Zehntausende haben am Sonntag in Madrid gegen den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez protestiert. Die Teilnehmer der Demonstration warfen der linksgerichteten Regierung Korruption vor und verlangten den Rücktritt des Regierungschefs sowie Neuwahlen. Zu dem Protest hatte die konservative Volkspartei (PP) von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo aufgerufen.

Die Kundgebung fand auf der Esplanade vor dem Debod-Tempel im Stadtzentrum unter dem Motto „Mafia oder Demokratie?“ statt. Viele trugen Spanien-Flaggen und Plakate mit Aufschriften wie „Rücktritt sofort!“ und „Sánchez geh weg!“. „Es reicht“ und „Keinen Tag länger“ skandierten die Demonstranten.

Die PP sprach von rund 80.000 Teilnehmern. Nach Angaben der Stadtverwaltung nahmen rund 40.000 Menschen an der Kundgebung teil. Die letzte ähnlich große Kundgebung gegen Sánchez hatte es in Madrid im Juni gegeben.

Der sozialdemokratische Regierungschef Sánchez steht seit Wochen wegen Korruptionsvorwürfen gegen mehrere Vertraute unter Druck. Am Donnerstag war Ex-Verkehrsminister José Luis Ábalos festgenommen worden. Ábalos, sein Ex-Berater Koldo García sowie der frühere Parteivertreter Santos Cerdán, werden verdächtigt, während der Corona-Pandemie Schmiergelder für die Vergabe öffentlicher Aufträge für Schutzmasken kassiert zu haben.

Sánchez Sozialisten regieren mit einem Bündnis linker Parteien seit 2023 in einer Minderheitsregierung. Der Korruptionsskandal hat die ohnehin instabile Regierung schwer erschüttert. Sánchez hat den Vorwurf illegaler Finanzierung in seiner Sozialistischen Partei strikt zurückgewiesen und sich bislang geweigert, Neuwahlen auszurufen. Zuvor hatte die spanische Justiz bereits Korruptionsermittlungen gegen seine Frau und seinen Bruder eingeleitet.

Oppositionsführer Núñez Feijóo sagte vor den Demonstranten: „Der Sánchismus sitzt im Gefängnis und muss aus der Regierung geworfen werden“. Er forderte die Regierung erneut auf, Neuwahlen auszurufen. „Sollen sie doch endlich gehen – sollen sie gehen und Neuwahlen ausrufen, damit die Bürger sprechen, wählen und entscheiden können“, forderte er. Die nächste Parlamentswahl müsste in Spanien im Prinzip erst in der zweiten Hälfte 2027 stattfinden.

Die konservative Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, sagte, Spanien befinde sich „in den Händen einer Mafia, eines totalitären Projekts“. Auch der konservative Bürgermeister von Madrid, José Luis Martínez-Almeida und Ex-Ministerpräsident Mariano Rajoy nahmen an der Protestkundgebung teil.

Allerdings ist auch die Volkspartei nicht frei von Korruptionsvorwürfen, Kritik und Affären. So kündigte etwa der Präsident der Autonomen Gemeinschaft Valencia, der PP-Politiker Carlos Mazón, nach viel Kritik an seinem Krisenmanagement während der Flut mit mehr als 200 Toten im Herbst 2024 in der bei Urlaubern beliebten Region seinen Rücktritt an.

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