Hella von Sinnen stellt nach Dieter Nuhrs Aussagen über Gewalt gegen Frauen dessen Verbleib im öffentlich-rechtlichen Rundfunk infrage. „Jedes Jahr werden an die 350 Frauen von ihren Männern ermordet – und er sagt das? Was ist das für eine unfassbare Unverschämtheit von Nuhr? Was ist das für eine unfassbare Verniedlichung von Femiziden und Verleugnung dieses Frauenhasses? Ich finde das wirklich unglaublich. Ich bin gespannt, ob Herr Nuhr seinen Job bei der ARD behält“, sagte die Entertainerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).
Nuhr hatte mit Äußerungen in der „Nuhr im Ersten XXL“-Sendung vom 18. Juni eine Debatte ausgelöst. „Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage“, hatte der Kabarettist darin gesagt. „Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“
„Alle fanden das irgendwie normal“
In der Diskussion um Thomas Gottschalks Umgang mit Frauen fand die 67-Jährige abwägende Worte: „Thomas Gottschalk wollte nur spielen. Der wusste, dass er ein gutaussehender charming boy ist, und er hatte kein Regulativ. Beim ZDF hat ihm niemand gesagt: ‚Mensch, Tommy, lass mal.‘“
Dass Sexismus im Fernsehen der 1980er- und 1990er-Jahre immer wieder an „Wetten, dass..?“ festgemacht werde, erklärte von Sinnen mit Gottschalks enormer Popularität: „Thomas Gottschalk war der Beliebteste. Und wir alle haben es ihm nachgesehen. Alle fanden das irgendwie normal. Ich unterstelle ihm noch nicht mal Frauenfeindlichkeit oder Sexismus. Er war all die Jahre mit seiner superstarken Thea zusammen.“
Hella von Sinnen und Thomas Gottschalk in einer Szene des Films „Was haben wir gelacht“, der im Herbst in die Kinos kommtVon Sinnen schilderte auch eigene Erfahrungen mit Frauenhass: „Hasspost gab es auch. Man sah dann schon am Schriftbild, dass jetzt was ganz Armseliges kommt: ‚Frau von Sinnen, Ihre Fotze müsste man mit Teer zugießen.‘“
Sie selbst sei aber schon immer selbstbestimmt aufgetreten und habe dabei auch bewusst ihre Sexualität zum Thema gemacht: „Das war ja die Provokation: dass ich eine dicke, lesbische Frau war, die offensichtlich guten Sex hatte. Und die mit Frauen ins Bett gehen konnte, die für viele Männer unerreichbar waren. Ich war nie entsexualisiert.“
Von Sinnen forderte Männer auf, Verantwortung zu übernehmen: „Es gibt sie, die guten Männer, und ich freue mich darüber. Aber im Moment wird der Faschismus wieder beliebter und da fragen sich Männer eben wieder: Wie kann ich endlich wieder ‚männlich‘ sein? Wie kann ich meine Frau an den Herd zurückbringen? Möchte man bei sowas dazugehören? Diese Fragen müsst ihr Jungs euch stellen, und dann bitte selbst den Arsch hochkriegen. Das müssen wir nicht auch noch tun.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.