Wenn große Auktionshäuser, aber zunehmend auch regionale Player, heute auf gute Geschäfte hoffen, setzen sie nicht mehr nur auf Kunst. Sie versteigern Uhren und Schmuck, Weine und Design. Nicht aus Liebe zur Grenzüberschreitung, sondern aus ökonomischer Vernunft. Denn Luxusgüter bieten das, was die Branche derzeit dringend braucht: Verlässlichkeit.
Das Luxussegment dient längst nicht mehr bloß als Ergänzung, sondern als Stabilisator – und womöglich als Wachstumsmotor. Es ist planbarer und krisenfester als der Markt für klassische Kunst, der unter einem knapper werdenden Angebot höchster Qualität leidet, während die Weltwirtschaft insgesamt unter geopolitischer Unsicherheit ächzt.
Selbst ultra-vermögende Käufer im Hochpreissegment agieren vorsichtiger. Mit jüngeren Kunden teilen sie jedoch eine Haltung: Sie unterscheiden immer weniger zwischen E und U, zwischen Fine Art und Luxusobjekt, sondern investieren in ikonische Stücke mit Geschichte. Die Auktionshäuser folgen dieser Logik.
Sotheby’s etwa vermeldete für 2025 ein „Luxus-Rekordjahr“. Der Unternehmensumsatz von sieben Milliarden Dollar sei Steigerung von 17 Prozent gegenüber dem Jahr 2024. Der Umsatz mit globaler Kunst sei um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar gestiegen und der Umsatz mit Luxusgütern sogar um 22 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar gewachsen, „womit die Sparte das vierte Jahr in Folge über 2 Milliarden Dollar lag“. 29 Prozent der Bieter im Luxus-Segment seien unter 40 Jahre alt.
Als zum Jahresende „Hippopotame Bar“ von François-Xavier Lalanne bei Sotheby’s für 31,4 Millionen Dollar – bei einem Schätzwert von sieben bis zehn Millionen Dollar – versteigert wurde, war das nicht nur ein Rekord, sondern ein Lehrstück jener Logik. Die Hausbar in Gestalt eines Bronze-Flusspferds ist gleichzeitig einzigartiges Designobjekt, künstlerische Skulptur, kurioses Artefakt mit bester Provenienz, luxuriöser Blickfang – und ein garantiertes Gesprächsthema. All das sind Argumente dafür, dass „Hippo“ auch eine verlässliche Wertanlage ist.
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