Der ehemalige NDW-Musiker Joachim Witt warnt vor gesellschaftlichen Konflikten durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Im Gespräch mit WELT und ROLLING STONE für das Format „MusikerGrillen“ äußert der Musiker die Sorge, dass Menschen durch KI ihre Arbeit verlieren könnten, ohne ausreichend abgesichert zu sein.

„Das gibt soziale Unruhen“, sagt Witt. „Die Menschen müssen irgendwie aufgefangen werden. Man muss jetzt schon über Sozialprogramme, über Fonds und so weiter nachdenken. Sonst ist der Teufel los.“

Aus Sicht des Musikers werden die sozialen Folgen der Entwicklung bislang zu wenig diskutiert. „Ich habe noch keine grundsätzliche Stellungnahme von entsprechend kompetenter Seite gehört, wie für die Menschen in dieser Situation gesorgt werden soll. Die bekommen ja nicht alle sofort einen anderen Job.“ Witt fordert deshalb eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema: „Wir müssen dieses Thema extrem ernst nehmen. Das passiert im Moment noch gar nicht. Ich hoffe, dass es nicht irgendwann schon zu spät ist.“

Seine Warnung verbindet sich mit einer grundsätzlichen Kritik am Umgang mit den Sorgen der Bevölkerung. Menschen wollten gesund bleiben, ein möglichst angenehmes Leben führen und keine Angst vor einem sozialen Abstieg haben. „Und darum wird sich nicht genug gekümmert“, sagt Witt. „Wenn ich die Sorgen der Bevölkerung nicht ernst nehme, kriege ich irgendwann die Quittung.“

KI auch beim Komponieren

Die Technik selbst lehnt der Musiker allerdings nicht ab. In seiner eigenen künstlerischen Arbeit setzt er sie bereits ein. „Ich arbeite viel mit KI“, sagt Witt. Er nutze sie für Anregungen und zur Gestaltung von Plattencovern. Auf die Frage, ob künstliche Intelligenz auch beim Komponieren eine Rolle spiele, antwortet er: „In der Komposition teilweise.“

Entscheidend sei für ihn, die Ergebnisse gezielt nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Bei einem Cover wisse er beispielsweise genau, welche Figur, Umgebung und Lichtstimmung er erzeugen wolle. Einen kürzlich auf diese Weise erstellten Entwurf beschreibt er als „fantastisch“.

Die Skepsis gegenüber neuen technischen Möglichkeiten erinnert Witt an frühere Diskussionen über analoge und digitale Musik. Die Vorstellung, eine Aufnahme müsse knacken und knistern, damit sie gut klinge, teilt er nicht. „Es muss einfach geil klingen“, sagt der Musiker. Seine Offenheit gegenüber KI sieht Witt als Fortsetzung dieser Haltung: Er habe nie Angst vor neuen Entwicklungen gehabt. „Und so ist es mit KI jetzt genauso.“

„MusikerGrillen“ ist ein gemeinsames Format von WELT und ROLLING STONE. Auf einer Berliner Dachterrasse sprechen Dennis Sand und Sassan Niassari mit Musikern beim Grillen über ihre Biografie, ihre Karriere und gesellschaftliche Fragen. Zum Abschluss treten die Gäste mit einem ihrer Songs auf.

Folge 3 von „MusikerGrillen“ mit Joachim Witt läuft am Samstag, 17. Oktober, um 15 Uhr auf WELT TV.

Sehen Sie hier die erste Folge mit Metal-Ikone Doro Pesch:

Sie ist die deutsche „Queen of Metal“. Bei MusikerGrillen erzählt Doro Pesch von den Tief- und Wendepunkten ihrer Karriere. Und von einer Erfahrung, die sich bis heute eingebrannt hat.

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