Eine schöne Homepage reicht nicht mehr. Das wurde bei der zehnten Verleihung des Digital Dealer Performance Awards (DDPA) in der Mainzer Lokhalle sehr deutlich. Wer im digitalen Wettbewerb vorne mitspielen will, muss nicht nur in der klassischen Google-Suche sichtbar sein, sondern von generativen KI-Systemen als relevanter Anbieter erkannt werden und den Kunden anschließend auf den eigenen digitalen Kanälen möglichst konsequent bis zur Fahrzeuganfrage oder zum Werkstatttermin führen. Der Wettbewerb hat sich damit von einem Website-Ranking zu einem Gradmesser für die digitale Wettbewerbsfähigkeit des Handels entwickelt.

KI verändert die Spielregeln

Dass sich Digitalisierung längst von der Website in die gesamte Organisation verlagert hat, zeigte bereits die Podiumsdiskussion. Unter der Überschrift "KI führen, nicht nur einführen" diskutierte Steven Zielke, Geschäftsführer der mobilApp GmbH, mit Christopher Geyer (Seitz Gruppe), Alexander Kropf (Glinicke Gruppe) und Andreas Weeber vom Autohaus Weeber. Die zentrale Erkenntnis: KI ist kein zusätzliches Softwaretool, das man einfach über vorhandene Strukturen stülpen kann. Ohne saubere Daten, durchgängige digitale Prozesse und eine Organisation, die Veränderungen zulässt, bleibt ihr Nutzen begrenzt. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihren Mitarbeitern Freiraum zum Experimentieren geben – ohne Datenschutz, Prozesssicherheit und Governance aus der Hand zu geben.

Google allein reicht nicht mehr

Wie stark sich diese Entwicklung auf den DDPA auswirkt, erläuterte anschließend Steven Zielke, Founder von MobilApp und Entwickler des Index. Ausgangsbasis sind rund 14.000 Händlerpräsenzen, die in der SEO-Betrachtung berücksichtigt werden. Für die vertiefte Analyse wurden 4.233 Autohäuser untersucht. Pro Website fließen 88 Kriterien ein. Hinzu kommen rund 40 Millionen Google-Suchanfragen pro Jahr sowie 1.000 Kundenfragen mit Bezug zu 1.000 Städten und 20 Marken.

Die eigentliche Zäsur steckt jedoch in der Gewichtung: Der klassische Digital-Score der Website macht 20 Prozent des Gesamtergebnisses aus. Jeweils 40 Prozent entfallen auf SEO- und GEO-Score. Letzterer misst, ob eine KI das Autohaus bei typischen Kundenfragen überhaupt nennt. Damit hängen inzwischen 80 Prozent des Gesamtscores an der Auffindbarkeit über Google und generative KI. Aus der alten Frage "Findet mich Google?" wird deshalb zunehmend eine zweite: "Kennt mich die KI?"


Digital Dealer Performance Award 2026 - Preisverleihung in Mainz


Senger sichert sich die Krone

Die überzeugendste Antwort lieferte 2026 die Senger Gruppe. Diesmal schaffte es die Handelsgruppe im Gesamtranking auf Platz eins. Dahinter folgen die Cloppenburg Automobil SE und Volkswagen Automobile Berlin. Für Senger nahmen Vanessa Tscholl, Director Marketing & Communication, Carsten Morgenstern, Head of Digital Marketing, und Joscha Behrens, Performance Marketing Manager, die Auszeichnung entgegen. Hinter dem Erfolg steckt mehr als eine optimierte Website. Senger hat Marketing und Kommunikation in den vergangenen Jahren neu aufgestellt, digitale Expertise aufgebaut und verfolgt eine klare One-Channel-Strategie. Statt zahlreicher isolierter Standort-Websites werden zentrale Kompetenzen in Marketing, CRM und IT gebündelt. Eine intelligente Filtersuche soll Kunden gezielt zum richtigen Angebot und Standort lotsen. Die Betriebe können sich damit stärker auf Beratung und Kundenbetreuung konzentrieren.

Auch bei KI setzt der DDPA-Sieger auf eigene Strukturen. Eine geschützte LLM-Plattform, interdisziplinäre Competence Teams und "KI-Champions" sollen Anwendungen entlang der Customer Journey entwickeln, ohne beim Datenschutz Abstriche zu machen.

Digitale Stärke muss sich rechnen

Dass digitale Performance am Ende auch eine betriebswirtschaftliche Größe ist, machte die zweitplatzierte Cloppenburg Gruppe deutlich. Ihr Ziel: mehr eigene Leads und niedrigere Cost-per-Lead. Die eigene Website soll die Abhängigkeit von großen Fahrzeugbörsen verringern. Laut Vorstandschef Bart Gerris und Online Marketing Manager Paul Paefgen ist es inzwischen gelungen, durch eigene Media-Maßnahmen mehr Leads zu generieren als über die Börsen. Dafür wird kontinuierlich in Web-Technik und mobile Optimierung investiert. Die Botschaft an den Handel ist damit bemerkenswert nüchtern: Eine leistungsfähige eigene digitale Plattform kostet Geld. Sie kann aber gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Plattformen und deren steigenden Kosten reduzieren.

Auf Platz drei landete Volkswagen Automobile Berlin. Dort steht weniger die Optimierung auf Rankings als die konsequente Ausrichtung am Kunden im Mittelpunkt. Marketing, Leadmanagement und Kundenkontaktmanagement arbeiten eng mit Vertrieb und Verkaufsleitung zusammen, wie Dirk Stegmann, Vertriebsleiter Marketing und Online-Business und Maria Wessel, Teamleitung Marketing, erklärten. Außerdem habe man Spezialwissen etwa für SEA und Social Media bewusst im eigenen Unternehmen aufgebaut.

Hinter dem Spitzentrio folgten weitere bekannte Handelsgruppen. Weller belegte Platz vier, Glinicke Platz fünf. In den Top Ten finden sich außerdem Auto Levy, BMW Rhein, BMW München, Sternauto und Dello. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn sichert sich mit seiner Autohaus-Liebe-Gruppe Platz 15. VAD-Präsident Burkhard Weller freute sich mit Tochter Emma und Strategiemanager Mattheus Maier über Platz vier. Die Pokale und Urkunden überreichten Ralf Breisch, Leiter Vertrieb Retail, und Carolin Ruopp, Marketingleitung Bereich Mobilität, beide TÜV SÜD. Die Moderation übernahm AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel.

Erfolg ist nur eine Momentaufnahme

Gerade zum zehnten Geburtstag zeigt der DDPA damit, wie schnell sich die Maßstäbe verschieben. Einige Branchengrößen, die in früheren Jahren zur Spitzengruppe gehörten, schafften es mit der weiterentwickelten Messung diesmal nicht mehr in die Top 20. Das macht den Wettbewerb vielleicht aussagekräftiger als je zuvor. Digitale Exzellenz ist kein Pokal, den man einmal gewinnt und anschließend in die Vitrine stellt. Algorithmen ändern sich, KI verändert die Suche, Kundenerwartungen steigen und Vertriebskanäle verändern sich.

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