Mit der Gesamtsituation ihres Landes unzufrieden: So lässt sich grob die Stimmung einer sehr großen Mehrheit der Deutschen zusammenfassen. Wie aus dem ersten Deutschlandtrend des Jahres 2026 hervorgeht, sehen 84 Prozent der Bürger in den „Verhältnissen derzeit in Deutschland“ eher Anlass zur „Beunruhigung“. Nur 13 Prozent finden hingegen, es bestehe eher Grund zur „Zuversicht“.

Nach Anhängern der Bundestagsparteien betrachtet, geben in der von Infratest Dimap im Auftrag von ARD-„Tagesthemen“ und WELT durchgeführten Umfrage noch am ehesten Unterstützer der CDU/CSU an, zuversichtlich auf die Verhältnisse hierzulande zu blicken (27 Prozent). Fast alle AfD-Anhänger – nämlich 99 Prozent – äußern hingegen Beunruhigung.

Trotz dieses Gesamtbefundes hat sich die Stimmung auf zwei zentralen Politikfeldern aufgehellt – auf einem sogar deutlich. So stellen die Befragten eine klare Verbesserung bei der Frage fest, ob dem Staat die „Kontrolle“ darüber gelinge, „welche und wie viele Zuwanderer in die Bundesrepublik kommen“. Maßgeblich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) arbeitet daran, eine sogenannte Migrationswende herbeizuführen – etwa durch Zurückweisungen auch von Asylbewerbern direkt an der Grenze sowie durch einen schärferen Abschiebekurs. Im Jahr 2025 sank die Zahl der Asylerstanträge um 33 Prozent, lag aber immer noch über der Marke von 100.000.

Die Zahl der Deutschen, die die gegenwärtige Zuwanderungssteuerung als „sehr gut“ oder „gut“ bewerten, steigt im Deutschlandtrend im Vergleich zu Ende Januar 2025 um 23 Punkte auf 32 Prozent. Nach wie vor gibt zwar eine deutliche Mehrheit an, die Kontrolle über die Migration laufe „weniger gut“ oder „schlecht“ (61 Prozent) – allerdings ist dieser Wert um 24 Punkte gesunken.

Die Bewertung der „gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage“ fällt zwar immer noch überwiegend negativ aus. Doch immerhin findet inzwischen ein Fünftel der Befragten, die ökonomische Situation des Landes sei „sehr gut“ oder „gut“ – das ist im Vergleich zur Erhebung kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 ein Anstieg um vier Prozentpunkte. Um denselben Wert sinkt die Prozentzahl derer, die die Wirtschaftslage als „weniger gut“ oder „schlecht“ bewerten, auf 79 Prozent.

Bemerkenswert: Bei beiden Fragekomplexen äußern sich jeweils Unterstützer der oppositionellen Grünen am positivsten. 42 Prozent erklären die Wirtschaftslage für gut – und eine große Mehrheit von 77 Prozent bewertet die aktuelle Zuwanderungssteuerung positiv. Den Gegenpart bilden AfD-Unterstützer: Jeweils eine riesige Mehrheit von 94 Prozent erklärt die Politik auf diesen Feldern für schlecht.

Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) ist wie im Dezember unverändert: 78 Prozent der Bürger sind „weniger“ oder „gar nicht“ zufrieden, ein Fünftel zeigt sich „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Am größten ist die Zufriedenheit noch bei Anhängern der Union (47 Prozent). Von den Unterstützern des Koalitionspartners SPD gibt mit 31 Prozent nicht mal ein Drittel an, mit dem Schaffen der Regierung zufrieden zu sein. Bei der Frage, ob Schwarz-Rot in diesem Jahr bestehen bleibe, sind die Deutschen geteilter Ansicht: 48 Prozent halten den Fortbestand für „wahrscheinlich“, 45 Prozent das Gegenteil.

Im Ranking der Spitzenpolitiker büßen fast alle an Beliebtheit ein – lediglich der Kanzler gewinnt im Vergleich zum Vormonat einen Punkt hinzu. Mit 24 Prozent Zustimmung liegt er allerdings weit unten im Ranking und gleichauf mit Dobrindt (minus vier Punkte). Dicht vor ihnen: AfD-Chefin Alice Weidel (25 Prozent, plus eins im Vergleich zu Oktober 2025) und SPD-Chef sowie Finanzminister Lars Klingbeil (26, minus vier im Vergleich zum Vormonat).

