An ihren Masken sollt ihr sie erkennen: Deutsche Rapper kostümieren sich nicht, um ihre Identität zu schützen, sondern um zu zeigen, wer sie sind. Ski Aggu trägt eine lustige Skibrille mit einer Klaviatur als Gurtband um seinen blondierten Vokuhila. Er stammt nicht aus schwierigen Verhältnissen im West-Berliner Plattenbau wie Sido mit seiner martialischen Metallmaske.

August Jean Diederich ist der Junge aus Wilmersdorf. Setzt er sich seine Partybrille auf, lässt er es krachen wie beim Après-Ski: „Wer ist der Geilste hier im Club? Ich bin der Geilste hier im Club!“ Beats aus der Dose, Sounds und Samples von der Stange.

„Ski Aggu Musik“, sein viertes Album, stößt auf so viel Resonanz, dass es sich sogar in der deutschen Albenhitparade an der Spitze wiederfindet. Seine Hörer kaufen also nicht nur Hits wie „Party Sahne“ („Disco, Party Sahne, Disco, Disco, Party Sahne!“) und „Spring“ („Du musst springen oder du bist eine Kurwa!“). Offenkundig rezipieren sie Ski Aggu als Konzeptkünstler und als Gesamtkunstwerk.

Vor sechs Jahren, während der Pandemie, war er im Deutschrap aufgetaucht mit seinem Stück „Weißwein & Pappbecher“. Mit „Party Sahne“ crashte er im Herbst 2022 erstmals die sozialen Medien und die Streamingdienste. Anschließend verbrüderte er sich mit Otto Waalkes für eine neue Version von „Friesenjung“, Ottos norddeutscher Fassung von Stings „Englishman in New York“ von 1987. Mit Stefan Raab und Sido sang er „Pa aufs Maul“.

Sonntags zu Hertha

Tatsächlich ist „Ski Aggu Musik“ mehr als eine Sammlung seiner 14 neuesten Tracks ohne Zusammenhang und Sinn. Man muss das Album autobiografisch hören, ohne alles allzu ernst zu nehmen. In „Der Geilste“ feiert er sich selbst als junger Dieter Bohlen und Berliner Junge, der den Zugezogenen zu laut ist. „Sonntag zu Hertha, dann Hain“, heißt es in „Wer ist Aggu?“ über seinen Alltag zwischen Fußballstadion und Berghain. Es gibt einen Generationen-Dialog: „Na, wat’n los, Oma? Dit is normal, dis’ die Generation, alle hüpfen se hier rum!“ – „Dis’ ja ein Krach, aber keine Musik!“ Ski Aggu rappt zu Hardtekk, seine geistigen Väter sind die Atzen aus den Nullerjahren. „Jungeratze“ ist der Name seiner eigenen Plattenfirma.

Ski Aggu auf einem Lidl-Parkplatz

Aggu wirkt im deutschen Hip-Hop wie die Antithese zu Rappern wie Sido, die von unten kamen und vom bürgerlichen Dasein träumten. Als sie sich dort wiederfanden, suchten sie die Nähe zu Sängern wie Peter Maffay. Aggu fing mit Otto Waalkes an. Aus seiner herthahaften Wilmersdörflichkeit steigt er hinab zum proletarisch inspirierten Partyvolk. Die „Zeit“ nennt ihn einen „Repräsentanten eines postpandemischen Hedonismus“. Was auch seinem Großvater, dem 92-jährigen Berliner Sozialdemokraten, Politologen und Professor an der Freien Universität Nils Diederich, gefallen dürfte.

In seinen Konzerten untersagt Ski Aggu den Gebrauch von Smartphones: „Als selbst handysüchtige Person sage ich, dass wir uns zu unserem Glück zwingen müssen.“ Glück ist für ihn als Geschöpf von Instagram und TikTok, Spotify und YouTube auch, ein anderer sein zu können.

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