• Thüringen fördert mit Gesetzen und rund 2,1 Millionen Euro gezielt die Ausbildung und Ansiedlung von Ärzten, um 110 unbesetzte Hausarztsitze zu füllen.
  • Sachsen setzt auf Stipendien und Auslandsstudien, um Hausärzte zu gewinnen.
  • Kurzfristig wird sich der Ärztemangel verschärfen, da mehr Ärzte in Rente gehen, zu wenige Studienplätze existieren und die Ausbildung lange dauert.

Die ärztliche Versorgung sicherzustellen, ist per Gesetz Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen. Die organisieren das in Selbstverwaltung. Ohne politische Steuerung geht es aber nicht. Das sieht auch Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk. Man arbeite immer wieder an Gesetzen, die es den Kassenärztlichen Vereinigungen erleichtern sollen, ihren Versorgungsauftrag zu erfüllen.

Schenk nennt beispielsweise das Haus- und Zahnärzte-Sicherstellungsgesetz. Bei dem Gesetz werde über eine gewisse Quote erreicht, dass mehr Studierende, die einen Heimatbezug zu Thüringen haben, dort auch einen Studienplatz erhielten: "Man geht von der These aus, dass Menschen, die hier schon heimatverbunden sind, auch eine höhere Verbleibe-Perspektive – oder ich will das mal Klebeeffekt nennen – haben, um dann auch in Thüringen zu praktizieren."

Um mehr Ärztinnen und Ärzte in Thüringen zu halten oder wieder anzulocken, investiert die Landesregierung laut aktuellem Haushalt gut 2,1 Millionen Euro vom Gesamtetat über 14 Milliarden Euro. Allein in Thüringen sind laut Schenk derzeit 110 Kassensitze für Hausärzte nicht besetzt.

Primärarzt-System

Die AOK Plus – zuständig für Thüringen und Sachsen – sieht das Problem der Unterversorgung auch und verweist auf den jüngsten Vorschlag aus der Bundesregierung: das Primärarzt-System. Grundgedanke: Die Hausärzte steuern die Patienten durchs Gesundheitssystem und stellen Überweisungen für Fachärzte aus.

Katja Zeidler, Sprecherin der AOK Plus, erklärt, dass Menschen mitunter auch mehrere Fachärzte in Anspruch nähmen. Sie betont, dass es sich lohne, die Ideen der Bundesregierung weiterzuverfolgen. Dabei seien aber weitere Dinge zu klären: "Welche Aufgaben kann das Fachpersonal in den Praxen übernehmen? Müssen alle Routineuntersuchungen vom Arzt durchgeführt werden? Kann ich mehr Verantwortung auf das Praxispersonal übertragen, um die Ärzte zu entlasten?"

Neues Finanzierungsmodell soll kommen

Erst diese Woche haben sich Kassenärzte und Krankenkassen auf ein neues Modell zur Finanzierung von Hausarztpraxen geeinigt. Danach sollen Allgemeinmediziner mehr Geld bekommen, etwa für Hausbesuche und mehr Sprechstunden an Mittwoch- und Freitagnachmittagen. Allerdings: Zwingen kann die Praxen niemand.

Für Zeidler ist der Kompromiss nur ein Teil der Lösung. Sie betonte, dass es grundsätzlich nicht helfe, immer mehr Geld in das Gesundheitswesen zu pumpen, und dass die Lösung ein Gesamtpaket umfasse, das von Studienplätzen über die Förderung der Ansiedlung von Landärzten bis hin zu einer klugen Patientensteuerung und gezielten Terminvergaben reiche.

Sachsen will ärztliche Versorgung stärken

Auch Sachsen fährt schon länger Programme, um die ärztliche Versorgung zu stärken. Darunter ein Hausarztstipendium, bei dem Studierende monatlich 1.000 Euro vom Sozialministerium bekommen, wenn sie sich mindestens sechs Jahre außerhalb sächsischer Ballungszentren verpflichten. Außerdem werden Studierende dabei unterstützt in Ungarn zu studieren – und so den strengen Numerus Clausus in Deutschland zu umgehen.

Derzeit sind 371 Hausarztstellen nicht besetzt. Sylvia Krug, stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, zeigt sich trotzdem optimistisch, dass die Maßnahmen greifen werden: "Unser Ziel ist es, die Arztzahlen zu stabilisieren. Ich würde nie versprechen wollen, dass das deutlich besser wird mit den Niederlassungen. Aber wir arbeiten dran, dass wir zumindest den Status quo, den wir jetzt haben, halten."

Immer weniger Nachwuchs

Stabil halten wird schwer werden, da Prognosen zufolge in den kommenden Jahren mehr Ärzte in den Ruhestand gehen werden, als neu ausgebildete hinzukommen und sich niederlassen. Auf absehbare Zeit wird sich der Engpass bei der ärztlichen Versorgung verschlimmern, bestätigt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in einer Untersuchung. In der Vergangenheit sei es versäumt worden, dem Ärztemangel mit mehr Studienplätzen entgegenzuwirken. Wegen der langen Ausbildungszeit für Ärztinnen und Ärzte sei der Zug für kurzfristige Effekte abgefahren.

Auch das Centrum für Hochschulentwicklung kommt in einer aktuellen Auswertung zu dem Ergebnis, dass es auf ganz Deutschland gesehen insgesamt zu wenige Medizinstudienplätze gibt, um Interesse und Ärztebedarf zu decken. Ein Grund: Medizinische Fakultäten sind mit laufenden Kosten pro Jahr und Studierenden von rund 25.000 Euro relativ teuer.

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