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) liegt mit 33 Prozent auf Platz zwei der Liste, die weiterhin von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) angeführt wird (57 Prozent). Abgeschlagen im unteren Drittel: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU, 14 Prozent), Linke-Chef Jan van Aken (13) und Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner (neun).

Kaum Veränderung gibt es in der Sonntagsfrage: Die Union legt einen Punkt auf 28 Prozent zu, die SPD verliert einen und landet bei 13. AfD (25 Prozent), Grüne (zwölf) und Linke (zehn) bleiben bei ihren Vormonatswerten.

Vertrauen in die Ukraine sinkt

Außenpolitisch löst zurzeit der Kurs der Regierung von US-Präsident Donald Trump international Unruhe aus: Das amerikanische Militär hat Venezuela angegriffen und Diktator Nicolás Maduro in die USA gebracht, wo ihm der Prozess gemacht wird. 72 Prozent der Deutschen erklären diese Militäraktion für „nicht gerechtfertigt“ – zwölf Prozent geben das Gegenteil an. Am größten ist das Verständnis unter AfD-Anhängern (29 Prozent), am geringsten unter Linke- und Grünen-Unterstützern (je drei Prozent).

Wie sollten Deutschland und EU auf die amerikanische Intervention in Venezuela reagieren? Die Hälfte der Befragten spricht sich dafür aus, sich „deutlich“ gegen das Vorgehen auszusprechen, „auch wenn das Donald Trump verärgern könnte“. 39 Prozent vertreten hingegen die Ansicht, die Bundesrepublik und die EU sollten „eher zurückhaltend sein, um Donald Trump nicht zu provozieren“. Die Bundesregierung hielt sich mit einer Bewertung des amerikanischen Vorgehens zunächst zurück; vier Tage nach der Aktion kritisierte sie, die USA hätten im UN-Sicherheitsrat „nicht überzeugend dargelegt, dass ihr Vorgehen völkerrechtskonform war“.

Nach Parteianhängern betrachtet, raten zur Zurückhaltung mehrheitlich diejenigen der AfD, nämlich 58 Prozent. Bei der Union ist das Verhältnis ausgewogen: 45 Prozent plädieren für weitgehende Neutralität – 48 Prozent für deutliche Kritik. Bei den drei linken Parteien überwiegt die Ansicht, Deutschland und die EU müssten Trumps Vorgehen klar verurteilen: 69 Prozent der SPD-Anhänger sowie jeweils 78 Prozent der Grünen- und der Linke-Unterstützter positionieren sich entsprechend.

Eine große Mehrheit von 81 Prozent aller Befragten äußert aktuell „große“ oder „sehr große“ Sorgen, dass „in der Weltpolitik zunehmen das Recht des Stärkeren gilt“. 69 Prozent fürchten um die „Sicherheit in Europa“. Und 62 Prozent zeigen sich besorgt, was „das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland“ angeht.

70 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu: „Auf den Schutz der USA können sich die Nato-Partner gegenwärtig nicht verlassen.“ Gleichwohl war der Pessimismus diesbezüglich im April 2025 deutlich ausgeprägter (78 Prozent). Eine Mehrheit von 53 Prozent plädiert dafür, dass Deutschland sich „von der Nato unabhängiger machen und ein gemeinsames europäisches Militärbündnis aufbauen“ sollte. 34 Prozent sind gegenteiliger Ansicht.

Und welche Länder sind nach Sicht der Bürger Partner für Deutschland, denen man vertrauen kann? 78 Prozent sagen dies über Frankreich, 74 Prozent über Großbritannien. Einen deutlichen Reputationsverlust verzeichnet die Ukraine: Nur noch 40 Prozent der Deutschen halten das von Russland angegriffene Land für einen vertrauenswürdigen Partner – das sind acht Punkte weniger als im Juni 2025.

Die Ukraine wurde im November vergangenen Jahres von einem Korruptionsskandal im Umfeld von Präsident Wolodymyr Selenskyj erschüttert. 48 Prozent der Deutschen geben nun an, man könne dem Land nicht vertrauen. Enorm ist das Misstrauen der Deutschen gegenüber den USA (76 Prozent) und Russland (83).

Zur Methodik: Für den repräsentativen Deutschlandtrend hat Infratest Dimap vom 5. bis 7. Januar 1323 wahlberechtigte Bürger in 789 Telefon- und 534 Online-Interviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten.

Johannes Wiedemann ist Leitender Redakteur Politik Deutschland.

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