Was Deutschland und Österreich trennt, ist die gemeinsame Sprache“, lautet eine Weisheit des österreichischen Kabarettisten Karl Farkas. Sie bewahrheitet sich aktuell urschön im Schmidt Theater an der Reeperbahn, wo die deutschsprachigen Darsteller im Musical „Hotel Skiverliebt“ versuchen, mit österreichischem Akzent zu sprechen, was einige besser und andere auch nicht viel schlechter hinbekommen. Nach einer Weile hat man sich hineingehört in das dabei entstehende Kauderwelsch und freut sich an den erlernten und gelegentlich – wie Rosinen in den Kaiserschmarrn – ins Stück eingestreuten österreichischen Ausdrücken.
Von Walzer und Ländler bis Austropop
Ohnehin ist die Story klass. Sie spielt in der beeindruckenden Kulisse der Kitzbüheler Alpen in Saalbach unterhalb des Oberen Gernkogel, wobei das „Hotel Skiverliebt“ samt Personal und Gästen selbstverständlich fiktiv bleibt. Das prächtige Bühnenbild von Serena Beatrice Irninger stellt ein praktischerweise auf- und zuklappbares Hotel in die Berglandschaft. So rasant wie auf der Skipiste geht es auch in der Komödie von Anna Lukasser-Weitlaner in der Regie von Dominik Flaschka zu. Die erste Szene ist zwar weniger geglückt – sie soll das turbulente Treiben im Hotelfoyer in der Wintersaison illustrieren und bleibt mit vielen für das spätere Stück irrelevanten Nebenfiguren recht wirr. Doch dann geht die Post ab.
Liebespaar beim Picknick in den Bergen: Camilla Senna da Silva (Nicole Rushing, l.) und Anna Maier (Tiziana Turano)Komponist Martin Lingnau reizt im Musical sämtliche folkloristischen und populärmusikalischen Möglichkeiten aus – vom Kaiserschmarrn-Walzer und dem Ländler über die Schmachtballade „Herzen im Schnee“ bis zum „Schi-cki-mi-cki-Traumboy“ à la Austropop. Die Texte der Songs verfasste der Hamburger Songwriter Frank Ramond, der sowohl für Udo Lindenberg und Barbara Schöneberger als auch für DJ Ötzi, Annett Louisan sowie Lotto King Karl schrieb. Für die Produktion des Musicals schlossen sich anlässlich der FIS Alpine Ski Weltmeisterschaften Saalbach 2025 das Schmidt Theater, das Salzburger Landestheater, der Tourismusverband Saalbach Hinterglemm und SalzburgerLand Tourismus zusammen. Die Uraufführung fand Anfang Februar 2025 am Salzburger Landestheater statt.
Vom Aussterben bedrohter Unkenblitzer gefährdet die WM
Erzählt wird im Musical von der Saalbacher Ski-Medaillenhoffnung Anna Maier (Tiziana Turano). Die Tochter der Hotelbesitzerin Jessica (Annic-Barbara Fenske) gerät kurz vor dem Wettkampf in eine Krise, fühlt sie sich doch („Nur ka Druck“) von allen unter Druck gesetzt: Von ihrer Mutter, dem Oberbürgermeister Joe Oberbichler (Götz Fuhrmann), der durchaus seine Infantino-Momente hat, und ihrem Freund und Trainer Franz (Karim Plett-Pfister). Dann kommt auch noch eine ernst zu nehmende Konkurrentin ins Hotel, die brasilianische Medaillenhoffnung Camilla (Nicole Rushing), trainiert vom Peppi (Jendrik Sigwart), der es mit Recht und Gesetz nicht so genau nimmt („Schlau sein, Sau sein“). Die Verwandten und Freunde fürchten um Anna und das Schlimmste: Dass sie für Deutschland startet.
Fiona Grafenreiter (Carolin Spieß, Mitte) zitiert für den Bürgermeister (Götz Fuhrmann, mit Hut) und andere Einwohner des Ortes aus einem GesetzbuchWährend der Bürgermeister (Wahlspruch: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“) versucht, die Weltpresse inklusive der NDR-Reporterin Hannah Kleinhampel-Huckriede (Katrin Taylor) von den Vorzügen Saalbachs zu überzeugen, stellt sich ihm und den Wettkämpfen plötzlich die Umweltschützerin Fiona Grafenreiter (Carolin Spieß) in den Weg. Sie hat einige Exemplare des vom Aussterben bedrohten Unkenblitzers am Abfahrtshang entdeckt. Das Insekt lebt angeblich nur von Schnee und vorläufig weiß niemand, wie man es in ein Reservat umsiedeln könnte. Die Polizei sperrt den Hang nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss.
Friede, Freude, Kaiserschmarrn
Während sich das Winter-Paradies in eine Marketing-Hölle verwandelt, hat Leo (Veit Schäfermeier), im Hotel der Mann für alles, andere Probleme. Er versucht, seiner Chefin Jessica seine Liebe zu gestehen (ganz wie einst der Oberkellner Leopold im Weißen Rössl vom Wolfgangsee seiner Josepha), was gar nicht so leicht ist in dem allgemeinen Trubel. Da nebenbei auch noch ein Saharawind eine massive Schneeschmelze auslöst („No Snow, no Show“), steht das Glück des ganzen Ortes am Abgrund, die Weltmeisterschaft auf der Kippe. Zu allem Überfluss lässt Peppi heimlich durch Franz die Urinprobe von Camilla gegen eine kokshaltige Probe austauschen – weil sie ihn hat abblitzten lassen.
Doch bevor alle und alles zugrunde gehen, sorgen einige erfreuliche Wendungen des Schicksals für Friede, Freude, Kaiserschmarrn: Die Anna bekommt ihre Camilla, und der Rosinenpicker Leo seine Jessica. Der Saharawind kehrt zurück in die Wüste und im Salzburger Land fällt Neuschnee. Mehr sei an dieser Stelle nicht gespoilert, wie es auf Neudeutsch und Neuösterreichisch heißt. Das zehnköpfige Schauspiel- und Tanzensemble wirft sich wie im Schmidt Theater üblich, singend und tanzend (Choreografie: Benjamin Zobrys), mit Haut und Haar in seine Rollen. Allen voran glänzen Carolin Spieß als Paragrafenreiterin Fiona Grafenreiter und Götz Fuhrmann als Oberbürgermeister und Vorsitzender diverser örtlicher Vereine sowie Unternehmer Joe Oberbichler. Auch das Duo der Skiläuferinnen, Tiziana Turano und Nicole Rushing, sowie Veit Schäfermeier als treuer Leo spielen sich in die Herzen der Zuschauer. „Hotel Skiverliebt“ hat das Zeug dazu, wie die „Heiße Ecke“ zum Dauerbrenner zu werden.
„Hotel Skiverliebt“ im Schmidt Theater, Termine und Karten unter www.tivoli.de
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