Trotz scharfer Kritik und Rücktrittsforderungen sieht Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner keinen Grund, sich für sein Tennismatch während des großen Stromausfalls zu entschuldigen. Auf die Frage, ob er innerhalb der CDU-Fraktion um Entschuldigung gebeten habe, sagte Wegner am Rande eines Termins im Roten Rathaus: „Es gibt ja keinen Grund zur Entschuldigung, wenn man eine Krise anderthalb Tage vorher beendet. Ich will das noch mal sagen: Das Krisenmanagement hat funktioniert. Wir haben das gut hinbekommen.“ Der Blackout war einen Tag früher behoben worden, als der Senat anfangs angekündigt hatte.

Doch hagelt es Kritik, weil Wegner am Samstag zum Tennisspielen gefahren war, statt sich um den Stromausfall zu kümmern. Zum Tennismatch sagte Wegner: „Mir war an diesem Tag wichtig, dass ich eine Stunde Sport mache. Ich musste abschalten. Ich musste herunterkommen. Ich musste meine Gedanken fassen und ordnen.“

„Da war ich im Tunnel“

Dass er von sich aus nichts von seinem Sporttermin wenige Stunden nach Blackout-Beginn gesagt hat, sieht er nach eigenen Worten inzwischen kritisch. „Im Rückblick wäre es sicherlich besser gewesen, das am Sonntag zu sagen, aber es war schlicht nicht in meinem Fokus.“ Im Fokus, so Wegner, habe für ihn die Frage gestanden, wie er die Menschen schnell wieder mit Strom und Wärme versorgen könne. „Da war ich im Tunnel. Ich wollte diese Krise schnell beenden.“

Er fügte an: „Für mich persönlich wäre es wahrscheinlich besser gewesen, wenn ich vor Ort gewesen wäre und ein paar Fotos gemacht hätte. Aber hätte es irgendeinem Betroffenen etwas gebracht? Hätte es den 100.000 Menschen etwas gebracht, wenn ich dort ein Foto gemacht hätte? Ich glaube: nein.“

Giffey: „Ich kann es nicht ganz nachvollziehen“

Nicht jeder sieht das so entspannt. Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey äußerte sich kritisch über Wegner. „Ich kann es nicht ganz nachvollziehen“, sagte die SPD-Politikerin am Rande eines Termins in einem Seniorenheim in Zehlendorf. „Ich erlebe aus der Bevölkerung sehr irritierte Reaktionen.“

Welche politischen Folgen es gebe, müsse man nun abwarten. „Ich kann nur sagen, ich bin mit der Situation anders umgegangen“, fügte sie an. Sie könne verstehen, dass man in so einer Krisensituation auch eine Pause brauche, so Giffey. Aber „ich finde, dann kann man das auch sagen“, ergänzte sie.

Inzwischen ist bekannt, dass Wegner sich beim Tennis mit einem anderen Senatsmitglied duellierte – seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Am Sonntag hatte Wegner auf die Frage eines Journalisten noch behauptet, den ganzen Samstag am Telefon gewesen zu sein. Er habe versucht zu koordinieren. Inzwischen sieht er die Aussage selbstkritisch.

Der Stromausfall war durch einen mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag ausgelöst worden. Berlin rief eine sogenannte Großschadenslage aus und bat die Bundeswehr um Amtshilfe.

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