Philipp Otto Runge gilt neben Caspar David Friedrich als bedeutendster Maler der Frühromantik. In Hamburg, wo der gebürtige Wolgaster seit 1795 lebte, wird sein 250. Geburtstag im kommenden Jahr groß gefeiert. Die Hamburger Kunsthalle widmet Runge unter dem Titel „Romantisch. Radikal. Modern“ ab dem 17. September 2027 eine umfassende Ausstellung.

Sozusagen als ein vorgezogenes Geschenk zum Jubiläum konnte das Museum nun den Ankauf einer Zeichnung verkünden, die Runge 1801 mit schwarzer und weißer Kreide auf braunem Papier von einem seiner Brüder anfertigte. Dabei handelt es sich nach Angaben der Hamburger Kunsthalle „wahrscheinlich“ um Jakob Friedrich Runge, der in der vorpommerschen Heimat lebte, während Philipp Otto seinem ältesten Bruder Johann Daniel an die Elbe gefolgt war.

Das 52 mal 40 Zentimeter messende Blatt gehört zu einer Reihe von Porträtzeichnungen, die Runge als Vorstudien für ein monumentales Wandbild im Wolgaster Haus seines Bruders anfertigte. Das Familienbild mit dem Titel „Heimkehr der Söhne“ wurde jedoch nie ausgeführt. Weitere Studien zu dem Projekt befinden sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart und im Kupferstichkabinett Berlin.

Ein großer Teil von Philipp Otto Runges Werk wird in der Hamburger Kunsthalle aufbewahrt. Der Neuzugang wurde maßgeblich durch die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Campe’sche Historische Kunststiftung ermöglicht; „der Ankauf erfolgte aus einer Düsseldorfer Privatsammlung“. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Philipp Otto Runge, „Bildnis des Bruders Jakob (Bildnisstudie für die ‚Heimkehr der Söhne‘)“, 1801

Die Zeichnung war zuletzt im Herbst 2023 im Kunsthandel aufgetaucht. Das Berliner Auktionshaus Grisebach bot sie aus einer Sammlung im Rheinland in der Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ an, in der auch Caspar David Friedrichs „Karlsruher Skizzenbuch von 1804“ versteigert werden sollte. Dieses konnte trotz Zuschlag zunächst nicht verkauft werden, nachdem es unter nationalen Kulturgutschutz gestellt worden war. Auch die Runge-Zeichnung wurde damals nicht versteigert.

Sie war von Grisebach vor drei Jahren als „eine der letzten großformatigen Zeichnungen des Künstlers in Privatbesitz“ annonciert und auf 250.000 bis 350.000 Euro taxiert worden. Mit einem Schlussgebot von 230.000 Euro erreichte die Zeichnung den Schätzwert nicht und ging an den Eigentümer zurück.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.