Karten für das Konzert des Sängers Marko Perkovic alias „Thompson“ am 13. November in Frankfurt am Main sind kaum noch zu bekommen. Umstritten ist sein Auftritt dennoch. Abgeordnete der Grünen, der Linken und der CDU im Frankfurter Rathaus wollen das Konzert des Sängers verhindern, dessen Künstlername sich vom Modell seiner im Jugoslawienkrieg verwendeten Maschinenpistole ableitet. Perkovic ist in Kroatien ein Star.
Thompson stehe seit Jahren wegen nationalistischer und faschistischer Symbolik bei seinen Auftritten in der Kritik, sagen die Fraktionsvorsitzende der Linken, Daniela Mehler-Würzbach, und der Stadtverordnete Benjamin Alicic. Sein populärer Hit „Batallion von Cavoglave“ etwa beginne mit den Worten „Za dom spremni“ („Bereit für die Heimat“), dem Gruß des faschistischen Ustascha-Regimes (1941-1945). Dieses sei für die „systematische Verfolgung und Ermordung“ von Serben, Juden, Roma und Sinti sowie politischer Gegner verantwortlich.
Auch Bezüge zu einem „Großkroatien“ fänden sich immer wieder in Thompsons Liedern. „Diese Ideologie steht historisch für Gebietsansprüche gegenüber Bosnien und Herzegowina und ist untrennbar mit einer Politik verbunden, die die bosniakische Bevölkerung verdrängen will und ihre eigenständige politische und nationale Existenz leugnet“, sagt Alicic.
Linke appelliert daran, „ethnonationalistischem Hass keine Bühne zu geben“
Der Auftrittsort, die Jahrhunderthalle in Frankfurt, wird privat betrieben. Das allerdings entbinde nicht von politischer Verantwortung, sagt Mehler-Würzbach. Sie appelliert an die Verantwortlichen der Jahrhunderthalle, „faschistischer Symbolik und ethnonationalistischem Hass keine Bühne zu geben“.
Abgeordnete der Grünen schließen sich dem Appell an. Die Kritik richte sich nicht gegen Kroatien oder Menschen mit kroatischen Wurzeln, sondern gegen die Verherrlichung des faschistischen Ustascha-Regimes, erklärt Emre Telyakar, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen: „In Frankfurt leben Menschen aus allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens friedlich zusammen, darunter viele, deren Familien Krieg, Verfolgung und Vertreibung erlebt haben. Sie können von uns erwarten, dass wir der Normalisierung dieser Geschichte, die im engen Zusammenhang mit dem deutschen Nationalsozialismus steht, entschieden entgegentreten.“
Auch die CDU äußerte sich kritisch zum geplanten Auftritt. „Kunstfreiheit ist ein hohes Gut, aber sie darf nicht als Freibrief für die Verherrlichung faschistischer Symbolik verstanden werden – ich erwarte daher eine klare Haltung und alle rechtlich möglichen Schritte gegen diesen Auftritt“, so der Stadtverordnete Christian Becker.
Die Betreiber der Jahrhunderthalle teilten auf eine Anfrage von „Hessenschau“ mit, dass eine Absage derzeit nicht im Raum stehe.„Selbstverständlich prüfen wir im Vorfeld einer solchen Veranstaltung und auch anschließend, ob das Programm oder die Inhalte im Rahmen des geltenden Rechts stattfinden, also keine verfassungsfeindlichen oder strafrechtlich relevanten Inhalte konkret zu erwarten sind oder sonstige Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung drohen“, hieß es. Aktuell gäbe es dahingehend aber keine konkreten Erkenntnisse.
Soziologe sieht „kluges taktisches Doppelspiel“
Dass „Thompson“ seit Jahren immer wieder auch in Deutschland auftreten könne, habe mehrere Gründe, sagt der Soziologe Jakob Schergaut vom Projekt „Geschichte statt Mythen“ der Universität Jena, das sich gegen Geschichtsrevisionismus wendet: „Das, was er sagt und was er tut, ist nach deutschem Recht nicht strafbar.“ Weder Symbolik noch Losungen der Ustascha seien in der Bundesrepublik verboten, anders als in Österreich. Zudem betreibe der Künstler seit Jahren ein „kluges taktisches Doppelspiel“. Öffentlich erkläre er immer wieder, er beziehe sich nicht auf die mit Nazi-Deutschland verbündeten kroatischen Faschisten, sondern auf die kroatische HOS-Miliz aus der Zeit der Jugoslawienkriege. Die jedoch stehe wiederum klar in der Tradition der Ustascha.
Das Wissen um den kroatischen Faschismus und dessen Symbole sei in Deutschland bislang nicht weit verbreitet, bedauert Schergaut. Zudem würden positive Bezüge zur Ustascha oft verharmlost: „Da heißt es dann, die Kroaten sind halt etwas patriotischer.“ Zugleich räumt auch der Jenaer Wissenschaftler ein: Nicht alle Konzertbesucher hätten eine rechtsradikale Gesinnung.
„Thompson“ bekam in Deutschland bereits in der Vergangenheit Gegenwind zu spüren: Ein Konzert in Berlin wurde nach Protesten abgesagt. Die Stadt Essen ließ den Kroaten hingegen 2014 in der städtischen Eissporthalle auftreten, weil eine Kündigung des Vertrags nicht möglich gewesen sei. Allerdings sei eine Vereinbarung getroffen worden, wonach die Musiker mit Vertragsstrafen rechnen mussten, sollten sie in Deutschland verbotene Symbole, Texte oder Aussagen verwenden.
Nach Überzeugung des Soziologen Schergaut können Kommunen sehr wohl Wege finden, um solche Auftritte zu verhindern. In jedem Fall gebe es Möglichkeiten einzuschreiten, wenn Fans – wie bei Konzerten durchaus üblich – den rechten Arm zum faschistischen Gruß nach oben streckten.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.