Generationen sind mit den drei Detektiven aufgewachsen, die im fiktiven kalifornischen Rocky Beach geheimnisvolle Kriminalfälle aufklären. Generationen verbinden mit den „Drei ???“ vor allem drei eingängige Stimmen, allen voran das Organ von Oliver Rohrbeck. Seit 1979 spricht er – scheinbar ohne hörbare Alterserscheinungen – den Justus Jonas in den Hörspielen nach den Jugendbüchern. Den Schauspielern der aktuellen Filmreihe kann man dagegen beim Altern zusehen. Was durchaus seinen Reiz hat.
In den vergangenen Jahren konnte man etwa bei „Stranger Things“ verfolgen, wie aus den von Monstern geplagten Schülern einer 1980er-Jahre-High-School in Wirklichkeit Teenager und bald junge Erwachsene wurden – unter gleichbleibenden Topfhaarschnitten und Dauerwellperücken. Spätestens im großen Finale der Netflix-Erfolgsserie wirkte das unfreiwillig komisch. Auch Justus Jonas (erster Detektiv), Peter Shaw (zweiter Detektiv) und Bob Andrews (Recherchen und Archiv) sind schon mit ihrem dritten Kinoabenteuer „Die drei ??? – Toteninsel“ aus ihren Rollen beinahe rausgewachsen. Was ein bisschen schade ist.
Denn es war höchste Zeit, dass die drei Detektive mit „Erbe des Drachen“ (2023) endlich wiedererkennbare Gesichter bekamen (nichts gegen die großen Akustiker Rohrbeck und Konsorten). In den 2000er-Jahren war es bei zwei eher glücklosen Filmversuchen geblieben. Julius Weckauf, bekannt aus „Der Junge muss an die frische Luft“, in dem er den jungen Hape Kerkeling spielte, gibt seitdem den neunmalklugen Chefermittler. Nevio Wendt füllt die schwierige Rolle des „Zweiten“, der sportlich, aber zugleich hasenfüßig ist. Und Levi Brandl verkörpert den bebrillten Nerd, der im Trio gleichwohl unverzichtbar ist.
Mit Jördis Triebel und Florian Lukas (als Tante Mathilda und Onkel Titus vom Schrottplatz), Gästen wie Gudrun Landgrebe und Mark Waschke im ersten Film und Sunnyi Melles und Ulrich Tukur im zweiten Teil, der Verfilmung der bekannten „Karpatenhund“-Geschichte war und ist die Cast bis in die Nebenrollen solide besetzt.
Umso bedauerlicher ist es, dass aus dem Potenzial des Personals – und zunehmend auch aus den jeweiligen Plots – zu wenig gemacht wird. Bei „Stranger Things“, dessen Geschichte lange vor dem Ende der fünften Staffel auserzählt war, konnte zumindest die Entwicklung der Figuren noch fesseln. Justus, Peter und Bob haben bisher kaum Raum bekommen, ihre Persönlichkeit herauszubilden, geschweige denn sich von der literarischen Vorlage zu emanzipieren. Die Chance, drei Jugendliche bei der Charakterbildung zu begleiten, verschenken die Filme trotz der überzeugenden Darsteller.
Stattdessen scheinen sich Drehbuchautor Anil Kizilbuga und Regisseur Tim Dünschede zu eng an den Buchvorlagen orientiert zu haben, deren Autor André Marx auch dramaturgisch beriet. Dadurch tritt erneut zutage, was den Detektivdreierbund schon immer prägte: etwas Steifes, Verkrampftes und Hierarchisches. Schlaumeier Justus steht natürlich im Mittelpunkt, weil er am Ende den Fall löst – und dabei alle nervt, weil er so geschwollen daherdoziert. Peter und Bob beginnen zwar ihm schnippisch Paroli zu bieten, denn eigentlich möchten die drei gerade zu einem Roadtrip aufbrechen, um so etwas wie gemeinsam erwachsen zu werden. Doch ein mysteriöser Anruf kommt dazwischen: ein neuer Fall.
Die drei ??? stoßen auf eine skrupellose Geheimorganisation, die illegale archäologische Ausgrabungen betreibt, und gehen dabei ihrem Erzfeind Skinny Norris (Filip Schnack) auf den Leim. Schließlich wird einer der Detektive auf die titelgebende Insel entführt, auf der ein Fluch liegen soll: Niemand, der sie betritt, kehre lebendig zurück.
Sie kehren zurück – so viel sei verraten –, doch eigentlich sind sie keinen Schritt weiter. Bob darf zarte Bande zu einem Mädchen knüpfen, verliert sich dann aber doch wieder in Webrecherchen statt in Gefühlen. Peter darf kurz seine Muskeln spielen lassen, wird jedoch rasch vom Intellekt des Anführers in die Schranken gewiesen. Und auch Justus bleibt, abgesehen von ein paar Eifersuchtsanwandlungen gegenüber Bobs smartem Crush (Momo Beier als die im Rollstuhl sitzende Hackerin Jelena Charkova), gefangen in der kindlichen Pose eines Wannabe-Sherlocks.
Die in Büchern und Hörspielen meist nur angedeuteten Spannungen zwischen den drei Freunden – statt nur „Kollegen“ – wären es wert gewesen, endlich einmal ausgespielt zu werden. Die dünne Geschichte von der Toteninsel trägt das jedoch nicht. Ob es zu einer Fortsetzung kommt? Die Darsteller dürften in jeder Hinsicht inzwischen dafür zu erwachsen sein.
„Die drei ??? – Toteninsel“, ab 22. Januar 2026 im Kino
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