US-Präsident Donald Trump hat Öllieferungen aus Venezuela angekündigt. Die „Übergangsbehörden“ sollen 30 bis 50 Millionen Barrel „hochwertiges“ Öl zu Marktpreisen an die USA verkaufen, teilte der Präsident am Dienstag auf seiner Plattform „Truth Social“ mit.
Das Öl werde mit Schiffen direkt in US-Häfen gebracht, schrieb Trump. Energieminister Chris Wright sei angewiesen, diesen Plan „sofort“ umzusetzen. „Dieses Öl wird zu seinem Marktpreis verkauft, und das Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten verwendet wird“, schrieb Trump weiter.
In welchem Zeitraum die von Trump genannte Menge Rohöl von Venezuela zur Verfügung gestellt werden soll, ist unklar. Bei dem Volumen handelt es sich ungefähr um die gesamte Produktion der venezolanischen Ölindustrie von ein bis zwei Monaten. Das Ölgeschäft ist für Venezuelas Regierung die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle. Die neue Führung in Caracas äußerte sich bisher nicht zu Trumps Ankündigung.
„Unverschämter Einsatz von Gewalt gegen Venezuela“
China kritisierte Trumps angekündigten Eingriff in Venezuelas Ölindustrie scharf. Peking bezeichnete den geplanten Verkauf von 30 bis 50 Millionen Barrel Öl an die USA und Trumps Kontrolle über die Einnahmen als „unverschämten Einsatz von Gewalt gegen Venezuela“. Außenamtssprecherin Mao Ning erklärte, dass solche Forderungen, Venezuela solle seine Ölressourcen nach dem Prinzip „America First“ verwalten, gegen das Völkerrecht verstießen und den Rechten des venezolanischen Volkes schadeten.
China betonte, dass Venezuela die volle Souveränität über seine Bodenschätze und Wirtschaftsaktivitäten habe und dass die Rechte und Interessen der Volksrepublik in dem südamerikanischen Land gewahrt bleiben müssten. Peking ist einer der größten Abnehmer venezolanischen Öls, weshalb Trumps Plan in der chinesischen Regierung auf deutliche Ablehnung stößt.
Rohölmengen werden in Barrel gemessen, also Fässern. Ein Barrel umfasst rund 159 Liter. Legt man für das Öl aktuelle Preise und das Beispiel der US-Ölsorte WTI mit Lieferung im Februar zugrunde, mit einem Preis von 58,65 Dollar (Stand Dienstnachmittag Ortszeit) pro Barrel, dann würden die Erlöse hochgerechnet bei bis zu 2,9 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) liegen. Der tatsächliche Preis für das venezolanische Öl könnte auch unter dem Weltmarktpreis liegen.
Für Venezuela wäre das Wegbrechen der Einnahmen sehr schmerzhaft. Für die USA aber wären die absehbaren Einnahmen eine geringe Summe. Auch die Ölmenge ist für die USA bestenfalls von begrenzter Bedeutung: Das Land produziert Regierungsangaben zufolge selbst knapp 14 Millionen Barrel pro Tag.
US-Konzerne sollen nach der Vorstellung des Republikaners Trump nun kräftig investieren und die marode Ölindustrie in Venezuela wieder aufbauen. Viele Demokraten werfen dem Präsidenten vor, Venezuela nur wegen seiner Ölreserven angegriffen zu haben. Die Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro wegen angeblicher Drogendelikte sei nur ein Vorwand gewesen.
Venezuela verfügt über gut 300 Milliarden Barrel Öl
Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. An der US-Golfküste sind mehrere Raffinerien auf solches Rohöl spezialisiert.
Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund einer Million Barrel pro Tag derzeit recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Verantwortlich für den Rückgang der Produktion sind Sanktionen, Missmanagement beim staatlichen Energiekonzern PDVSA und Korruption. Trotz der US-Sanktionen gegen das Land fördert seit diesem Jahr auch der US-Ölriese Chevron mit einer Sondergenehmigung wieder in Venezuela.
Nach Einschätzungen von Experten wären Investitionen in Höhe von bis zu 100 Milliarden US-Dollar nötig, um die venezolanische Ölindustrie wieder auf den Stand der Technik zu bringen und die Produktion anzukurbeln.
Weiterhin organisiert das Weiße Haus für Freitag ein Treffen im Oval Office mit Führungskräften von Ölgesellschaften in Bezug auf Venezuela, wie eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur AP mitteilte. Erwartet werde die Teilnahme von Vertretern der Ölkonzerne Exxon, Chevron und ConocoPhillips.
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