Nach massiven Protesten gegen die iranische Führung ist der Internetzugang im ganzen Land blockiert worden. Der Iran befinde sich in einem landesweiten Internet-Blackout, teilte die Organisation Netblocks, die sich auf die Beobachtung von Internetsperren spezialisiert hat, am Donnerstag mit.

Auch der Internet-Anbieter Cloudflare bestätigte die Blockade und führte sie auf die iranische Regierung zurück. Versuche, aus dem Ausland iranische Handy- und Festnetznummern zu erreichen, schlugen fehl.

Tausende Menschen sind am Abend auf die Straßen der Hauptstadt Teheran geströmt. Auch von Balkonen riefen am Donnerstagabend viele Menschen Parolen wie „Tod der Islamischen Republik“ und „Tod dem Diktator“, wie Augenzeugen Reportern der Nachrichtenagentur AP berichteten.

Einige huldigten auch dem mit der Revolution 1979 gestürzten Schah und dessen Sohn Reza Pahlavi, der zu Protesten am Donnerstag- und Freitagabend um 20 Uhr aufgerufen hatte. „Dies ist der letzte Kampf. Pahlavi wird zurückkehren“, war einer der Kampfrufe, die in Teheran zu hören waren.

Auch in der Millionenmetropole Maschhad kam es zu heftigen Straßendemonstrationen. In der zweitgrößten iranischen Stadt im Nordosten gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Demonstranten vor, wie Einwohner berichteten. Es sei „wie Krieg“, sagten Augenzeugen.

Früher hätte ein solcher Aufruf im Iran leicht die Todesstrafe nach sich ziehen können. Doch zuletzt weiteten sich Proteste auf das ganze Land aus.

„Wo auch immer Sie sich befinden, ob auf der Straße oder sogar von Ihren eigenen Häusern aus, ich rufe Sie auf, genau zu dieser Zeit mit den Sprechchören zu beginnen“, sagte der ehemalige Kronprinz in einem Video auf X.

Proteste im ganzen Land

Die Demonstrationen hatten vor elf Tagen begonnen, nachdem die Landeswährung Rial gegenüber dem Dollar auf ein Rekordtief gefallen war. Das treibt die Inflation und damit die Lebenshaltungskosten nach oben. Bei den Protesten sind aber auch zunehmend Rufe gegen die theokratische Führung des Irans laut geworden. Bisher wurden laut der in den USA ansässigen Human Rights Activists News Agency (HRANA), die sich bei ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb des Irans stützt, im Zusammenhang mit den Demonstrationen mindestens 38 Menschen getötet und mehr als 2.200 weitere festgenommen.

Am Mittwoch gab es nach Angaben der Aktivisten mindestens 37 Proteste, unter anderem in Schiras. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna, die über die Demonstrationen weitgehend geschwiegen hatte, berichtete über eine Massendemonstration in Bodschnurd sowie über Demonstrationen in Kerman und Kermanscha.

Die zur Justiz gehörende Nachrichtenagentur Misan meldete, ein Polizeioberst sei außerhalb von Teheran durch Stiche tödlich verletzt worden. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete, Bewaffnete hätten in der Stadt Lordegan in der Provinz Chaharmahal und Bachtiari zwei Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet und 30 weitere verletzt.

Die Demonstrationen scheinen bisher im Großen und Ganzen führerlos zu sein, wie auch frühere Proteste im Iran. Die Unterstützung für Pahlavi schien aber durchaus groß zu sein. Unklar ist allerdings, ob viele Iraner den Prinzen selbst unterstützen oder sie der Wunsch nach einer Ordnung wie vor der Islamischen Revolution von 1979 antreibt.

Auch bei den Protesten nach dem Tod der jungen Iranerin Mahsa Amini 2022 hatten die Behörden den Internet-Zugang massiv eingeschränkt.

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