Das ZDF kommt nach der Affäre um KI-Bilder im „heute journal“ nicht zur Ruhe. Wie der „Spiegel“ berichtet“, stellen sich im Intranet des Senders mehrere hundert Mitarbeiter gegen den unbekannten Kollegen, der offenbar eine interne Krisensitzung mitgefilmt und unerlaubt weitergegeben hat.
Hubert Krech, Mitglied des Personalrats, wandte sich in einem Kommentar an den anonymen Denunzianten. „Du hältst Dich für einen Helden, weil Du es dem ZDF und den Chefs mal ‚so richtig gezeigt hast‘? Hast Du das wirklich?“, schrieb Krech. Fast 600 Mitarbeiter gaben dem Text einen Like, ein Rekord im ZDF-Intranet.
Die Aufnahmen aus der internen Betriebsversammlung landeten beim Portal „Nius“, das Auszüge daraus veröffentlichte. Zu sehen waren unter anderem ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten und Washington-Korrespondent Elmar Theveßen.
In seinem Kommentar schrieb Krech: „Zumindest hast Du Leute mit Infos gefüttert, die nur ein Ziel haben: ARD und ZDF zu schaden. Gleichzeitig hast Du Tausenden von Kolleginnen und Kollegen ins Gesicht gespuckt. Kollegen, die vielleicht seit Jahren oder Jahrzehnten neben Dir sitzen, mit Dir arbeiten und lachen und weinen und Frust schieben und sich freuen. Vor allem hast Du Kolleginnen und Kollegen (...) Portalen preisgegeben, die einen Krieg gegen uns führen.“
Und weiter: „Ich glaube, Du bist für diejenigen, die uns zerstören wollen, nur ein ‚nützlicher Idiot‘. Du wirst benutzt, um uns zu schaden.“
„Tragweite spät erkannt“, räumte die ZDF-Chefredakteurin ein
Bei der jüngsten Affäre ging es um die Verwendung eines nicht gekennzeichneten, KI-generierten Fake-Videos in einem „heute journal“-Beitrag vom 15. Februar über Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE. New-York-Studioleiterin Nicola Albrecht hatte zudem älteres Archivmaterial eingebaut, das in keinem Zusammenhang mit den ICE-Einsätzen stand.
Das ZDF entschuldigte sich tags darauf im „heute journal“ bei seinen Zuschauern und berief Albrecht zudem als Korrespondentin in New York ab.
Zudem kündigte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten Ende Februar an, interne Prüfprozesse zu intensivieren: „Die Sensibilität muss gesteigert werden“, sagte Schausten der „Süddeutschen Zeitung“. Sie sehe aber auch eine Chance darin, „dass wir jetzt noch am Beginn des medialen KI-Zeitalters so einen Wirkungstreffer bekommen haben“.
Selbstkritisch bewertete Schausten den Umgang ihres Senders mit der Affäre. In der Kommunikation des ZDF zu dem Fall sei „die Tragweite des Themas spät erkannt“ worden, sagte sie. „Wir sind beschädigt, aber auch klüger.“
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