In dieser Umgebung, zwischen den schmucklosen Lochfassaden der Gabelsbergerstraße in der Münchener Maxvorstadt, wo seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Baulücke klaffte und zuletzt Autos parkten, wäre es ein Leichtes gewesen, einfach nur angenehm aufzufallen. Doch dieses Gebäude will mehr. Es irritiert.

Mit seinem Lamellenschleier aus edel verrostetem Cortenstahl wirkt das Haus abwehrbereit und hermetisch. Es leuchtet ein wenig angeberisch von innen aus dem Rundum-Gitter heraus, ohne gleich alles von sich preiszugeben. Und das soll eine „Kinderoase“ sein? Manche werden eher an einen Kinderknast denken.

Aber hier, an der Technischen Universität München, wird niemand inhaftiert. Wahrscheinlicher ist, dass die 60 Plätze in der neuen Kindertagesstätte begehrter sein werden, als es die Demografie einer zunehmend geburtenschwachen Gesellschaft erwarten lässt. Der burkinisch-deutsche Architekt Francis Kéré hat die Kita als Ort des Spiels entworfen, der den Kindern keine starren Vorschriften auferlegt und ihre Phantasie freimacht; dessen Architektur ihre Kreativität bei der Aneignung des Hauses fördern soll. Ein solcher Raum, wenn er denn in seinem hohen Anspruch gelingt, darf mindestens durch Gitter geschützt werden.

Kita „Kinderoase“ an der TU MünchenFrancis Kéré bei der Eröffnung im Juli 2026

Francis Kéré, geboren 1965 in Gando, im damaligen Obervolta, wurde in Deutschland bekannt als Architekt des Operndorfs Afrika in Burkina Faso, das auf eine Idee Christoph Schlingensiefs zurückgeht. Im Jahr 2022 erhielt er den Pritzker-Preis, der als Nobelpreis der Architektur gilt. Die Kinderoase der TUM ist sein Debüt für ein dauerhaftes Bauwerk in Europa. Zuvor baute er etwa einen temporären Pavillon für die Serpentine Gallery in London.

„Dieses Projekt sollte mein erstes Gebäude in Deutschland werden“, erklärt Kéré in seinem Buch „Building Stories“, das sein gesamtes Werk – darunter Schulen, Gemeinschaftszentren, aber auch Parlamentsgebäude für Benin und Burkina Faso sowie ein Kunstmuseum in Las Vegas – und seine Entwurfsphilosophie als reich bebilderte Ich-Erzählung vorstellt (Taschen Verlag, 444 Seiten, auf Englisch). „Ich wollte keine Kompromisse bei den Werten eingehen, die meine Arbeit seit jeher geleitet haben: Nachhaltigkeit, Standortbezogenheit und Menschlichkeit.“

Hinter der zunächst abweisend erscheinenden Stahlhülle verbirgt sich übrigens eine Holzkonstruktion, die mit Ausnahme der Fundamente und des Fluchttreppenhauses ohne Beton auskommt und auf regionale Hölzer zurückgreift. Das Bauen mit Holz erfordere „jedoch die Einhaltung strenger deutscher Normen in Bezug auf Energieeffizienz, thermischen Komfort, Brandschutz und Akustik“, so Kéré, weshalb das Gebäude in enger Zusammenarbeit mit Hermann Kaufmann entstand, dem langjährigen Professor für Holzbau an der TUM.

Holz habe aber auch einen sinnlichen Charakter, wie er Kérés Entwürfe zumeist auszeichnet. Für eine Kindertagesstätte habe sich das Naturmaterial förmlich aufgedrängt: „Seine Wärme, seine Stille, sein Duft und seine Weichheit machen es zu einem idealen Material für kleine Menschen, die die Welt entdecken.“ Und so sind sogar die Tunnelrutschen, die fünf Etagen zum „vertikalen Spielplatz“ à la Francis Kéré verbinden, aus Holz gefertigt. Trotzdem: Selten wirkte eine Neubaukita so wenig niedlich.

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