträge sollen auf die neuen Gesellschaften übergehen.

Bosch plant, die Weiterentwicklung der Konzernstruktur schrittweise bis Ende kommenden Jahres umzusetzen. Die neuen Rechtseinheiten sollen am 1. August 2027 ihre operative Arbeit aufnehmen.

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