Nach dem tagelangen Stromausfall in Berlins Südwesten kam um kurz nach 22 Uhr am Mittwochabend die offizielle Entwarnung per Handyalarm: „Entwarnung: Wiederherstellung der Stromversorgung im Südwesten Berlins“, so war es auf den Smartphone-Displays zu lesen. Einige Stunden vorher hieß es, „99,9 Prozent“ der Haushalte in Steglitz-Zehlendorf seien wieder mit Elektrizität versorgt. Das hatte ein Sprecher der Stromnetze Berlin mitgeteilt.
Wie sieht die Lage tatsächlich aus? WELT verschaffte sich in der Nacht zum Donnerstag vor Ort einen Überblick. Vereinzelt sind in Zehlendorf, Wannsee, Nikolassee und Schlachtensee weiterhin Notstromaggregate in Betrieb. In Wannsee mussten Aggregate auch in der Nacht mit Diesel versorgt werden. Ihr durchgehendes Brummen ist in mehreren Straßenzügen deutlich zu hören.
Nach Angaben des THW wurde die aktive Einspeisung von Strom inzwischen eingestellt, da die Versorgung durch Stromnetz Berlin grundsätzlich wiederhergestellt ist. Eine THW-Sprecherin sagte WELT, dass Einsatzkräfte dennoch bei zahlreichen Aggregaten verbleiben. Hintergrund seien vereinzelte Ausfälle und eine noch nicht vollständig stabile Netzlage. Auf Anweisung der Innensenatorin müsse das THW insbesondere bei vulnerablen Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Kinderheimen innerhalb von 30 Minuten wieder Strom einspeisen können.
Entsprechend seien auch weiterhin Betankungen der Generatoren notwendig. Aktuell sind laut THW 179 Einsatzkräfte im Einsatz, zusätzlich befindet sich umfangreiche Logistik im Bereitstellungsraum an der Gallwitzallee. Insgesamt hatte das THW während der Krise 74 Einspeisestellen betrieben.
Auch der Netzbetreiber bestätigt den weiterhin hohen technischen Aufwand. Gegenüber WELT teilte Stromnetz Berlin mit, dass bis in den späten Mittwochabend noch rund 40 Aggregate in Betrieb waren. Diese seien zur Nacht außer Betrieb genommen worden, blieben jedoch verfügbar.
Zusätzlich stehen an mehreren Bahnhöfen sowie an ausgewählten Standorten Lichtmasten und Generatoren bereit, bewacht durch Einsatzkräfte. Die Versorgung gilt als wiederhergestellt – abgesichert wird sie dennoch weiter. Über die Online-Plattform für Störungsmeldungen „Störungsauskunft.de“ wurden Ausfälle am Nachmittag und Abend gemeldet.
Nach Angaben des THW waren insgesamt 943 Einsatzkräfte im Verlauf der Lage im Einsatz. Der Fachberaterstab in der Feuerwehrleitstelle sowie die zusätzlichen Notrufannahmestellen wurden inzwischen aufgelöst. Aktuell bleibt bis mindestens Montag ein Leitungs- und Kommunikationsstab aktiv, um die Lage weiter zu beobachten und bei Bedarf schnell reagieren zu können.
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