Nach seinem Kollegen in Texas will auch der republikanische Gouverneur von Missouri mit einem Neuzuschnitt der Wahlkreise seiner Partei bei den kommenden Wahlen einen Vorteil verschaffen. Gouverneur Mike Kehoe kündigte am Freitag eine Sondersitzung des Parlaments in Jefferson City zu dem Thema an. Wenige Stunden zuvor hatte der texanische Gouverneur Greg Abbott ein Gesetz zur Reform der Wahlkreise unterzeichnet, das den Republikanern bei den Zwischenwahlen 2026 fünf zusätzliche Sitze sichern soll.
Die Sondersitzung in Missouri soll laut Kehoe am kommenden Mittwoch beginnen. Er veröffentlichte bereits einen Entwurf für eine neue Karte, die den Wahlkreis des demokratischen Abgeordneten Emanuel Cleaver im Großraum Kansas City nach Osten in ländliche, republikanisch geprägte Gebiete ausdehnt. Auf seiner Agenda steht außerdem ein weiteres republikanisches Anliegen: ein Verfassungszusatz, der die Annahme von Bürgerinitiativen erschweren soll, wie solche, die in den vergangenen Jahren Änderungen am Abtreibungsrecht und zur Legalisierung von Marihuana durchsetzten.
Kehoe bezeichnete beide Punkte als Verteidigung gegen liberale Politiker und Aktivisten. „Missouris konservative, vernünftige Werte sollten auf allen Regierungsebenen angemessen vertreten sein“, teilte er mit. Die Demokraten zeigten sich empört und sprachen von einem Angriff auf die Demokratie, gesteuert von US-Präsident Donald Trump. Die demokratische Minderheitsführerin im Parlament von Missouri, Ashley Aune, bezeichnete Kehoe als Marionette Trumps. Er versuche, für die Republikaner einen Sitz im Kongress zu stehlen und das Verfahren für Bürgerinitiativen zu untergraben.
Missouri ist der dritte US-Staat, der eine Neugliederung der Wahlbezirke aus parteipolitischen Gründen anstrebt. Am Freitag hatte der texanische Gouverneur Greg Abbott ein Gesetz zur Neuaufteilung von Wahlkreisen im US-Bundesstaat unterzeichnet, das den Republikanern in Washington mehr Gewicht verleihen könnte. „Texas ist jetzt tiefrot im US-Kongress“, sagte er in einem Video auf X und spielte damit auf die charakteristische Farbe seiner Partei an. Mit dem Vorstoß will Abbott die eigene Partei im Repräsentantenhaus in Washington stärken - dort vertritt jeder Abgeordnete jeweils einen Wahlkreis. Derzeit halten die Republikaner in beiden Kammern des US-Parlaments – also sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus – knappe Mehrheiten.
Beim gezielten Zuschneiden von Wahlkreisen – das sogenannte „Gerrymandering“ – werden Grenzen so gelegt, dass eine Partei möglichst viele eigene Stimmen konzentriert und die der Gegenseite zersplittert. Dadurch kann sie mehr Sitze gewinnen, selbst wenn sie bei den Kongresswahlen nicht mehr Stimmen bekommt. Eigentlich werden die Wahlkreise auf Basis des Zensus alle zehn Jahre definiert. Das soll nun durch das Gesetz umgangen werden. Im November 2026 stehen die 435 Sitze des US-Repräsentantenhauses zur Wahl.
Texas gehört zu den bevölkerungsreichsten Bundesstaaten und entsendet derzeit 38 Abgeordnete ins Repräsentantenhaus – mehr hat nur Kalifornien. Schon kleinere Verschiebungen können also das Kräfteverhältnis im Kongress verändern. Mit dem Vorstoß in Texas hoffen die Republikaner auf bis zu fünf zusätzliche Sitze im Repräsentantenhaus. Das demokratisch geführte Kalifornien hatte bereits angekündigt, über den Neuzuschnitt von Wahlkreisen abstimmen lassen zu wollen – und damit den Republikanern Paroli zu bieten.
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